Göppingen Botschafterin für die Wissenschaft

Biochemie-Doktorandin Claudia Kielkopf (r.) will junge Menschen für die Wissenschaft begeistern. Am Freihof-Gymnasium machte sie mit Schülern ein Experiment zur DNA-Spaltung.
Biochemie-Doktorandin Claudia Kielkopf (r.) will junge Menschen für die Wissenschaft begeistern. Am Freihof-Gymnasium machte sie mit Schülern ein Experiment zur DNA-Spaltung. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Maximilian Haller 28.06.2018
Claudia Kielkopf hat am Freihof-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Nun will die Biochemie-Doktorandin an ihrer alten Schule junge Menschen für Naturwissenschaften begeistern.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an“, meint Claudia Kielkopf, als sie durch die Eingangstüren des Freihof-Gymnasiums in Göppingen schreitet. 2010 hat sie dort ihr Abitur gemacht. Am Dienstag ist die Biochemie-Doktorandin für einen Tag an die Schule zurückgekehrt, um dort für die neunten Klassen eine Unterrichtsstunde zum Thema DNA zu halten.

Ihre Leidenschaft für Naturwissenschaften hat Kielkopf schon während ihrer eigenen Schulzeit entdeckt. In Tübingen hat sie ihren Bachelor in Biochemie gemacht, für ihren Masterabschluss ging sie für zwei Jahre in das schwedische Linköping. Derzeit promoviert die 26-Jährige in Wollongong in Australien im Fach Experimentelle und Medizinische Biowissenschaften. Während ihres Studiums bemerkte Kielkopf die auffällig niedrige Frauenquote in den naturwissenschaftlichen Studiengängen. „Nur eine von 15 Professoren in diesem Fachbereich war eine Frau“, erzählt sie. Das sei bedauerlich, findet die 26-Jährige: „Leider ist es so, je höher man in der Karriereleiter klettert, desto weniger Frauen gibt es.“ Sie wolle dazu beitragen, dass sich da etwas ändert.

Über eine Kollegin kam Kielkopf dann auf „Homeward Bound“. Bei dem Projekt handelt es sich um ein Führungsprogramm für Frauen in der Wissenschaft. Durch professionelles Coaching lernen die Teilnehmerinnen ihre eigenen Stärken kennen. Auch Themen wie Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft und Wassermangel werden in „Homeward Bound“ untersucht. „Ich habe sofort gemerkt, das sind genau meine Themen“, sagt Kielkopf. „Homeward Bound“ wird die Biochemie-Doktorandin zudem auf eine dreiwöchige Expedition in die Antarktis führen. Ende Dezember sticht sie mit rund 80 weiteren Teilnehmerinnen des Programms in See. Es wird geforscht, sich ausgetauscht, aber auch die Auswirkungen des Klimawandels wird Kielkopf während ihrer Reise hautnah erleben.

Wissenschaft erfahrbar machen

Ein wichtiger Aspekt von „Homeward Bound“ sei es, der Öffentlichkeit zu zeigen, was bei dem Programm alles erreicht wird. „Forschung nach außen zu kommunizieren, wird in der Wissenschaft immer wichtiger“, so die Biochemie-Doktorandin. Durch „Homeward Bound“ ermutigt, hat Claudia Kielkopf beim Freihof-Gymnasium angefragt, als waschechte Wissenschaftlerin eine Schulstunde zu halten. Das Thema ist für die 26-Jährige eine Herzensangelegenheit: „Mir persönlich ist es wichtig, Wissenschaft für junge Menschen erfahrbar zu machen, und ich möchte insbesondere bei Mädchen die Neugier und Faszination für Naturwissenschaften wecken.“

Kielkopf will auch mit dem Vorurteil aufräumen, Wissenschaftler seien Eremiten, die sich in ihren staubigen Laboren verkriechen. „Wissenschaft ist absolute Teamarbeit“, erklärt die 26-Jährige den Neuntklässlern. Zudem sei man heutzutage weltweit vernetzt, auch durch Twitter und andere soziale Netzwerke.

Im Unterricht behandelt Kielkopf das Thema DNA-Spaltung. Die Entdeckung der Struktur des Erbguts wird James Watson und Francis Crick zugeschrieben – zu Unrecht, wie Kielkopf findet: „Die beiden haben kein einziges Experiment durchgeführt.“ Stattdessen basieren ihre Erkenntnisse auf den Experimenten von Rosalind Franklin, die nur relativ wenig von dem Ruhm abbekommen habe.

Mit den Schülern des Freihof-Gymnasiums führt Kielkopf ein ganz ähnliches Experiment durch. Ausgestattet mit Schutzbrillen, Reagenzgläsern und Isopropanol extrahieren die Neuntklässler die DNA von Erdbeeren. „Was passiert bei der Reaktion?“, fragt Kielkopf die Schüler. „Da schwebt so Zeug rum“, antwortet ein Junge. Tatsächlich ist die weißliche Substanz, die auf der Flüssigkeit aufliegt, die sichtbar gemachte Erdbeer-DNA.

Kielkopf kann sich vorstellen, auch in australischen Schulen ähnliche Gastvorträge zu halten. Zudem ist die 26-Jährige stets auf der Suche nach neuen Sponsoren für „Homeward Bound“. Im Freihof-Gymnasium ist es ihr vielleicht schon gelungen, die nächste Rosalind Franklin für Naturwissenschaften zu begeistern.

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