In der Öffentlichkeit ist noch nicht viel bekannt - sicher ist aber, dass von der ENBW-Tochter Transnet BW im Zuge der Energiewende eine neue Höchstspannungsleitung durch den Schurwald gebaut wird, sie soll im Jahr 2020 fertiggestellt werden. Die 380-Kilovolt-Trasse führt von Aalen-Goldshöfe über Schwäbisch Gmünd-Lindach ins Umspannwerk Bünzwangen bei Ebersbach und soll Strom aus Offshore-Windanlagen im Norden in den Stuttgarter Ballungsraum liefern. Vorgesehen waren von den Verantwortlichen lediglich vier sogenannte "Trassierungswerkstätten", in denen jeweils 60 zum Teil per Los ausgewählte Teilnehmer über den Trassenverlauf hätten diskutieren dürfen.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer Infoveranstaltung für betroffene Bürgermeister Ende vergangenen Jahres schrieb der Gmünder OB Richard Arnold auch im Namen seiner Kollegen einen geharnischten Brief an Transnet BW. "Die Menschen möchten, dass ihre Sorgen ernst genommen werden", hieß es in dem Schreiben unter anderem. "Wir haben gemerkt, dass der etwas straffe Kommunikationsplan nicht ausreicht", räumt jetzt die Pressesprecherin von Transnet, Angela Brötel, ein. Die vier Workshops sind damit vom Tisch, wie auch die Sprecherin des Trassenprojekts, Martina Birner, unterstreicht: "Wir feilen noch am neuen Kommunikationskonzept und dem Zeitplan, aber wir planen etwa ein halbes Jahr für den Dialogprozess ein."

Eines ist aber jetzt schon klar: Ohne Hilfe von außen wird Transnet BW die Öffentlichkeit nicht einbinden. "Zur Unterstützung haben wir uns die Beratungsagentur Ifok ins Boot geholt", sagt Birner. Das Unternehmen aus Bensheim ist nach eigenen Angaben die "marktführende Kommunikations- und Strategieberatung für Beteiligung" und hat im vergangenen Jahr in Schwäbisch Gmünd den "Tunneldialog" geleitet. Dafür hat Ifok von allen Beteiligten Lob bekommen - es ging darum, ob in den neuen Umgehungstunnel der B29 ein spezieller Filter eingebaut wird oder nicht. Der Filter kommt nicht, aber dank des Dialogs waren am Ende auch die Filter-Befürworter zufrieden.

Nun soll Ifok helfen, den vor allem im Ostalbkreis aufkeimenden Bürgerprotest in Zustimmung zur Höchstspannungsleitung zu verwandeln. "Wie wir das genau umsetzen, da sind wir noch dran", sagt Birner, in einigen Wochen soll aber ein fertiges Konzept vorliegen.


Der genaue Trassenverlauf der 380-kV-Leitung ist noch nicht bekannt, er soll sich innerhalb eines zehn Kilometer breiten Korridors um die direkte Verbindung zwischen Goldshöfe, Lindach und Bünzwangen bewegen. Die Trasse könnte dann im Landkreis Schurwaldgemeinden tangieren, Ebersbach, aber auch Uhingen oder westliche Teile der Göppinger Gemarkung.