Böhmenkirch Bauern sind sauer auf Finanzminister Nils Schmid

Böhmenkirch / RALF HEISELE 09.08.2012
Bildung oder Bauern? Die Aussagen des Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid stoßen auch im Kreis Göppingen auf Kritik: Die Landwirte sind stinksauer, sagt Bauernchef Hermann Färber.

Seit Tagen wächst die Kritik an der Sparpolitik des baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid (SPD). Mitten in der Erntezeit hat sich dieser vor seinem Abflug in den Urlaub den Unmut der Landwirte zugezogen, und zwar mit Aussagen wie "Bildung und Betreuung sind wichtiger als die Frage, ob es einen Bauern mehr oder weniger gibt" und "Dann wächst im Schwarzwald halt mal ein Tal zu".

Beim Göppinger Kreisbauernchef Hermann Färber steht seitdem das Telefon nicht mehr still. "Die Bauern rufen mich an und sind stinksauer", sagt der Böhmenkircher. Mit den Bemerkungen habe Schmid den ländlichen Raum abgewertet, schimpft Färber. "Die Menschen hier sind wohl für Herrn Schmid nicht so wichtig." Deshalb will Färber einiges klarstellen: Die Landwirtschaft sei in vielfältiger Weise in die Gesellschaft eingebunden. Die Bauern produzieren nicht nur Lebensmittel, sie sind auch für das vielfältige Landschaftsbild verantwortlich - gerade in Baden-Württemberg. Während andernorts Monokulturen vorherrschen, können hierzulande Einheimische wie Touristen eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft genießen, "die man in Europa nicht so oft vorfindet". Die im Gegensatz etwa zu Ostdeutschland doch recht kleinen Betriebsgrößen, bringen laut Färber aber auch strukturelle Nachteile für die Landwirte im Südwesten mit sich. Deshalb dürfe man den Agrarhaushalt nicht einseitig zusammenstreichen. Der Kreisbauernchef verweist in diesem Zusammenhang auf den Wirtschaftsfaktor der Landwirtschaft - "dieser darf nicht unterschätzt werden". Jeder Euro an Förderung löse ein Vielfaches an Investitionen (Geräte, Maschinen, Gebäude) aus. Die Landwirte würden somit auch zur Stärkung der heimischen Wirtschaft beitragen. Zudem hängt nach den Worten Färbers jeder achte Arbeitsplatz in Deutschland direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab, auch jeder fünfte Ausbildungsplatz kommt aus der Branche. Und nicht zuletzt verweist Färber auf die "maßgebliche Rolle" der Landwirtschaft bei der Energiewende.

Unterm Strich stellt sich für den Kreisbauernchef also nicht die Frage, ob Bildung oder Landwirtschaft. "Dies ist unsinnig und ärgerlich. Man darf nicht das eine gegen das andere ausspielen." Die Bildung sei eine Voraussetzung für jeden Beruf - auch für den eines Landwirts. "Wenn Nils Schmid heute Landwirt werden wollte, müsste er sich gewaltig fortbilden", erklärt Färber und lädt im gleichen Atemzug den Minister zu einer Hofbesichtigung nach Böhmenkirch ein: "Dann kann er seine Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen . . ."

Hermann Färber tritt Ende September bei der Nominierung des CDU-Bundestagskandidaten im Wahlkreis Göppingen gegen den amtierenden langjährigen Abgeordneten Klaus Riegert an. Die Kritik am SPD-Minister übte er nach eigener Aussage aber nicht als CDU-Politiker, sondern im Namen des Kreisbauernverbands aus, den er seit 1999 führt.

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