Unfall B29: Geisterfahrerin hatte wenig Fahrpraxis

Eine 72-jährige Geisterfahrerin hat am Sonntag auf der B 29 bei Gmünd einen Unfall verursacht. Mehrere Zeugen halfen der Polizei bei der Aufklärung.
Eine 72-jährige Geisterfahrerin hat am Sonntag auf der B 29 bei Gmünd einen Unfall verursacht. Mehrere Zeugen halfen der Polizei bei der Aufklärung. © Foto: Jan-Philipp Strobel (dpa)
Schwäbisch Gmünd / Julia Trinkle und Jan Sigel 19.01.2017

Abgeschlossen ist die Untersuchung des tragischen Unfalls noch nicht, bei dem am Sonntag zwei Menschen ihr Leben verloren haben. Doch die Polizei geht davon aus, dass die 72-jährige Renault-Fahrerin bei der Anschlussstelle Lorch-Ost als Geisterfahrerin auf die B 29 gefahren ist. Dort war sie wohl auf der aus ihrer Sicht rechten Spur unterwegs und kam dem 20-jährigen Mercedes-Fahrer, der ordnungsgemäß von Gmünd kommend in Fahrtrichtung Stuttgart unterwegs war, auf dessen Überholspur entgegen. 2,8 Kilometer von der Ausfahrt entfernt stießen die Autos um 17 Uhr frontal zusammen. Noch an der Unfallstelle starben die 72-jährige Frau, die aus dem Gmünder Raum stammt, und der 20-jährige Fahrer aus dem Kreis Esslingen. Dessen 21-jähriger Beifahrer wurde schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert.

Nicht bewusst falsch gefahren

„Geringe Fahrpraxis“ und „Probleme bei der Orientierung“ sind nach Ansicht der Polizei die Gründe für den tragischen Unfall. Zu diesem Ergebnis kommen die Beamten aufgrund der Aussagen mehrerer Zeugen, denen die Falsch­fahrerin aufgefallen war. Auch den Unfallhergang konnte die Polizei mittlerweile rekonstruieren. Demnach sei die 72-Jährige zuvor am Lorcher Bahnhof gewesen, wo ein Mitfahrer ausstieg, um von dort mit dem Zug weiterzufahren. Anschließend bog sie an der falschen Stelle auf die Bundesstraße ein. Ein bewusstes und gewolltes Falschfahren schließen die Beamten aus.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass die 72-Jährige bereits kurz vor dem Unfall nur knapp einem Zusammenstoß entging. Dies gab ein Verkehrsteilnehmer bei der Polizei zu Protokoll, dem die Falschfahrerin zwischen den Anschlussstellen Gmünd-West und Lorch-Ost auf der Überholspur entgegenkam.

Verärgert ist die Polizei über die Schaulustigen, die von einer Brücke den Unfallort nicht nur betrachtet, sondern auch foto­grafiert und gefilmt haben. Gaffen sei zwar nicht strafbar, doch es sei „pietätlos“ „im Angesicht des Schreckens“, schrieb die Polizei Aalen auf ihrer Facebook-Seite. Anders verhält es sich mit der Veröffentlichung von Fotos oder ­Filmaufnahmen. Dies ist strafbar, erklärt Polizeisprecher Ronald Krötz. Wer Filmaufnahmen oder Fotos eines Unfalls Dritten zugänglich macht oder im Internet veröffentlicht, müsse mit einer Strafverfolgung rechnen.

Im Einsatz waren am Sonntag drei Rettungswagen, drei Notärzte, die Gmünder Feuerwehr mit 21 Kräften und sechs Fahrzeugen sowie neun Streifenwagen der ­­Polizei.

Rapper Kay One trauert um seinen Freund

Facebook: Der deutsche Rapper Kay One schreibt auf Seite Facebook-Seite, er habe bei dem Unfall auf der B 29 einen guten Freund verloren. Wörtlich steht dort: „Bruder ich kann meine Trauer nicht in Worte fassen und ich schwöre dir ich schreibe diese Zeilen gerade unter Tränen. Du warst noch so jung und hattest alles vor dir. Ich kann und will es nicht begreifen. Und das Schlimme ist ... Du warst nicht mal Schuld ... du hast diesen Geisterfahrer nicht kommen gesehen.“