Der Wald gleicht derzeit einem Selbstbedienungsladen. Große, kräftig-grüne Blätter sprießen aus dem Boden - und man darf reichlich zulangen und den Wildwuchs mit nach Hause nehmen. Der Bärlauch hat Hochsaison und wächst massenhaft an schattigen Stellen zwischen Bäumen, im Park oder im eigenen Garten. Eine Art Luxus-Unkraut, das schmeckt und gesund sein soll.

Inge Hinderer aus dem Ebersbacher Stadtteil Sulpach schwört auf Bärlauch. "Er wächst, damit sich der Körper im Frühjahr reinigt", meint die 50-Jährige, die einen Laden mit selbstgemachten Produkten in Holzhausen betreibt. Auch gestern war die gebürtige Auendorferin im Wald unterwegs, um Nachschub zu holen. Wo genau, bleibt ihr Geheimnis. "Aber es gibt ihn in Massen, der ganze Wald ist voll. Es muss aber Laubwald sein", weiß die umtriebige Frau. Das Kraut breite sich unheimlich aus, "jedes Jahr holt es sich ein paar Meter", hat Inge Hinderer beobachtet. Die 50-Jährige freuts, denn sie kann gar nicht genug von den grünen Blättern bekommen: In ihrem kleinen Laden - "Tante Inges Manufaktur" - verkauft sie Bärlauch-Pesto und -Senf, zu Hause kommt bei Hinderers mindestens zwei Mal in der Woche das Kraut auf den Tisch, zum Beispiel als Pesto-Nudeln oder als Aufstrich auf geröstetes Brot, plaudert die 50-Jährige aus dem Nähkästchen. "Es schmeckt lecker und hat so viele tolle Eigenschaften", schwärmt die Sulpacherin. Bärlauch wird nachgesagt, entschlackend, verdauungsfördernd und entzündungshemmend zu wirken.

Verwechslungsgefahr mit giftigen Maiglöckchen

Inge Hinderer warnt jedoch davor, loszuziehen und wild drauf loszusammeln. Die grünen Bärlauch-Blätter erinnern nämlich an Maiglöckchen-Grün. Und das ist giftig. "Wer die Pflanzen nicht unterscheiden kann: Finger weg", sagt die Expertin. Man kann aber auch einfach der Nase nach auf Tour gehen: Denn nur Bärlauch entfaltet den intensiven Knoblauchgeruch, wenn man die Blätter leicht reibt.

Karl-Heinz Hänßler aus Albershausen hat noch einen anderen Tipp: "Am besten pflücken, bevor er blüht." Erstens sei das Kraut dann richtig frisch und schmecke am besten, zweitens lasse es sich leichter vom Maiglöckchen unterscheiden. "Jetzt ist also der beste Zeitpunkt." Aber auch der Riechtest sei eine sichere Methode, sagt der 70-Jährige. Hänßler ist regelmäßig mit seinem Hund im Wald unterwegs, zum Beispiel bei Ohmden, und bringt von seinen Spaziergängen Bärlauch mit nach Hause. Die Pflanze wird sauber aussortiert, gut gewaschen, fein gehackt und mit Butter gemischt. Fertig ist die Bärlauch-Butter. Sie wird in Alufolie gewickelt und kommt ins Gefrierfach. "Wir schneiden dann immer eine Portion ab fürs Brot oder für Spaghetti", erzählt Hänßler. "Das schmeckt so gut und ist gesund."

Jörg Geiger, Wirt des Schlater Gasthauses "Lamm", hat es bei der Suche nach dem aromatischen Wildwuchs leicht: "Wir haben unsere eigenen Wälder und eingezäunte Flächen, wo wir unseren Bärlauch pflücken." Auch wenn das Kraut seit einigen Jahren unheimlich populär ist: Für Geiger ist weniger mehr, weil das Grün eben einen sehr dominanten Geschmack habe. Doch dieses Mal ist die Gefahr einer Übersättigung nicht so groß: Durch den strengen Winter sprießt das Kraut etwa drei Wochen später als sonst, "die Saison wird sicher kürzer sein". Doch es ist genug für alle da im Selbstbedienungsladen unter freiem Himmel.