Beharrlichkeit und der Glaube an die eigene Stärke zeichnen Firat Arslan aus. Jetzt wird der 49-jährige Donzdorfer Boxprofi dafür belohnt: Am 8. Februar kommenden Jahres boxt der Routinier, Vater des vergangene Woche geborenen Bilal und der bald dreijährigen Zwillinge Melisa und Lina Sükran, in Göppingen um den Weltmeistergürtel der International Boxing Organization (IBO) gegen den amtierenden Champion Kevin Lerena aus Südafrika.

Vielleicht bald der älteste Weltmeister aller Zeiten

„Ich freue mich auf diesen Kampf, aber ich bin mit meinen 49 Jahren der Außenseiter“, hält Arslan fest, weiß aber, dass er im Falle eines Sieges der älteste Box-Weltmeister aller Klassen aller Zeiten wäre – der Donzdorfer würde Bernard Hopkins diesen Rekord abnehmen, der 2013 mit 48 Jahren und 53 Tagen im Halbschwergewicht den IBF-Titel gewann. Es ist das Ziel, das Firat Arslan seit langer Zeit antreibt und auf diese Chance warten ließ. Jetzt kann der ehemalige WBA-Champion und amtierende GBU-Titelträger noch einmal einen WM-Kampf eines namhaften Verbandes bestreiten. Schließlich waren auch die Schwergewichtler Wladimir Klitschko, Lennox Lewis, Anthony Joshua und Tyson Fury IBO-Weltmeister.

13 Siege meist durch K.o.

Kevin Lerena hat sich den IBO-Weltmeistergürtel im September 2017 in Johannesburg gegen den Kongolesen Youri Kalenga gesichert und seitdem fünf Mal verteidigt. Dabei schickte er den hochgehandelten deutschen Hoffnungsträger Artur Mann in der vierten Runde auf die Bretter, zuletzt gewann der 27-jährige Südafrikaner erneut vor heimischer Kulisse gegen den chancenlosen Sefer Seferi, den er in der dritten Runde K.o. schlug. Seferi hatte sich vor knapp einem Jahr einen Zwölf-Runden-Schlagabtausch in der EWS-Arena mit Firat Arslan geliefert, der Unentschieden gewertet worden war. Dementsprechend groß ist der Respekt des Donzdorfers vor Lerena. Arslan selbst hat seinen letzten großen Weltmeisterschaftskampf im August 2014 in Erfurt bestritten, als er äußerst knapp gegen den IBF-Champion Yoan Pablo Her­nandez verlor. Danach folgten 14 Cruisergewichtskämpfe gegen Boxer aus der zweiten und dritten Reihe, um im Wettkampfmodus zu bleiben. Dabei feierte der Familienvater 13 Siege, meist durch K.o. in den ersten Runden, und musste nur ein Remis gegen Sefer Seferi akzeptieren. Für Arslan war es wichtig, im Wettkampfmodus zu bleiben, nachdem er nicht für die World Series of Boxing berücksichtigt worden war, in der in den vergangenen beiden Jahren die wichtigsten Aushängeschilder und Titelinhaber der Gewichtsklasse gegeneinander angetreten waren.

Sportliche Herausforderung

Jetzt kehrt Firat Arslan ins Rampenlicht zurück. Gemeinsam mit dem Hamburger Promoter Erol Ceylan tritt der Donzdorfer einmal mehr als Veranstalter in Göppingen auf, der den Boxabend auch finanziell stemmen muss. Doch dies soll in den Hintergrund rücken, Arslan will sich ausschließlich auf die sportliche Aufgabe konzentrieren. „Ich steige aus Überzeugung in den Ring“, freut sich der 49-Jährige auf die heiß ersehnte Chance gegen den Konkurrenten vom Kap der guten Hoffnung. Ein bereits angekündigter Box­­abend mit Firat Arslan am 16. November in Göppingen musste im Übrigen abgesagt werden.

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Sportart Boxen kennt viele Verbände


Vielfalt Als die größten vier Verbände im Profiboxen gelten die World Boxing Association (WBA), der World Boxing Council (WBC), die International Boxing Federation (IBF) und die World Boxing Organization (WBO). Dahinter reiht sich unter mehreren weiteren Verbänden auch die International Boxing Organisation (IBO) mit Sitz in Florida ein, in deren Geschichte mehrere namhafte Weltmeister eine Rolle spielen. Unbedeutend dagegen ist die Global Boxing Union (GBU) – bei einer GBU-Boxnacht sicherte sich Firat Arslan im Juni 2018 den WM-Gürtel dieses Verbandes.

Champion Von November 2007 bis September 2008 war Firat Arslan Weltmeister im Cruisergewicht der WBA, nachdem er Virgil Hill (USA) in Dresden besiegt und den Titel gegen Darnell Wilson verteidigt hatte.