Azubis Auszubildende im Kreis Göppingen dringend gesucht

MAIKE DANIELS 10.10.2014
Azubis dringend gesucht: Immer mehr Firmen im Landkreis gehen dazu über, ihre Aktivitäten im Ausbildungsmarketing zu verstärken. Mit einem Kommentar von Joa Schmid.

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres können die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung im IHK-Bezirk Göppingen mit 885 Ausbildungsverträgen einen leichten Anstieg verzeichnen. Trotz des insgesamt guten Ergebnisses sind auch dieses Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzt. Vor allem im Einzelhandel, in der Hotellerie und Gastronomie, in der Logistik und Spedition sowie in der IT-Branche gibt es noch freie Ausbildungsstellen. Die Ursachen für diese Entwicklung lägen im demografischen Wandel, wodurch immer weniger Jugendliche jährlich die Schulen verließen und dem Trend zu höheren Schulabschlüssen und zum Studium, erklärt Peter Saile, leitender Geschäftsführer der IHK Bezirkskammer Göppingen.

Aus diesem Grund können Jugendliche auch über freie Plätze in der Einstiegsqualifizierung, dem sogenannten EQ-Praktikum, in die betriebliche Ausbildung einsteigen. Das EQ-Praktikum sei für Jugendliche eine sehr gute Möglichkeit, Ausbildungsbetriebe zu finden und im Gegenzug gebe es Betrieben die Chance, Ausbildungsplätze zu besetzen, erklärt Hanspeter Erne, Leiter der Berufsbildung der Göppinger IHK. Während der Einstiegsqualifizierung können Jugendliche ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in einem Unternehmen machen und dabei Teile eines anerkannten Ausbildungsberufs absolvieren. Das gestiegene Engagement der Firmen auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden begrüßt auch Saile: "Viele Unternehmen verstärken ihre Aktivitäten im Bereich des Ausbildungsmarketings oder geben beispielsweise lernschwächeren Jugendlichen oder Studienabbrechern eine Chance."

Die IHK unterstützt die Ausbildungsbetriebe mit verschiedenen Angeboten bei der Suche nach Auszubildenden, wie etwa das Projekt "Ausbildungsbotschafter", bei dem Azubis in Schulen für ihre Berufe werben. Die Bildungspartnerschaften fördern den Kontakt zwischen Schulen und Ausbildungsbetrieben und wollen Schüler frühzeitig auf die Vorteile und Chancen einer dualen Ausbildung hinweisen. "Für die Ausbildungsplatzsuche und im konkreten Bewerbungsverfahren können sich die Schulabgänger an uns wenden", sagt Peter Saile.

Zum leichten Anstieg bei der Zahl der neuen Ausbildungsverträge für den Landkreis hat auch die Lehrstellenvermittlung "Ausbildungsplatz gesucht?" bei der IHK Bezirkskammer Göppingen beigetragen. Etwa zehn Prozent der abgeschlossenen Ausbildungsverträge wurden über dieses Projekt vermittelt. "Wir versuchen jetzt noch über dieses Projekt der IHK-Bewerbervermittlung offene Ausbildungsplätze zu besetzen", sagt Hanspeter Erne.
 

Ein Kommentar von Joa Schmid: Höchste Zeit für pfiffige Ideen

Die Tatsache, dass die Unternehmen im IHK-Bezirk Göppingen einen leichten Anstieg bei den Neuverträgen verzeichnen, kann nicht über die schwierige Lage am Ausbildungsmarkt hinwegtäuschen. Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, und die Zahl der Unternehmer, die darüber rätseln, wer künftig die Arbeit machen soll, wächst. Die geburtenschwachen Jahrgänge und der Ansturm auf die Hochschulen bringen die Betriebe auch im Landkreis Göppingen in Bedrängnis. Handwerk, Industrie und Dienstleister kämpfen mit einem Imageproblem. Laut Statistischem Bundesamt sank die Gesamtzahl der Auszubildenden, die eine Lehre absolvieren, im Jahr 2013 bundesweit auf den Tiefstwert von 1,39 Millionen. Vieles spricht dafür, dass dieser Trend anhalten wird. Höchste Zeit, dass die Interessensvertretungen der Betriebe wie die IHK mit pfiffigen Ideen um Schulabgänger werben. Da ist man im Landkreis auf einem guten Weg. Einstiegs-Praktika, Bildungspartnerschaften, Ausbildungsbotschafter und Lehrstellenaktionen sind Angebote, die vielen Jugendlichen Appetit auf eine duale Ausbildung machen. Nicht zuletzt liegt es an den Unternehmen selbst, Schulabgänger für sich zu interessieren. Gut beraten sind Firmen, die auch lernschwächeren Jugendlichen und Studienabbrechern eine Chance geben. Letztere sind der Beweis dafür, dass der Besuch einer Hochschule auch nicht immer das Maß aller Dinge ist.