Bisweilen scheint es, als wolle der Comedian Dieter Nuhr den Menschen die Vernunft am liebsten einfach kurzerhand hineinprügeln – in seinem neuen Programm „Nuhr hier, nur heute“, das er am Samstagabend vor einer voll besetzten EWS-Arena in Göppingen präsentierte, rechnete er mit allem ab, was gegen den gesunden Menschenverstand spricht: Fremdenhass, islamistischer Fundamentalismus, linker oder rechter Extremismus und vor allem die durch Social Media hervorgerufene Empörungsshysterie in der Gesellschaft sind dem 58-Jährigen ganz offensichtlich ein Dorn im Auge.

Besonders die „hysterisch geführte“ Feinstaub-Debatte scheint es Nuhr an diesem Abend angetan zu haben: „Als ich von Stuttgart hierhergefahren bin, habe ich mich extra bei der Messstelle am Neckartor vorbeifahren lassen, um das mal zu sehen, leider konnte ich vor lauter aufgewirbelten Staub überhaupt nichts erkennen.“ Eigentlich sei es ihm sowieso schleierhaft, wie er bei den schädlichen Umwelteinflüssen, die das Leben nun mal so mit sich bringe, überhaupt habe so alt werden können. „Feinstaub, Stickoxide, der Dieselskandal – ich wundere mich manchmal, dass ich noch atme.“

Nach über 30 Jahren auf der Bühne sei er das Gejammere in der Gesellschaft leid, dass sich beispielsweise gerade in Sachen Umwelt nichts verbessere, weil es einfach nicht stimme. „Und diese Erkenntnis ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich bin ja grün-alternativ sozialisiert, aber irgendwann habe ich diese Realitätsverweigerung nicht mehr hingekriegt.“ Als Kind, erinnert er sich, habe man nicht im Rhein gespielt, weil es da „nach Scheiße und Chemie“ gestunken habe: „Und wissen Sie was? Da war Scheiße und Chemie drin. Heute ist er so sauber, dass man wenigstens mit den Füßen drin baden kann.“

Auch könne er das „Früher war alles besser“ inzwischen nicht mehr hören. „Wann soll denn die gute alte Zeit gewesen sein? Vor 150 Jahren war es sicher eine tolle Erfahrung, an einem Eiterzahn zu sterben. Oder die zwei Weltkriege? Ganz spannende Sache für die Teilnehmer.“ Überhaupt werde in Deutschland immer zuerst alles einmal schlecht gemacht, um den Beweis zu führen, zieht er die allererste Pisa-Studie zur Rate: „Die deutschen Schüler waren ganz hinten und Neuseeland war auf Platz vier. Wir haben uns damals nicht getraut, unsere Tochter dorthin ins Auslandsjahr zu schicken, weil wir dachten, dafür sei sie zu blöd.“ Gegangen sei sie dann doch und es habe sich herausgestellt, dass die deutschen Schüler zwei Klassen weiter waren als die gleichaltrigen Neuseeländer: „Und da ist mir eines klar geworden. Wir Deutschen haben deswegen so schlecht abgeschnitten, weil wir vermutlich die einzigen Vollpfosten waren, die die Fragebögen korrekt ausgefüllt hatten.“

Nuhr hielt an diesem Abend ein thematisch breitgefächertes Plädoyer für die Vernunft, den Zuschauern hat es gefallen – nach zwei Stunden Programm verabschiedeten sie ihn mit lang anhaltendem Beifall.