Kreis Göppingen Baugewerbe leidet unter dem Preisdruck

Thomas Schmid, Chef der Wilhelm Retter GmbH und Vize-Obermeister der Bauinnung Göppingen.
Thomas Schmid, Chef der Wilhelm Retter GmbH und Vize-Obermeister der Bauinnung Göppingen. © Foto: Privat
JAKOB KOTH 10.08.2012
Nach der Insolvenz der Kellerbau GmbH spricht der stellvertretende Obermeister der Bauinnung Göppingen, Thomas Schmid, über die Lage am Bau.

Herr Schmid, was bedeutet es für die lokale Baubranche, wenn das zweitgrößte Bauunternehmen im Kreis Insolvenz anmeldet?

THOMAS SCHMID: Dass die Firma Kellerbau nun den Insolvenzantrag stellen musste, zeigt vor allem, wie ruinös der Wettbewerb in den letzten Jahren für die Branche war - trotz positiver Auftragslage. Dazu muss gesagt werden, dass der Kreis Göppingen anderen Regionen in Sachen Konjunktur hinterher hinkt.

Wie würden Sie die allgemeine Lage der Bauunternehmen mit Hinblick auf den Preisdruck beurteilen?

SCHMID: Der Preisdruck ist aufgrund der vorherrschenden Wettbewerbssituation seit einigen Jahren sehr hoch. Bestehen kann nur, wer seine Leistungen immer billiger anbietet. Gerade Firmen, die Subunternehmen beschäftigen, sorgen für ein Ansteigen des Preisdrucks.

Ein aktuelles Problem?

SCHMID: Nein, schon seit mindestens zehn Jahren lässt sich das Baugewerbe als Krisenbranche beschreiben. Sollte die Konjunktur in den kommenden Jahren steil nach unten gehen, sehe ich die Zukunft des Baugewerbes vor ein großes Problem gestellt.

Welche Konsequenzen haben EU-weit ausgeschriebene Bauprojekte für die lokalen Bauunternehmen?

SCHMID: Aufgrund der eher geringen Größe kommen lokale Bauunternehmen gar nicht in die EU-weite Ausschreibung. Die Firma Kellerbau hingegen war Generalunternehmer in verschiedenen EU-weit ausgeschrieben Projekten.

Kellerbau hat als Generalunternehmen auch den Bau schlüsselfertiger Immobilien angeboten. Dabei wurden Subunternehmen beschäftigt. Wie hoch ist bei derartigen Projekten das Risiko für den Generalunternehmer, auf eventuell entstehenden Mehrkosten sitzen zu bleiben?

SCHMID: Die Bauunternehmen haben alle Mehrkosten zu tragen. Oft gibt es Probleme mit der Zahlungsmoral der Auftraggeber. Auch bei kleineren Mängeln werden Zahlungen zurückbehalten. Überdies müssen Bauunternehmen vorfinanzieren, wenn die Liquidität nicht mehr gewährleistet ist. Auch die hohen Diesel-Preise für das Betanken der Lastwagen sind ein nicht zu unterschätzendes Problem.