"Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, aber wir haben aus der Geschichte eine Verantwortung", sagte am Samstag der Festredner des 50. Landestrachtenfests der Banater Schwaben, Ministerialdirektor Dr. Herbert Zinell vom Innenministerium, der die Grüße der Landesregierung überbrachte. Der Termin des Landestrachtenfests und des Großen Schwabenballs sei derselbe wie der erste bundesweite Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, was auch der Wunsch der Heimatvertriebenen gewesen sei. Zwölf Millionen Vertriebene in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und in der heutigen Zeit 50 Millionen Menschen in der Welt auf der Flucht, das seien gigantische Zahlen, bei denen man den einzelnen Menschen nicht aus den Augen verlieren dürfe. "Heute ist ein Tag des Gedenkens und des Feierns", sagte Zinell.

Der Landesvorsitzende der Banater Schwaben, Josef Prunkl, der zusammen mit dem Kreisverband unter Manfred Jäger das Fest vorbereitet hatte, hatte eine lange Reihe von Ehrengästen begrüßen können, darunter den ehemaligen Landesinnenminister Frieder Birzele, die Göppinger Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, die Landtagsabgeordnete Jutta Schiller und viele Vertreter der Öffentlichkeit und anderer Landsmannschaften. 1974 selbst ohne Familie geflüchtet, sagte Prunkl, dass erst 1990 nach dem Sturz des Diktators Ceausescou in Rumänien für die Mehrheit der Banater Schwaben, deren Vorfahren ins Banat ausgewandert waren, die "Rückkehr" frei gewesen sei. Prunkl bedankte sich bei der Brauchtumsbeauftragten in Baden-Württemberg, Theresia Teichert, und bei der Stadt Göppingen. Er übergab an Oberbürgermeister Till eine Dankes-Urkunde für die Unterstützung und Patenschaft seit 1988. Till sagte, dass das Ziel der Integration erreicht sei und er viele junge Gesichter sehe - und in Anspielung auf Offenheit und Vielfalt: "Sie sind genau in der richtigen Stadt."

Nach dem Empfang im Rathaus konnten die Trachten-Tanzgruppen unter dem Beifall der Zuschauer auf dem Marktplatz einige Tänze aufführen, bevor man gemeinsam zur Stadthalle ging. Außer den Festreden gab es dort ein buntes Programm mit Gruppen aus verschiedenen Orten des Landes. Insgesamt 65 Paare zeigten in ihren schmucken pastellfarbenen und schwarz-weißen Trachten die Tänze ihrer Vorfahren, die von der Original Schwabenkapelle unter Horst Stromer begleitet wurden. Anschließend wurde die Tanzfläche bei Musik des Duos Daniel und Steffen auch für die Besucher frei gegeben.