Musik Beieindruckend großes Klangspektrum

Das „Ka Ma Quartet“ begeisterte das Publikum im Alten E-Werk.
Das „Ka Ma Quartet“ begeisterte das Publikum im Alten E-Werk. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Stefan Renner 30.01.2017

Das „Ka Ma Quartet“, das aus der Saxophonistin Katharina Maschmeyer, Nils Pollheide an Gitarre und Bass, dem Pianisten und Keyboarder Philipp Rüttgers, der auch für Bassläufe verantwortlich ist, und dem Schlagzeuger Jens Otto besteht, wagte sich vergangenes Jahr mit einem neuen Konzept ins Studio und mit der Einspielung nun auf Tour. Es ging dabei um die Suite: „A Love Supreme“. Ergänzt wurde die Band durch die 70-jährige Perkussionistenlegende Nippy Noya.

Im Zentrum des Konzerts im Alten E-Werk in Göppingen stand die legendär gewordene Suite John Coltranes aus dem Jahr 1965. Sie markierte die Hinwendung zu kraftvollen, energetisch fließenden, freieren Spielweisen und neuen Klängen mit spiritueller Anmutung.

Es war schon immer schwierig, der Gesamtwirkung des Coltrane-Quartets adäquat zu begegnen. Diese Schwierigkeit umschiffte das „Ka Ma Quartet“ gekonnt, indem es mit dem Coltrane-Material erfrischend anders umging: Weniger das Nachspielen Coltranes stand im Zentrum des Konzerts, als vielmehr das Interpretieren seiner Suite. Ihr wurde von der Band in ihrem Klangbild und Stil begegnet. Wichtige „Seelenmomente“ der Suite wurden beibehalten, etwa die Themen, ein kraftvoll rhythmischer, mantraartiger Fluss, Freiheit im Spiel, weit ausholende atmosphärische Improvisationen und das Halten von Spannung. Der Umgang mit ihr erfuhr auch deshalb etwas Persönliches und Zeitübergreifendes, weil die Musiker neben Sound-Gefügen aus der Bitches-Brew-Ära auch Funk, Rock und eigene Sounds zu einer eigenständigen Mischung vermengten.

Während des gesamten Konzertes war die Achtung der Musiker gegenüber diesem Werk zu spüren. Zur Suite selbst wurde spielfreudig über die drei Eigenkompositionen „Open Road“, „Beat It“ und „Universal Tone“, das bereits den Geist der Suite atmete, hingeführt und so das Klangbild der Band, in das die Suite eingebettet werden sollte, vorgestellt.

Dann setzte – nach lautem Anschwellen aller Instrumente – wuchtig verzerrt die Gitarre, mit der oft zitierten, riffartigen Bassfigur von „Acknowledgement“, ein. Die Keys legten sphärische Klänge, der Rhythmus nahm Fahrt auf und das Saxophon legte sich auf diese rockig-funkige pulsierende Rhythmusorgie – ohne das Spiel Coltranes zu zitieren. Zum zweiten Stück der Suite „Resolution“, das sich zu einem wuchtigen „Rocker“  entwickelte, wurde über ein sensibles Zwischenspiel hingeführt.

„Pursuance“ wurde nach der Pause melodisch, groovend, beschwingt tänzelnd dargeboten, bevor mit dem lyrisch selbstvergessenen, leicht indisch anmutenden „Psalm“, das von Picks auf der Akustischen und dem Klang der Bassklarinette getragen wurde, die Suite zu ihrem Ende kam. Pharoah Sanders‘ „The Creator Has A Masterplan“ wurde anschließend in der Art von: „Pink- Floyd-meets-Santanameets-Jazz“ begegnet.

Beeindruckend war das große Klangspektrum der Band. Geprägt wurde es von verschiedenen perkussiven Instrumenten, Wah-Wah- und Chorus-Sounds, Piano-, Keyboardklängen und diversen Blasinstrumenten. Nicht geglättet, sondern direkt, roh und ungeschliffen wurde es mit großer Könnerschaft lustvoll vorgetragen. Der freie, unbornierte und frische Umgang eines gewachsenen Kollektivs mit diesem bedeutenden Stück Musikgeschichte wusste neben dem mit seinen Eigenkompositionen sehr zu überzeugen und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.

Unter neuem Namen

Band: Das „Ka Ma Quartet“ ging aus dem Katharina-Masch­meyer-Quartet hervor. Der neu gewählte Name betont die Gleichberechtigung aller Bandmitglieder. Seit 2010 hat das Quartett im Ganzen vier Studio-Alben und ein Live-Album eingespielt. Bislang standen bei den Alben Eigenkompositionen im Zentrum, die die verschiedenen Stile Funk, Rock und Jazz ganz selbstverständlich zu einem scheinbar leicht zugänglichen, dabei anspruchsvoll vertrackten und stets groovenden Stilmix vereinten. Das aktuelle Album: „A Love Supreme / Universal Tone“ aus dem Jahr 2016 ist ein Tributalbum an die Suite John Coltranes. Mit diesem Album setzte auch die Hinwendung der Band zur Auseinandersetzung mit und Interpretation von diesen Fremdkompositionen ein. Näheres u. a. unter www.katharina-maschmeyer.com oder www.nilspollheide.com.

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