Archäologie Bagger graben alten Brunnen aus

Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher vermisst einen Brunnenschacht aus dem 18. Jahrhundert. Bagger legten in Bezgenriet das alte Bauwerk frei.
Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher vermisst einen Brunnenschacht aus dem 18. Jahrhundert. Bagger legten in Bezgenriet das alte Bauwerk frei. © Foto: MAXIMILIAN HALLER
Bezgenriet / Maximilian Haller 02.04.2018
Bauarbeiten bringen oft historische Fundstücke zum Vorschein. In Bezgenriet wurde ein alter Brunnenschacht entdeckt.

Ein Relikt aus vergangenen Zeiten wurde zufällig bei Baggerarbeiten in Bezgenriet ausgegraben. Arbeiter stießen bei Bauarbeiten in der Hattenhofer Straße auf einen Brunnenschacht aus dem 18. Jahrhundert. Der Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher begutachtete den Fund vor Ort.

„Letzte Woche haben wir am Rand der Baugrube ein Gewölbe im Boden entdeckt“, berichtete er. Anhand des Untergrunds, der aus Kalkbänken bestehe, sei erkennbar, dass es sich um einen eingegrabenen Brunnenschacht handle. Bereits vor Baubeginn seien vereinzelt Keramikstücke gefunden worden, der Brunnen kam jedoch erst jetzt zum Vorschein.

An der Baustelle stand zuvor ein etwa 200 Jahre altes Bauernhaus, das in den 90er Jahren abgerissen wurde. Rademacher erklärte: „Bevor es moderne Wasserleitungen gegeben hat, besaßen Bauernhäuser eigene Brunnen als Trink- und Gebrauchswasserquellen.“

Lange schlummerte der Brunnen unentdeckt im Untergrund vor sich hin, doch nach seiner Entdeckung war schnelles Handeln gefragt. Zwar wurde der Schacht schnell ausgepumpt, er lief jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder voll. Zudem sei das Konstrukt einsturzgefährdet, es werde daher mit Beton aufgefüllt, sagte der Kreisarchäologe. Jetzt würde es hauptsächlich darum gehen, alles zu dokumentieren und später bauhistorisch auszuwerten.

„Kleine Mosaiksteine“ nannte Rademacher solche Funde. Anhand von ihnen können Archäologen allerlei Details aus vergangenen Zeiten herauslesen und maßstabsgetreu einmessen. So sei es möglich, den Zustand einer historischen Stätte eins zu eins zu erhalten.

Es ist nicht der erste Ausgrabung dieser Art im Landkreis. Im Zuge der Ortssanierungen werden immer öfters historische Funde gemacht. „Der Bauboom macht sich bei uns seit über einem Jahr bemerkbar“, erzählte Rademacher. In Absprache mit dem Regierungspräsidium, mit dem die Kreisarchäologie eng zusammenarbeite, erhalten Bauherren Auflagen bei ihren Bauarbeiten. Dies erlaube den Archäologen, Ausgrabungen genau zu planen und noch vor Beginn der Baumaßnahmen Untersuchungen anzustellen. Die Bauarbeiter können im Gegenzug ihre Arbeiten ohne unerwartete Zwischenfälle durchführen.

Reinhard Rademacher ist sich sicher, dass der Brunnenschacht nicht der letzte Fund im Kreis Göppingen sein wird: „Wenn man den Boden aufmacht, kommen immer Spuren von früher zum Vorschein.“

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