Göppingen Auf Kuschelkurs mit den Tieren des Waldeckhofs

Anja Bock führte die Besucher über den Waldeckhof in Göppingen-Jebenhausen. Auf dem Foto ist sie mit einem kleinen Burenzicklein zu sehen.
Anja Bock führte die Besucher über den Waldeckhof in Göppingen-Jebenhausen. Auf dem Foto ist sie mit einem kleinen Burenzicklein zu sehen. © Foto: Werner Schmidt
Göppingen / WERNER SCHMIDT 28.07.2015
Da verführen nicht nur die Esel und Schafe dazu, sie ständig streicheln zu wollen. Auch die jungen Burenzicklein des Waldeckhofs in Göppingen- Jebenhausen entlockten den Besuchern entzückte Laute.

Ein halbes Dutzend Besucher nutzte vor kurzem den im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen" angebotenen Besuch auf dem Bio-Bauernhof "Waldeckhof" in Jebenhausen. Einerseits Streichelzoo, andererseits landwirtschaftlicher Betrieb mit sozialem Engagement, denn viele Mitarbeiter sind Arbeitslose oder Ein-Euro-Jobber, die wieder in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Auch einige afrikanische Flüchtlinge werden beschäftigt, um ihnen unter anderem auf diesem Weg die Integration zu erleichtern.

Sechs Esel hält der Hof, die derzeit allerdings mehr Streicheltiere für die Kinder seien, sagte Hofführerin Anja Bock. Eseltrekking wie es auch in der Zachersmühle angeboten wird, sei geplant. Auch die Hasen sind zum Streicheln da und nicht zum Schlachten. Wobei sogar die Städter unter den Besuchern den Unterschied zwischen Hase und Kaninchen kennen. "Neugeborene Kaninchen kommen nackt und blind zur Welt und sind Nesthocker, während neugeborene Hasen ein Fell und offene Augen haben", wusste ein Besucher, während eine Besucherin ergänzte: "Kaninchen graben sich einen Bau in der Erde, während Hasen im Freien leben."

Wollschwein hofft auf Leckerchen

Ein Stück weiter schaute das Wollschwein der Besuchergruppe neugierig entgegen, wendete sich dann aber enttäuscht ab, als es merkte: Zu Fressen haben die nix mitgebracht. Ihren Namen haben die dunkelhaarigen Tiere übrigens wegen ihrer langen, Wollfäden ähnlichen Borsten. Das aus Ungarn stammende Tier habe einen größeren Fettanteil, der früher mehr geschätzt worden sei als jetzt, wo jeder auf möglichst mageres Fleisch achte, erklärte Anja Bock. Wobei Schweine recht saubere Tiere seien, betont die studierte Landwirtin. Daher haben die Hausschweine ihren Koben auch in einen mit Stroh ausgelegten Ruhebereich im hinteren Teil und einen Kotbereich im vorderen Bereich unterteilt. Außerdem seien die Tiere recht neugierig. Kein Wunder also, dass sie sich interessiert der Besuchergruppe näherten und naseweis ihre Rüssel durch die Stahlstreben des Kobens steckten.

Ein Stück weiter warteten an die 100 Gänse auf St. Martin und Weihnachten. Dann werden sie geschlachtet, gerupft und kommen bei den Stammkunden als Martinsgänse auf die Speisekarte. Momentan schnattern sie noch an der Tränke und suchen in der Erde nach Fressbarem.

Gleich daneben ist die Stallung für mehr als 100 Schafe, die erst mal vor der Besuchergruppe ins hinterste Eck flüchteten und, als sie merken, niemand tut ihnen was, peu à peu wieder herankamen und sich dann sogar streicheln ließen. Täglich werden sie gemolken. Ein bis zwei Liter gibt jedes Tier täglich, berichtete Anja Bock. Die Milch wird in der angeschlossenen Käserei verarbeitet: Frischkäse, aber auch Schnittkäse wird daraus, sogar Eis aus Schafsmilch stellt man auf dem Waldeckhof her und verkauft es im Hofladen.

In der Käserei war dann alles vorbereitet, damit die Besucher ihren eigenen Frischkäse herstellen konnten. Dabei gab es von Fachfrau Anja Bock noch einen theoretischen Grundkurs in der Käseherstellung mit Käsebruch, Käseharfe und Molke. Die bleibt bei der Käseherstellung übrig und gilt als gesundes Getränk, weil sie viele Vitamine und Mineralien enthält.

Und weil in der Käserei Hygiene ganz groß geschrieben wird, steckten alle ihre Schuhe in blaue Plastiküberzieher und trugen eine Kopfhaube. Dann füllten sie den Käsebruch in Becher ab, die aussehen wie ein Sieb, weil in der Becherwand ein Löchlein neben dem nächsten ist. Daraus entrinnt die im Bruch enthaltene Molke. Gewürzt und mit unterschiedlichen Kräutern angereichert, wird daraus innerhalb von etwa 30 Minuten Kräuter-Frischkäse oder welcher mit Knoblauch.

Zum Besuch auf dem Waldeckhof ließ sich Bettina Mayer aus Wäschenbeuren verführen, weil sie sich für alles interessiere, das traditionell hergestellt werde: "Ich weiß gerne, was drin ist", sagte sie. Sie kauft viel in Hofläden, meidet die Discounter und ihr 6,5 Ar großer Garten liefert schon vieles, was die Familie braucht: Tomaten, Lauch, Salat, sämtliche Beerenarten, Meerrettich und natürlich Äpfel, Birnen und Quitten.

Schon ver-führt?

Ausgebucht sind in den kommenden Tagen folgende Veranstaltungen: Vom Stein zum Schotter - Besichtigung des Steinbruchs in Böhmenkirch, Das Mordlochwasser und die Obere Roggenühle, Bier mit Biss, Führung Abfüllanlage IQ 4 YOU.

Freie Plätze: Bei anderen Veranstaltungen diese Woche sind noch Plätze frei.

Anmeldungen bitte direkt über den jeweiligen Veranstalter. Alle Infos zu den Angeboten gibt es online unter www.landkreis-goeppingen.de

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