Göppingen Aus dem Morgenland

20 Schüler mit ihren beiden Lehrerinnen der "Smt Sulochanadevi Singhania School" in Mumbai besuchten die Uhland-Realschule in Göppingen.
20 Schüler mit ihren beiden Lehrerinnen der "Smt Sulochanadevi Singhania School" in Mumbai besuchten die Uhland-Realschule in Göppingen. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / SABINE ACKERMANN 14.07.2014
Neue Umgebung, neue Sprache, neue Erfahrungen und neue Gast-Eltern. Indische Schüler aus Mumbai haben gemeinsam mit Schülern der Göppinger Uhland-Realschule intensive Tage verbracht.

Vorfreude, aber auch ein Hauch von Exotik lagen in der Luft, als der Bus vom Stuttgarter Flughafen mit den lang erwarteten Gästen aus Indien endlich eintraf. Zehn Tage lang besuchten zwanzig 13-15-jährige Schüler mit ihren beiden Lehrerinnen der "Smt Sulochanadevi Singhania School" in Mumbai die Uhland-Realschule, ihre Partnerschule in Göppingen. Silke Jehle, bei der alle Fäden zusammenliefen, sowie weitere Lehrkräfte und Organisatoren, hatten ein abwechslungsreiches und informatives Programm auf die Beine gestellt.

Doch am ersten Tag standen zuerst "Ankommen", vegetarische Maultaschen, die Unterbringung in die jeweiligen Gastfamilien sowie lange ausschlafen auf dem Plan. Gerade im Schoß einer Familie, sollten die ausländischen Gäste den ganz normalen deutschen Alltag hautnah erleben und dank vieler gemeinsamer Unternehmungen, ferner das Schwabenland besser kennenlernen. "Nice, but small", lautete das einhellige Urteil nach der Stadt-Rallye durch die Hohenstaufenstadt, im Vergleich, in der Mumbai Metropolitan (bis 1996 offiziell Bombay) leben über 18,4 Millionen Menschen.

Begeistert waren sie von den schönen Häusern und Wohnungseinrichtungen, Gehwegen und Straßen, da alles so sauber und rein sei. Eher erstaunt kommentierten sie die freizügige Kleidung der Mädchen, so fanden sie die Röcke zu kurz und die Ausschnitte zu tief.

Viel Freude hatten die Gasteltern mit ihren Mitbewohnern auf Zeit. "Sehr höflich und hilfsbereit, sowie offen und nett", beschreiben Annika, Lea, Marlene und Nina ihren fremdländischen Klassenkameraden, verraten allerdings: "Nur sind sie ziemlich langsam beim Essen und im Bad, wenn sie sich morgens waschen und richten." Trotz der Überbevölkerung oder gerade drum, scheinen den indischen Jungen und Mädchen Stress oder Hektik fremd zu sein.

"Vielmehr seien sie recht gesprächig und wissbegierig, sogar bisweilen noch ein wenig verspielt", sagt Silke Jehle. Der Pädagogin war es ein Anliegen, dass beide Seiten gemeinsame kulturelle Ansatzpunkte, aber auch klare Unterschiede feststellen können. "Unsere Kinder sollen einfach erfahren, dass Vielfalt nicht trennt, sondern bereichert. Ganz erstaunlich waren auch die Kommunikationsaktivitäten zwischen den Eltern.

So lief der Draht zwischen den Indern und Deutschen zum Teil bis zu mehrmals täglich heiß, quasi ein Austausch auf allen Ebenen", sagt sie. Während der ferne Besuch ihre jeweiligen Gasteltern mit einer selbst gekochten indischen Mahlzeit überraschten, bekamen sie jede Menge zu sehen. So gab es eigens einen Rathaus-Empfang mit Bürgermeisterin Gabriele Zull, Besuche im Märklin-Museum, Blühenden Barock, Freibad, jeweils einen Tagesausflug an den Bodensee sowie zur Landesgartenschau nach Schwäbisch Gmünd und auch die Besteigung des Göppinger Hausbergs sowie public viewing beim Deutschlandspiel gegen Frankreich, durften nicht fehlen. "Very obliging and nicely", also zuvorkommend und nett sowie mit "many nice cars", bescheinigte Aayush Ambasht gleichwohl Land, Leute und was er bei der Stippvisite im Daimler-Museum entdeckte.

Einen interessanten Einblick in den indischen Schulalltag, in Sitten und Gebräuche bekamen die hiesigen Schüler auf der Schulhofbühne. Dort zeigten die Mumbaier einige Yoga-Übungen, die sie jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn machen, eine handvoll Jungs stellten in ihren traditionellen Dhotis einige Szenen aus dem Freiheitskampf gegen die Briten nach und Mädchen in farbenprächtigen Saris präsentierten einen klassischen Tanz.

Info Das Austauschprogramm zwischen den beiden Schulen entstand als Synergieeffekt aus einem EU-Comenius-Projekt, ein 1997 eingerichtetes Programm der Europäischen Union mit dem Ziel, lebenslanges Lernen via Schulpartnerschaften mit anderen Teilnahmestaaten zu fördern.