Nürnberg AUSFLUGSTIPP: Haus der 1000 Sitzmöbel

Rund 1000 Sitzmöbel aus drei Jahrhunderten - bis hin zu Nachkriegsobjekten und modernem Design - können Besucher in der Stuhl-Sammlung Löffler erleben. Foto: Ulrich Schwarz
Rund 1000 Sitzmöbel aus drei Jahrhunderten - bis hin zu Nachkriegsobjekten und modernem Design - können Besucher in der Stuhl-Sammlung Löffler erleben. Foto: Ulrich Schwarz
EPD 19.02.2014
Wie sitzt man am besten? Eine Frage, die Menschen seit Jahrhunderten beschäftigt. Die Stuhl-Sammlung Löffler bei Nürnberg zeigt, welche Sitzmöbel in aller Herren Länder entstanden sind.

Beim Schlendern durch die Stuhl-Sammlung Löffler im mittelfränkischen Reichenschwand sticht die dreiteilige Sitzgruppe aus Afrika ins Auge. Helmut Klarner, Kurator und Konservator der Sammlung, weist auf die Besonderheit des Exponats aus Kamerun hin: Der wuchtige Thron aus der Zeit um 1900 mit seiner mächtigen Rückenlehne ist aus einem Baum geschnitzt, der erst ganz am Ende der Arbeiten gefällt wurde. Mit der jüngsten Erwerbung wird der neue Bereich afrikanische Sitzmöbel begründet.

Ein unentdecktes Kleinod ist die Sammlung Löffler vor den Toren Nürnbergs. In einem Funktionsbau untergebracht sind an die 1000 Exponate aus drei Jahrhunderten, die zunächst als Beispiele für herausragendes Design, Gebrauchs- und Materialgerechtigkeit zusammengekauft worden sind. Mittlerweile aber steht die kulturhistorische Entwicklung im Vordergrund. Die Pharaonen, 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, waren wohl die ersten, die auf einem Thronstuhl Platz nahmen. Bei den alten Griechen oder in der Römerzeit waren Sitzgelegenheiten für die gesellschaftliche Elite an der Tagesordnung. Bis ins Mittelalter war die Sitzkultur ein Vorrecht der Adligen und der Kirchenfürsten. Zu den ältesten Stücken in der Löffler-Sammlung gehört ein Stuhl mit Intarsien aus der Zeit um das Jahr 1700. Aus der Mode gekommen ist der klassizistische Reisestuhl, eine Kombination aus massiver Rückenlehne und Beinen, sowie leichterem Lagen- oder Schichtholz.

In der vollen Ausstellungshalle finden sich auch Schemel und Bauernstühle, Wiener Kaffeehausstühle, Objekte im Bauhaus-Design oder Versionen für Kinder. Bei Exemplaren der deutschen Nachkriegsmoderne ist die Sammlung sehr stattlich, weil sich kein Museum für dieses Thema interessiere und der Kunstmarkt keine hohen Preise zahle, erklärt der Ausstellungsmacher. Hier finden sich ausrangierte Sitzgelegenheiten aus dem Bundestag oder der Sessel-Ball der 1960er Jahre. Info Die Sammlung Löffler, Rosenstraße 8 in Reichenschwand, hat jeweils am ersten Freitag im Monat von 15 bis 18 Uhr und am zweiten Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr geöffnet. www.loeffler.de.com