Göppingen Aus für Wissmach-Zentrale

Unser Foto aus dem Jahr 2005 zeigt Gerhard Weber, den Vorstandschef der Gerry Weber International AG, in der Firmenzentrale im westfälischen Halle. Der Modekonzern hat die Göppinger Bekleidungskette Wissmach gekauft. Fotos: dpa/Archiv
Unser Foto aus dem Jahr 2005 zeigt Gerhard Weber, den Vorstandschef der Gerry Weber International AG, in der Firmenzentrale im westfälischen Halle. Der Modekonzern hat die Göppinger Bekleidungskette Wissmach gekauft. Fotos: dpa/Archiv
JOA SCHMID 09.02.2012
Der Modekonzern Gerry Weber übernimmt die insolvente Göppinger Bekleidungskette Wissmach mit deutschlandweit gut 200 Filialen. Die Göppinger Zentrale mit 40 Mitarbeitern wird geschlossen.

Schwarzer Mittwoch für die 40 Mitarbeiter in der Wissmach-Verwaltung in Göppingen: Im Zuge des Verkaufs des Modefilialisten an den Bekleidungshersteller Gerry Weber werden sie voraussichtlich im Herbst ihren Job verlieren. Noch bis mindestens 30. September werden sie laut Insolvenzverwalter Michael Pluta weiter beschäftigt. "Wir arbeiten daran, für diese Mitarbeiter eine sozialverträgliche Lösung zu finden", sagte Pluta. Der Verkauf kam für die Beschäftigten nicht überraschend. In der Zentrale in der Holzheimer Straße seien die Vertreter der Firma Gerry Weber in den vergangenen Wochen ein- und ausgegangen, berichtet eine Mitarbeiterin der NWZ.

Insolvenzverwalter Pluta hat die wesentlichen Vermögensgegenstände des Göppinger Unternehmens an die Gerry Weber International AG verkauft. Dazu zählen die Mietverträge für rund 200 Filialen im Bundesgebiet sowie das Warenlager. "Mit dem Verkauf können wir die Arbeitsplätze von 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichern", betonte Pluta.

Das Modeunternehmen Wissmach hatte im Oktober Insolvenz angemeldet. Da der Bekleidungsfilialist frühzeitig einen Insolvenzantrag gestellt hatte, ergaben sich gute Chancen für eine erfolgreiche Sanierung, sagte ein Sprecher des Büros Pluta. Jedoch mussten 29 schlecht laufende Filialen mit rund 100 Beschäftigten geschlossen werden - unter anderen die in Geislingen.

Die verbleibenden Läden sollen nach Genehmigung durch das Bundeskartellamt in den nächsten Monaten zu Geschäften der Gerry-Weber-Marken Taifun und Samoon umgebaut werden, teilte der neue Eigentümer gestern im westfälischen Halle mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. In den Umbau der Wissmach-Geschäfte werde man einen zweistelligen Millionenbetrag stecken. Der Modekonzern Gerry Weber, der 1973 gegründet wurde, hat rund 3000 Beschäftigte und betreibt weltweit 520 Läden in Eigenregie. Umsatz: rund 700 Millionen Euro.

Das Unternehmen Wissmach, das 1991 in Schwäbisch Gmünd aus der Taufe gehoben wurde, gehörte mit einem Umsatz von bis zu 100 Millionen Euro zu den größten im Stauferkreis. Nach und nach machte die Bekleidungsfirma eine Filiale nach der anderen auf, meist in bester Lage der großen Innenstädte wie dem Blautalcenter in Ulm. Bald gehörte Wissmach zu den erfolgreichsten und expansivsten Anbietern im Bereich Damenoberbekleidung. 2005 zog die Firmenzentrale von Rechberghausen in ein ehemaliges Gebäude der Firma Märklin nach Göppingen.

Die Gläubiger können mit einer außergewöhnlich hohen Quote von deutlich über 50 Prozent rechnen. Die Quote wird nach der Gläubigerversammlung Anfang März feststehen. Der Gläubigerausschuss hat dem Verkauf bereits zugestimmt.