Der 65-Jährige konnte sich aber so gar nicht erklären, wo die 3,1 Promille hergekommen sein sollen, die bei ihm am Neujahrstag festgestellt wurden, nachdem er um 15.50 Uhr von der Polizei angehalten worden war. "Ich habe wirklich vorher keinen Alkohol getrunken", beteuerte er. Für ihn war klar: "Das muss Restalkohol gewesen sein."

Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Rometsch wollte diese Version der Geschichte so gar nicht glauben. "Dann müssten Sie ja um Mitternacht fünf Promille gehabt haben", rechnete er vor und schaute den Landwirt aus einem Göppinger Stadtteil fragend an. Der blieb dabei: Er habe an Silvester "nur zwei Flaschen Wein" gekauft und sei am Nachmittag des 1. Januar dieses Jahres auf dem Weg zu einer Tankstelle gewesen. "Weil's mir im Bauch nicht gut war, wollte ich mir so einen kleinen Schnaps holen." Aber er brauche doch seinen Führerschein: "Dass ich da so eine Dummheit mach', kann ich mir gar nicht vorstellen."

Ein Vollrausch ist nach dem Gesetz nicht verboten, wohl aber all jenen das Autofahren, die ihn gerade genießen, respektive erleben oder erleiden. Doch im Prinzip ist der Täter geschützt: Vollrausch bedeutet Schuldunfähigkeit - also konnte der Landwirt auch nicht wegen der Alkoholfahrt belangt werden. Hier greift nun die juristische Krücke: Obwohl eigentlich schuldunfähig, kann der Täter nach Paragraph 323a des Strafgesetzbuchs wegen vorsätzlichen oder eben fahrlässigen Vollrauschs bestraft werden - weil er in diesem Zustand eine andere Straftat begangen hat.

Deshalb flatterte dem 65-Jährigen ein Strafbefehl ins Haus - Geldstrafe und zehn Monate Führerscheinentzug. Er legte Einspruch ein, denn als Landwirt sei er auf seinen Traktor angewiesen, erklärte er. Im Moment habe er einen Anhänger an sein Fahrrad montiert. "Da kommen die Motorsäge und die Spaltaxt rein." Rometsch fragte deshalb: "Sie brauchen also den Traktorführerschein?" Nachdem der 65-Jährige bejaht hatte, betonte der Richter: "Aber man darf natürlich auch nicht besoffen mit dem Bulldog im Wald rumfahren." Nicht zuletzt, weil der Mann eine Therapie macht und entgiftet hat, darf er nun wieder Traktor fahren: Rometsch beließ es bei der Geldstrafe von 1100 Euro und dem Entzug des Autoführerscheins für zehn Monate.