AUSFLUGSTIPP: Die Chinesen und das Klopapier Tübinger Ausstellung zeigt Papierherstellung gestern und heute

Die Ausstellung "Papier & Pflanze" in Tübingen zeigt völlig neue Perspektiven. Foto: Botanischer Garten
Die Ausstellung "Papier & Pflanze" in Tübingen zeigt völlig neue Perspektiven. Foto: Botanischer Garten
EPD 19.04.2012
Trotz Internet und mobilen Computern: Für den Abgesang aufs gedruckte Wort ist es zu früh. Eine Ausstellung in Tübingens Botanischem Garten erzählt von der Geschichte und der Vielfalt des Papiers.

Diese Erfindung hat viel bewirkt. Denn erst Papier machte eine moderne Gesellschaft möglich. Darauf wurden Gesetze verfasst, Weltliteratur geschrieben, Zeitungen gedruckt. Dass aber nichts ohne Pflanzen bei der Papierherstellung geht, verrät schon der Titel der Ausstellung "Papier & Pflanze", die bis Februar 2013 im Neuen Botanischen Garten in Tübingen zu sehen ist. Die Ägypter stellten mit ihrem Papyrus, Namensgeber des Papiers, ab dem dritten Jahrhundert vor Christus aus Schilf Schreibwaren her. Auch Exponate der Mayas, die ab dem fünften Jahrhundert aus Rinderfasern beschreibbares Material gewannen, sind in Tübingen zu sehen. Aber wer kennt schon Jacob Christian Schäffer (1718-1790) und seine Experimente? Die Besucher erfahren, dass der evangelische Theologe 24 Papiersorten erfand. Wobei Schäffer fast alles pflanzliche ausprobierte, unter anderem Weinreben, Moose und Tannenzapfen. Manches gelang, Papiere aus Maiglöckchen und Disteln zeugen davon. Papier ist überall im Spiel- vom Kreißsaal bis zum Krematorium. Beim Frühstück greifen Erwachsene zum Beispiel zum Teebeutel. Dass die Schau nicht von Pappe ist, belegen zarte Kunstproduktionen. So schwebt an der Decke ein luftig-leichtes Mobile, während sich filigrane Papierfäden auf Spindeln und zarte Papiergefäße in den Vitrinen bestaunen lassen. An den Wänden hängen Arbeiten aus dünnstem koreanischen Papier. Daneben lädt die "Fühl-Bar" ein, 60 Papiersorten zu erspüren.

Eines zeigt die Schau auch, immer waren die Chinesen schneller. Sie haben als erste das Toilettenpapier entwickelt, es wurde schon 851 erwähnt. Selbst beim Papiergeld hatten sie die Nase vorne und druckten es ab dem 9. Jahrhundert.

Deutschland ist der größte Papier-Produzent Europas und der Verbrauch ist hierzulande seit den 1950er Jahren bis heute auf das Fünffache angestiegen.

Info Die Ausstellung ist geöffnet: Montag bis Freitag von 8 bis 16.30 Uhr, an den Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 16.30 Uhr. Vom 27. Mai bis 9. September an Sonn- und Feiertagen je zwei Stunden länger. Der Eintritt ist kostenlos.

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