Göppingen Baulandpreise in der Diskussion

Bauherren haben es derzeit schwer. Die Grundstückspreise steigen immer weiter. Foto: Jens Büttner/dpa
Bauherren haben es derzeit schwer. Die Grundstückspreise steigen immer weiter. Foto: Jens Büttner/dpa © Foto: Jens Büttner (dpa)
Göppingen / Arnd Woletz 07.02.2018
Angesichts der stürmischen Preisentwicklung für Bauland hat auch die Stadt Göppingen die Tarife deutlich über dem Bodenrichtwert angesetzt.

In Zeiten knappen Baulands und explodierender Immobilienwerte sind auch in Göppingen die Grundstückspreise ein heißes Eisen. Das wurde jetzt im Ausschuss für Umwelt und Technik deutlich. Denn Häuslebauer müssen in der Hohenstaufenstadt tief in die Tasche greifen, selbst wenn sie auf kommunalen Flächen am Rande der Stadt bauen wollen.  In zwei kleineren Neubaugebieten in Schopflenberg und Hohenstaufen fordert die Stadt nicht die Bodenrichtwerte, die aus vergangenen Grundstücksgeschäften ermittelt werden, sondern geht rund ein Viertel darüber – in Schopflenberg auf 320 Euro pro Quadratmeter, in Hohenstaufen auf 210 Euro. Das könnte Signalwirkung für die großen Flächen im Bereich Dittlau haben, wo einmal 2000 Bürger ein neues Zuhause finden sollen, fürchten Stadträte von der FDP/FW-Fraktion, einzelne von der FWG und CDU-Fraktion. Im Falle von Schopflenberg fühle sich der frühere Eigentümer „über den Tisch gezogen“ kritisierten sie. Er sei davon ausgegangen, dass die Stadt  sich beim Weiterverkauf an die Bodenrichtwerte halten werde, so die Kritiker. Sie befürchten, dass das Vorgehen der Stadt in der Zukunft Grundstücksbesitzer vom Verkauf abhalten könne.

Das wollte Oberbürgermeister Guido Till nicht auf sich sitzen lassen. „Hier wird niemand über den Tisch gezogen“. Der von der Stadt an den Vorbesitzer bezahlte Quadratmeterpreis gelte für die komplette Fläche, von der die Stadt aber etwa ein Drittel für Ausgleichsflächen gleich wieder abziehen müsse. Außerdem trage die Stadt das komplette Risiko. Man sei mit dem Vorbesitzer „ganz reell einig geworden“. Der Preis des Ackerlandes habe sich durch den Beschluss des Gemeinderats, ein Baugebiet auszuweisen, auf das 20- bis 30-fache gesteigert. In diesem Fall steige der Wert zwischen Ankauf und Weiterverkauf zwar weiter. Es könne aber genauso gut mal andersrum laufen. Da stelle dann niemand Nachforderungen auf, schimpfte Till. Die Systematik der Baulandbewertung sei in sich schlüssig. Kämmerer Rudolf Hollnaicher wies darauf hin, dass die Steigerungen immer noch moderat seien und bei privat verkauftem Bauland derzeit ganz andere Gewinnmargen aufgerufen würden. Außerdem werde durch die Familienförderungsprämien ein Teil wieder an die Häuslebauer zurückgegeben.

Mehrere Stadträte sprangen der Verwaltung zur Seite: Die Stadt habe dem Vorbesitzer „einen fairen Preis“ bezahlt, fand Armin Roos (SPD). „Ohne die Stadt hätte der mit seinem  Land gar nichts machen können“. CDU-Fraktionschef Felix Gerber wies darauf hin, dass der Bezirksbeirat zugestimmt habe und der Gutachterausschuss beteiligt gewesen sei. „Das ist einfach richtig so. Wir sollten uns nicht anmaßen, bewährte Praktiken zu ändern.“ Christoph Weber (Grüne) fand es problematisch, politisch Einfluss zu nehmen auf den gutachterlich bestimmten Preis. Am Ende gab es eine Gegenstimme und drei Enthaltungen.

Wie die Stadt Baulandpreise ermittelt

Ankauf: Die Stadt Göppingen betonte gestern in einer Stellungnahme, sie lege bei den Grundstücksankäufen grundsätzlich den geltenden Richtwert zugrunde. „So ist es auch im Fall Schopflenberg geschehen“. Sowohl während der Grundstücksverhandlungen im Juni als auch beim notariellen Kaufvertrag im Oktober habe der Bodenrichtwert bei 255 Euro gelegen. „Von diesem Bodenrichtwert erfolgt ein Kostenabzug zum Beispiel für Vorbereitung und Planung, Erschließung, ökologische Ausgleichsflächen, Zwischenfinanzierung etc.“

Verkauf: Beim späteren Verkauf berücksichtigt die Stadt die jeweils aktuelle Marktlage. Im Dezember 2017 habe die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses bestätigt, dass aktuell Baugrundstücke zu Preisen „teilweise weit über dem Bodenrichtwert“ veräußert wurden. Der Grundstücksverkehr habe vorgeschlagen, die Verkaufspreise für die Baugebiete „Schönwälder Straße“ in Schopflenberg und „Wurzwiesen“ in Hohenstaufen um rund 25 Prozent anzuheben.

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