„Liebe, Lust und Leid(enschaft)“ war der Titel des  Sommernachtskonzerts des Göppinger Kammerchors unter der Leitung von Fabian Wöhrle in der Oberhofenkirche. Der Kammerchor und sein Dirigent warteten mit einem stimmig zusammengestellten romantischen Programm auf, das seinem Titel mehr als gerecht wurde. Zwischen den Chordarbietungen erklangen passend dazu schön gestaltete Harfenwerke, von Eva Maria Bredl bezaubernd gespielt. Seit 2014 leitet Fabian Wöhrle den Göppinger Kammerchor und wartet immer wieder mit besonderen Programmen auf. Für dieses Sommernachtskonzert hatte der an der Stadtkirche in Ludwigsburg wirkende Kirchenmusiker Werke von Josef Gabriel Rheinberger, Wilhelm Peterson Berger, Reynaldo Hahn und Matyas Seiber ausgewählt. Schon zu Lebzeiten war Rheinberger berühmt.

Von "Waldblumen" und dem "Killeböckchen"

Der gebürtige Liechtensteiner, dessen Wirkungsstätte später München war schrieb zahlreiche Auftragskompositionen. Die „Waldblumen“ komponierte er nach Texten von Franz Alfred Muth, dessen Naturlyrik von zahlreichen Komponisten vertont wurde, auch von Rheinberger. Der Chor bot drei Lieder aus diesem Zyklus dar mit reicher Dynamik und durchsichtigen Sequenzen. Fabian Wöhrle hatte die Aufstellung der Sängerinnen und Sänger so gewählt, dass die Sänger zwischen den Frauenstimmen aufgestellt waren, was dem Klang eine besondere Tiefe und Strahlkraft verlieh und die geringe Zahl der Männer geschickt ausglich. Schon diese ersten Lieder überzeugten sowohl mit ihrem heiteren als auch melancholischen Duktus und ihrer gestalterischen Wirkung. In einem zweiten Block erklangen „acht Gesänge opus 11“ des Schweden Wilhelm Peterson Berger, die auch in der Originalsprache vorgetragen wurden. Die Sänger überraschten mit einer sehr präzisen Aussprache und einem soliden Spannungsaufbau, einer differenzierten Dynamik und der Herausarbeitung des Sprachwitzes und der abwechslungsreichen Klang- und Textstruktur. Besonders gelungen erschien das „Killeböckchen“, ein lustiges Kinderlied, das das Lämmchen besingt, das sich pflegen soll, weil es demnächst im Süppchen der Mutter landet. Aber auch das „Tanz!“ am Schluss vor der Pause zeigte sich frisch und die Vorstellung des Tanzbodens mit den unterschiedlichsten Tänzern und deren Spaß am Leben und am Tanz entstand so mitten in der Kirche.

Nach der Pause wurden drei Lieder aus den „Chansons et Madrigaux“ von Reynaldo Hahn vorgetragen, genauso frisch und lebendig, immer wieder auch mit komödiantischem Einschlag, was den Sängern sichtlich Freude bereitete. Fabian Wöhrle führte seinen Chor sicher und immer wieder auch bewegte und motivierte er mit Körpereinsatz, gab so Motivation und Führung. Seine Inspiration und Begleitung beflügelten die Sänger.

Leichtfüßiges Spiel

Für den Schluss hatte er die „Yugoslav Folk Songs“ von Matyas Seiber ausgewählt. Da konnte der Chor noch einmal zeigen, was er in puncto Tempo und Lautstärke zu bieten hatte. Abwechslungsreich, mit den unterschiedlichsten Nuancen waren diese „Volkslieder“ aus Jugoslawien an Witz und Heiterkeit ein Höhepunkt des Konzertes. Gelungen spielte der Chor mit lauten und leisen, schnellen und langsamen Passagen, sodass dichte, farbenreiche Bilder entstanden. Zwischen den Chorblöcken gab es weitere Farbtupfer durch das Harfenspiel von Eva Maria Bredl. Das erste Musikstück „Watching the Wheat“ von John Thomas war die romantische Einstimmung auf das Gesamtprogramm und ließ das wogende Weizenfeld vor dem inneren Auge der Zuhörer im Wind vorbeiziehen. Sanfte perlende Töne, zarte Arpeggien lösten legato Sequenzen ab, leichtfüßiges Spiel wechselte mit grave Passagen, wie Wasserperlen aufgedreht an Gräsern, mit musikalischer Einfühlung und Eleganz eingespielt, fantasievoll und mit vielfältiger Dynamik, auch in der „Fantasie op. 95“ von Camille Saint-Sa?ns und „La Harpe aeolienne“ von Felix Godefrôid.

Am Ende gab es lang anhaltenden herzlichen Beifall für ein sommernächtliches schönes Konzert und als letzten Höhepunkt noch eine gemeinsam musizierte Zugabe.