Göppingen Psychisch kranker Mann legt zwei Brände

Göppingen / Sandra Schröder 22.02.2018
Nachdem er ein Auto in Süßen in Brand setzte, legte ein 28-Jähriger auch das Feuer im Göppinger Christophsbad.

Ein 28-Jähriger ist sowohl für ein brennendes Auto in Süßen am Dienstag als auch für das Feuer im Göppinger Christophsbad am Mittwoch verantwortlich. Bei dem Brandstifter handelt es sich um einen psychisch kranken Mann, der nicht schuldfähig ist, erklärte Uwe Krause vom Polizeipräsidium in Ulm am Donnerstag auf Nachfrage. Ein Anwohner hatte wie berichtet am Dienstagabend gegen 22.45 Uhr in der Süßener Bahnhofstraße beobachtet, wie der 28-Jährige einen Hyundai anzündete und damit einen Schaden von 5000 Euro anrichtete. Ein Polizeihubschrauber fand den Täter später in einem Feld.

Er wurde daraufhin ins Göppinger Christophsbad eingeliefert und als neuer Patient auf der psychiatrischen Station engmaschig überwacht, berichtet Bernhard Wehde, Geschäftsführer und Sprecher des Klinikums Christophsbad am Donnerstag unserer Redaktion. Dort zündete der 28-Jährige am Mittwoch um kurz nach 13 Uhr seine Matratze an und verließ, als sich beim Alarm die Türen aus Brandschutzgründen automatisch öffneten, die geschlossene Station. Die Polizei griff den verwirrt wirkenden Mann am gleichen Tag in der Großeislinger Straße wieder auf. Jetzt befindet er sich nicht mehr im Christophsbad, sondern wurde laut Polizeisprecher Krause in einer anderen geschlossenen psychiatrischen Landesklinik untergebracht.

Wie ein Brandstifter auf einer psychiatrischen Station erneut Feuer legen konnte, erklärt Geschäftsführer Wehde so: „Der 28-Jährige selbst hatte kein Feuerzeug, hat es sich aber vermutlich bei einem anderen Patienten beschafft.“ Die Klinikleitung darf Patienten Gebrauchsgegenstände nicht wegnehmen oder verbieten – auch sie haben Grundrechte, die nicht einfach so beschnitten werden dürften. Der 28-Jährige wurde laut Wehde vom Personal speziell beobachtet, es sei aber nicht möglich, ihn rund um die Uhr zu überwachen. Das würde Patienten mit seinem Krankheitsbild zusätzlich nervös machen, erklärt er.

Auch die Brandschutzauflagen muss die Klinik einhalten. Wenn es brennt, müssen sich die Türen öffnen. Das ist Vorschrift, damit im Ernstfall keine Menschen zu Schaden kommen. „Patienten, die bereits Erfahrung im Vollzug haben, wissen das natürlich“, sagt Wehde, daher gebe es leider immer wieder Fehlalarme. Die kosten jedes Mal 1500 bis 1800 Euro, wenn die Feuerwehr umsonst ausrücke.

Das Schwierige dabei sei die Gratwanderung: Zwar könnte die Klinik erst jeden Feueralarm überprüfen, bevor die Feuerwehr verständigt werden, wenn es aber tatsächlich brennt, „dann können wenige Minuten entscheidend sein“, betont Wehde. Schlimm sei dabei vor allem die rasche Rauchentwicklung, so auch beim Brand am Mittwoch.

Die Einsatzkräfte waren mit fünf Feuerwehrautos schnell zur Stelle. Das Personal habe richtig reagiert, alle Abläufe wurden bei der großen Brandschutzübung im Oktober wieder eingeübt und „liefen nun wie am Schnürchen“, sagte Pflegedirektorin Birgit Gambert. Alle Patienten und Mitarbeiter, die dem Rauch ausgesetzt waren, wurden vom Notarzt untersucht und bei allen lagen die Werte im Normbereich. Es entstand ein Schaden von 20.000 Euro. „Der Bereich der Station wird zeitnah wieder in Betrieb genommen“, sagte Wehde.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel