Kreis Göppingen Ausbildungsplätze: Angebot übertrifft Nachfrage

Ein Auszubildender lernt das Schweißen an einer virtuellen Maschine. Zahlreiche junge Menschen beginnen in den nächsten Tagen ihre Lehre. Viele Stellen sind aber noch unbesetzt. 
Ein Auszubildender lernt das Schweißen an einer virtuellen Maschine. Zahlreiche junge Menschen beginnen in den nächsten Tagen ihre Lehre. Viele Stellen sind aber noch unbesetzt.  © Foto: dpa/Christoph Schmidt
Kreis Göppingen / Axel Raisch 31.08.2018
Das Ausbildungsjahr beginnt morgen. Konkrete Zahlen gibt es noch nicht, doch das Platzangebot übertrifft die Nachfrage.

Wie die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist, wird am besten anhand eines aktuellen Beispiels deutlich, das der Geschäftsführer der IHK in Göppingen, Dr. Peter Saile Ende August schildert: „Ich hatte heute morgen einen jungen Mann am Telefon, der zwei Ausbildungsverträge unterschrieben hatte und fragte, was er nun tun müsse, um ohne rechtliche Probleme aus einem Vertrag zu kommen.“ Da es mehr Ausbildungsplätze und weniger Bewerber als im Jahr zuvor gebe, gebe es auch solche Situationen. Der Fall – dass zwei Verträge bereits unterschrieben wurden – ist freilich extrem und die Ausnahme. Doch kurzfristige Absagen von sicher geglaubten Azubis gebe es immer wieder. „So kurz vor Schluss findet das Unternehmen dann meist niemand mehr“, weiß Dr. Saile aus Erfahrung.

Hintergrund dieser Entwicklung seien kleiner werdende Jahrgänge sowie der ungebrochene Trend zu Abitur und Studium, erklärt Dr. Saile. Daran ändere auch ein Zuwachs beim Dualen Studium nur wenig. Zudem zwinge der Fachkräftemangel viele Unternehmen dazu, nun ebenfalls Ausbildungsplätze anzubieten um sich die eigenen Fachkräfte heranzuziehen.

Mit zahlreichen Aktivitäten an der Schnittstelle von Schule und Beruf bemühe sich die IHK in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bildungseinrichtungen „das Thema Ausbildung zu forcieren“. Etwa mit Bildungspartnerschaften, Ausbildungsbotschaftern oder Angeboten für Studienabbrecher.

Verhalten positive Signale kommen vom Handwerk. Alexander Gonzalez, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Göppingen, berichtet, dass die Ausbildungsberufe im Handwerk für viele Schulabgänger wieder gefragter und attraktiver seien: „Nach ersten vorsichtigen Einschätzungen werden in einigen Handwerksberufen, die in der Region ausgebildet werden, die Berufsschulklassen wieder voller sein.“

Der Trend zum Abitur sei zwar ungebrochen, aber das Studium rücke etwas in den Hintergrund. Mittlerweile machten Hochschulen sogar schon Werbung, um Studenten zu bekommen. Auch bei den Abiturienten sei zu erkennen, dass sie verstärkt eine Ausbildung im Handwerk beginnen würden – und dem Handwerk treu blieben. Nicht immer folge nach der Ausbildung ein Studium, erklärt Gonzalez. Auch weil das Handwerk neue Wege eröffnet: „In einigen Gewerken besteht für Abiturienten mittlerweile auch die Möglichkeit auf ein duales Studium“.

So könne man beispielsweise im Stuckateur-Handwerk zum Ausbau-Manager ausgebildet werden. „Das ist ein neues, bundesweites Ausbildungsmodell und beinhaltet eine klassische Berufsausbildung als Stuckateurgeselle und Stuckateurmeister“, erklärt der Geschäftsführer der Handwerkerschaft Göppingen. Zeitgleich würden die jungen Menschen auf Führungsaufgaben in einem Handwerksunternehmen vorbereitet. „Und das in nur sieben Semestern“, betont Gonzalez, der auch auf Rückenwind für das Handwerk durch die Tarifpolitik verweist. „Der jüngste Tarifabschluss bei den Friseuren zum Beispiel zeigt, dass durch das Anheben der Ausbildungsvergütung der Beruf attraktiver gemacht wird und somit hoffentlich bald mehr Nachwuchs am Start ist.“

Wie schätzt man die Lage bei den Uhinger Allgaier Werken ein, die Anfang des Jahres von der Arbeitsagentur für ihre Ausbildungsmaßnahmen ausgezeichnet wurden? Ralf Obermaier, Leiter der Ausbildung bei Allgaier erklärt, dass man die Ausbildung junger Menschen nicht auf die Arbeitszeit beschränkt sehen sollte. Mit zahlreichen Aktivitäten und Unternehmungen wird bei Allgaier die Gemeinschaft gepflegt und die Motivation gestärkt. Obermaier nennt einige Beispiele: Seifenkistenbau, Bohrmaschinenprojekt, Teilnahme am Hindernislauf in Uhingen. Das mache den Auszubildenden Spaß. Hinzu komme die individuelle Förderung der Azubis und der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung.

In seiner Zeit als Ausbildungsleiter habe jeder die Prüfung geschafft, niemand sei entlassen worden und es habe keine Abbrecher gegeben, berichtet Obermaier, der seit 2003 bei Allgaier ist. Dadurch genieße die Ausbildung einen guten Ruf in der ganzen Region und auch die Azubis würden Werbung für eine Ausbildung bei Allgaier machen.

Obermaiers Fazit: „Es läuft bei uns, man muss heutzutage aber schon einiges dafür machen“. Dazu gehört auch die Pflege der Kontakte zu den Uhinger Schulen. So kann Obermaier durch umfangreiche Kenntnis der Schüler diejenigen frühzeitig anschreiben, welche beispielsweise bei einem Praktikum positiv aufgefallen sind. So kann es sich Allgaier auch in diesen Zeiten leisten, Auswahlverfahren durchzuführen. Diese sehen jedoch anders aus als sonst: „Die Bewerber müssen gemeinsam Aufgaben lösen – die schulischen Leistungen sehen wir ja an den Zeugnissen“, sagt Obermaier.

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