Kreis Göppingen Baumwipfelpfad gestorben - Investor verzichtet

Einen Baumwipfelpfad - wie hier im Nationalpark Bayrischer Wald - wird es im Kreis Göppingen vorerst nicht geben.
Einen Baumwipfelpfad - wie hier im Nationalpark Bayrischer Wald - wird es im Kreis Göppingen vorerst nicht geben. © Foto: Archiv
RODERICH SCHMAUZ 17.09.2012
Der Baumwipfelpfad bei Wiesensteig ist gestorben. Angesichts des Gegenwindes und Anfeindungen hat der Investor, die Erlebnis Akademie Bad Kötzting, beschlossen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Das war’s, der Investor macht einen Rückzieher – der Bürgerentscheid in Wiesensteig ist damit hinfällig: In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung beschlossen am Sonntagabend Aufsichtsrat und Vorstand der Erlebnis-Akademie AG Bad Kötzting einstimmig, den Plan fallen zu lassen, beim Reußenstein einen Baumwipfelpfad zu realisieren. Das teilte am Montagabend Vorstandssprecher Bernd Bayerköhler in einer ausführlichen Pressemitteilung mit.

„Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht“, betont er, da die Erlebnis-Akademie in das Wiesensteiger Projekt schon sehr viel Arbeit und Herzblut gesteckt habe. „Wir waren von der Nützlichkeit der Sache überzeugt“, betont Bayerköhler. Doch habe man „nach Abwägung aller Fakten und bei Bewertung aller Risiken, nach Würdigung der letzten Monate, der Entwicklung und Dynamik mit all den Leserbriefen, Meinungsäußerungen, Anfeindungen, Behauptungen und auch nach Betrachtung der Veranstaltungen der letzten Woche in Wiesensteig, zu keiner anderen Entscheidung“ kommen können.

Nach Einschätzung der Erlebnis-Akademie ist das Risiko von weiteren Störungen durch die Gegner des Projekts, bis zu einstweiligen Verfügungen und Baustopps „bei Weitem zu hoch, als dass es ein Weiterverfolgen des Projektes rechtfertigen würde“. Selbst wenn der auf 7. Oktober terminierte und nun hinfällige Bürgerentscheid zugunsten des Baumwipfelpfads ausgefallen wäre, hält es der Investor für wahrscheinlich, dass der Gegenwind durch einzelne, persönliche Gegner des Projekts anhalten würde. Konkret:

Für Bayerköhler zeichnet sich ein „provozierter Gutachterstreit“ zur der Artenkartierung ab. In der Bürgerversammlung am Dienstagabend in Wiesensteig hatten Diskussionsteilnehmer das noch nicht abgeschlossene Naturschutz-Gutachten bereits angezweifelt.

Ein Grundstücksbesitzer hat unmissverständlich klargelegt, an die Erlebnis-Akademie keinen Platz für die notwendigen zusätzlichen Parkplätze zu verkaufen.

Als Manko bewertet Bayerköhler zudem den massiven Widerstand der umliegenden Gemeinden, der bei Versammlungen in Wiesensteig in den kritischen Redebeiträgen der Bürgermeister aus Neidlingen und Weilheim zum Ausdruck kam. Diese Gemeinden befürchteten, die Hauptlast des Verkehrs zum Baumwipfelpfad abzubekommen. Bayerköhler spürt hier „den Widerstand einer ganzen Region“, mit der er doch in Zukunft zusammenarbeiten müsste.

Die Erlebnis-Akademie fürchtet schließlich um ihr Ansehen. Das sieht Bayerköhler „durch anhaltend unsachliche Darstellungen und durch gezielte Falschinformation beschädigt“.

Generell stellt der Investor klar, die Erlebnis-Akademie AG wolle „keine Projekte realisieren, die offensichtlich mit so viel Gegenwind versehen sind, der sich auch durch sachliche Argumente nicht besänftigen lässt.“ Die Gegner mit Argumenten zu überzeugen, sei nicht gelungen. „Wahrscheinlich hatten wir auch keine Chance, dies zu schaffen, denn diese Gruppe von Menschen war, bis auf wenige Ausnahmen, jeglicher Argumentation verschlossen“, konstatiert Bayerköhler. Doch den Widerstand zu brechen, um ein Projekt zu realisieren, passe nicht zur Firmenphilosophie der Erlebnis-Akademie. Bayerköhler dankt allen Unterstützern.