Göppingen Berggaststätte wird deutlich teurer

Handwerker waren gestern auf dem Hohenstaufen nicht anzutreffen: Unter den Göppinger Stadträten wächst die Skepsis, ob die neue Berggaststätte wie geplant Ende Mai eingeweiht und eröffnet werden kann. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Das Projekt wird deutlich teurer als von der Stadt veranschlagt. Der derzeitige Kostenstand liegt bei knapp 490 000 Euro. Foto: Giacinto Carlucci
Handwerker waren gestern auf dem Hohenstaufen nicht anzutreffen: Unter den Göppinger Stadträten wächst die Skepsis, ob die neue Berggaststätte wie geplant Ende Mai eingeweiht und eröffnet werden kann. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Das Projekt wird deutlich teurer als von der Stadt veranschlagt. Der derzeitige Kostenstand liegt bei knapp 490 000 Euro. Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / HELGE THIELE 03.04.2012
Der Umbau der Schutzhütte auf dem Hohenstaufen zur Berggaststätte kostet jetzt schon doppelt so viel wie geplant. Das sorgt für großen Ärger.

Alarmstimmung im Göppinger Gemeinderat: Die Bürgervertreter haben die massive Kostensteigerung bei der Erweiterung der Hohenstaufenhalle noch nicht richtig verdaut, da gibt es neuen Ärger. Schon wieder wird ein Vorhaben der Stadt deutlich teurer als geplant. Diesmal ist es die Kostenentwicklung auf dem Hohenstaufen, die für Verdruss sorgt. Dort wird zurzeit die Schutzhütte, die die Stadt dem Albverein abgekauft hatte, zur Berggaststätte umgebaut. 320 000 Euro hatte die Verwaltung für die Maßnahme veranschlagt - inzwischen liegen die Kosten bei knapp 490 000 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 52 Prozent - und die Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.

Eingedenk der schlechten Erfahrungen mit der Kostenkontrolle bei der Hohenstaufenhalle formulierte Oberbürgermeister Guido Till in der jüngsten Gemeinderatssitzung eher vorsichtig: "Ich kann nicht ausschließen, dass wir am Ende über 500 000 Euro kommen." Baudezernent Olav Brinker hatte gleich zu Beginn der Beratungen die Verantwortung für die neuerliche Kostenexplosion übernommen, versicherte aber zugleich: "Wir haben nichts schön gerechnet." Verschiedene nicht vorhersehbare Umstände hätten dazu geführt, dass auf dem Göppinger Hausberg mehr Geld verbaut werde als vorgesehen. So sei zum Beispiel in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt und durch Sondierungsergebnisse deutlich geworden, dass die an die neue Terrassenfront angrenzende historische Burgmauer keine zusätzliche Lasten tragen dürfe. Dies habe Mehrkosten von 18 000 Euro zur Folge gehabt. Außerdem seien für die Bereiche Lüftung, Sanitär und Gastroberatung "weitere Fachplaner" erforderlich gewesen. Zusatzkosten: 14 000 Euro. Auch die Küche wird teurer (plus 14 000 Euro), genauso wie die Fassadenarbeiten (plus 9000 Euro), die Trockenbauarbeiten (plus 6000 Euro) und die Fliesenarbeiten (plus 5000 Euro). Nicht nur SPD-Stadtrat Dr. Helmut Dees wunderte sich, warum nichts davon vorhersehbar gewesen sein sollte. Sein Fraktionskollege Klaus Wiesenborn empfahl der Verwaltung, "die Planungen künftig anders zu machen", und Wolfgang Berge (Freie Wähler/VUB) warnte: "Es darf kein Himmelfahrtskommando auf 684 Metern Höhe geben." Berge wusste aber auch: "Wir werden wohl zustimmen müssen." Christian Stähle (Die Linke) riet dazu, die Kosten in Zukunft bei allen Projekten vorbeugend um 20 bis 30 Prozent höher anzusetzen.

Karin Bernartz, die Leiterin des städtischen Hochbauamts, wies die Schelte der Stadträte zurück. Die Fachfrau gab zu bedenken, dass die Schutzhütte auf dem Hohenstaufen noch bewirtschaftet worden sei, als die Kosten geschätzt wurden. Außerdem habe es für die Stadt "kein Vergleichsobjekt" gegeben. Auch OB Till nahm die Hochbauverwaltung in Schutz und meinte: "Wir befinden uns hier nicht im Systembau. Die Baustelle auf dem Hohenstaufen ist schwierig."

Stähle mutmaßte, im Göppinger Baudezernat "rühren seit Jahren zu viele Köche im Brei herum". Zudem "stinkt der Fisch vom Kopf her". Till konterte: "Was Sie sagen, ist Stuss." Die Kostensteigerung habe nichts mit "Führungsstrukturen" im Rathaus oder "meinem angeblichen Mobbingverhalten gegenüber dem Baubürgermeister zu tun".

Ende Mai soll die neue Berggaststätte feierlich eröffnet werden. So sieht es der Zeitplan der Stadt vor. Bis dahin ist auf der Baustelle, die gestern einen verlassenen Eindruck machte, jedoch noch viel zu tun.

Wie berichtet, ist die Göppinger Agentur Saltico einziger Bewerber um die Verpachtung des Lokals.

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