Was hat der Leibarzt von Graf Eberhard III. mit dem Göppinger Storchen zu tun? Eine ganze Menge – das belegen die aktuellen Forschungen von Walter Ziegler, dem ehemaligen Kreisarchivar. In einer umfangreichen Arbeit, die er „Adelssitze an der Stelle des Storchen in Göppingen“ überschrieben hat, weist er nach, dass „Maister Nicläsen vom Schwert“, bekannt als Nikolaus vom Schwert, im Besitz des Vorgängergebäudes des heutigen Stadtmuseums war. Schwert, seit Ende des 14. Jahrhunderts in Göppingen war „der erste nachweisbare Arzt der württembergischen Grafen“, so Walter Ziegler bei einem Vortrag im „Storchen“, bei dem der Vortragsraum im Erdgeschoss kaum alle Besucher fassen konnte.

Einst Witwensitz

Ziegler hat in zahlreichen Archiven geforscht und Quellen ausgewertet, die bislang im Zusammenhang mit dem Storchen nicht erforscht waren. Alle verweisen auf den Vorgängerbau des „Storchen“ als Wohnhaus des Arztes. Ziegler weist nach, wie dieses, das in Teilen noch im Erdgeschoss des Stadtmuseums steckt, über Kaspar von Schlat an die Herren von Liebenstein gekommen und von ihnen 1536 neu gebaut worden war und später Witwensitz der Familie wurde. Das Baujahr ist anhand von dendrochronologischen Untersuchungen, also Analysen, die das Alter von Holz bestimmen, gesichert. Der heutige Bau kann demnach nicht, wie bislang angenommen, auf dem Filstalpanorama abgebildet sein. Das war im Jahr zuvor gemalt worden.

Alte Quellen sprechen von einem Anwesen mit zwei Gebäuden. Beim zweiten handelt es sich um die heutige Schlossstraße zwei. Es war von späteren Besitzern an das Kameralamt verkauft worden und fungierte lange als „Criminal-Gefängnis“.

Dokument in Nische gefunden

Spannend ist auch die Geschichte einer Urkunde, die das Stadtarchiv erst 1955 erwarb und die eben über die früheren Besitzer Aufschluss gibt. Sie war im Besitz von Ludwig Dunker in Freudenstadt. Er war ein Nachkomme von Kommerzienrat Johann Christoph Dunker. Dieser war im 19. Jahrhundert Besitzer des „Storchen“ und gründete das Salacher Unternehmen „Schachenmayr“. Er scheint die Urkunde nach Jahrhunderten in einer geheimen Nische gefunden zu haben, die schon Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt war.

Info Der ausführliche Aufsatz zum Göppinger „Storchen“ als Adelssitz findet sich im Jahrbuch „Hohenstaufen/Helfenstein 19“ des Geschichts- und Altertumsvereins Göppingen und des Kunst- und Geschichtsvereins Geislingen veröffentlicht.