Bahnhof Bahnhof: Brezeltase und Turm-Strahler

Göppingen / Von Arnd Woletz 14.07.2018

Die ersten 20 Minuten parken Autofahrer kostenlos. Dieses Prinzip der Brezeltaste für Kurzparker, die nur schnell einen Abstecher zum Bäcker, zur Post oder zur Bank machen,  will die Stadt künftig auch in der neuen Bahnhofsgarage einführen.  Wer 20 bis 30 Minuten parkt, zahlt 50 Cent, die erste Stunde kostet 1,50 Euro. Danach werden für jede angefangenen 20 Minuten 50 Cent fällig. Der Nachttarif ab 19 Uhr sieht für jede angefangene Stunde 50 Cent vor. Er gilt auch sonntags.

Diese Tarife und das Betreiberkonzept für die Bahnhofsgarage muss am Donnerstag der Gemeinderat noch bestätigen. Bei der Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Technik gab es viel  Zustimmung, aber auch Bedenken, ob mit diesen günstigen Gebühren die von der städtischen Parkhausgesellschaft betriebene Tiefgarage jemals rentabel werden kann. Das sei eine Utopie, fand Dr. Emil Frick (FWG). Denn die Garage war 4,5 Millionen Euro teuer. Fachbereichsleiter Werner Hauser räumte ein, dass man bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung wegen der Brezeltasten-Regel leicht ins Minus rutsche. Baubürgermeister Helmut Renftle sagte, die Stadt wolle Anreize schaffen, dass auch Kurzparker, für die es  oberirdisch künftig viel weniger Plätze geben wird, in die Garage fahren. Ernsthafte Gegenstimmen aus dem Gremium zu dem Konzept gab es in der Vorberatung  nicht.

45 Stellplätze sind 2,50 Meter breit, 31 Plätze messen aber 2,60 Meter. Unter den breiteren Parkbuchten sind zehn Plätze ausschließlich für Frauen, jeweils drei für Familien und Elektroautos sowie zwei für Behinderte vorgesehen. Sechs Plätze in der Nähe der Ausgänge sind für Kurzparker reserviert.

 Die 104 Tiefgaragen-Plätze werden  im September freigegeben. Die Arbeiten am neuen Bahnhofsplatz über der Garage laufen dann noch. Vorgesehen ist, das Lichtkonzept der Neuen Mitte und vom Schlossplatz  auch am Bahnhofsplatz umzusetzen. Das bedeutet, dass die Fassaden der umliegenden Gebäude mit  Dutzenden  von  Wandstrahlern ins rechte Licht gerückt werden.  Für die nötige Helligkeit auf der Platzfläche sorgen  14 zusätzliche Scheinwerfer, die auf dem Dach des Kreissparkassen-Turms installiert werden. Die LED-Leuchten kosten 92 000 Euro, die Elektroinstallation schlägt mit 110 000 Euro zu Buche. Der Gemeinderat soll am Donnerstag zustimmen.

Kritik gab es am Honorar für den Architekten Mario Hägele, der für das Lichtkonzept unter anderem mit der  Ausführungsplanung und Bauüberwachung beauftragt werden und ein Gesamthonorar von 92 000 Euro bekommen soll. Achim Fehrenbacher (CDU) meinte, damit liege die Stadt oberhalb der Honorarordnung und verlangte eine schriftliche Zustimmung vom Rechnungsprüfungsamt. Bürgermeister Renftle erklärte, dass das von Hägele für die Neue Mitte entwickelte Lichtkonzept von vielen Städten kopiert werde. Die Umsetzung sei sehr aufwendig.

Videos, Infos und und Fahrscheine

Mobilitätsdrehscheibe Beim Versuch, am Göppinger Bahnhof möglichst alle  Verkehrsmittel kundenfreundlich zu bündeln, ist die Stadt Göppingen weiter gekommen.

Umbau In Kooperation mit der Bahn und dem Nahverkehrsverbund Filsland sowie dem Kreis Göppingen geht spätestens im  September im Reisezentrum im Bahnhofsgebäude  eine Anlaufstelle in Betrieb, in der die Angebote gebündelt werden. Dazu gehört weiterhin der Verkauf von Fahrscheinen für Züge, aber auch für Busse sowie entsprechende Auskünfte, bei Bedarf auch über einen sogenannten Video-Schalter mit Direktverbindung zu einem Bahnmitarbeiter, wie Fachbereichsleiter Werner Hauser erklärte.

Dort sollen Carsharing-Autos vermietet, das Fahrradverleihsystem verwaltet, Fahrradboxen vermietet sowie Elektromopeds verliehen werden.

Tourismus Stadt und Landkreis, möglicherweise auch die Firma Märk­lin, sollen sich auf Bildschirmen in der Mobiltätszentrale attraktiv darstellen.

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