Debatte Asylpolitik: Schwierige Suche nach Lösungen

Die Aufnahme entstand im Januar 2018 und zeigt Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Ländern vor der Küste von Libyen an Bord eines überfüllten Holzboots.
Die Aufnahme entstand im Januar 2018 und zeigt Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Ländern vor der Küste von Libyen an Bord eines überfüllten Holzboots. © Foto: dpa
Göppingen / SWP 09.11.2018

Es ist ein aktuelles und brisantes Thema, das Deutschland seit September 2015 in Atem hält. Die Diskussionen sind intensiv – mitunter weicht die Sachlichkeit schrillen Tönen. Es geht um die Asyl-, ­Migrations- und Einwanderungspolitik in Europa.

Auf der (partei-)politischen Landkarte hat die anhaltende Debatte längst zu Verwerfungen geführt. Die Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union (EU), das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen und Parteien und die Herausforderungen, vor denen die Gesellschaften durch die Migration stehen, sorgen bei vielen Menschen für Verunsicherung. Neben Protesten und Forderungen, Migration nach Europa stärker zu begrenzen und
abgelehnte oder straffällig gewordene Asylbewerber schneller abzuschieben, wächst jedoch auch die Zahl derer, die Rassismus und ausländerfeindlichen Äußerungen sowie Übergriffen entschieden entgegentreten.

In einer neuen Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Die Blaue Couch“ wird am kommenden Mittwoch, 14. November, in der evangelischen Stadtkirche in Göppingen mit zwei Experten über die aktuelle Politik diskutiert. Der Abend mit der Fragestellung „Ist das Boot wirklich voll!?“ verspricht kontrovers zu werden, nichtsdestotrotz soll der Austausch der Argumente in sachlicher Atmosphäre verlaufen.

Gäste auf dem „Blauen Sofa“ sind zum einen der Tübinger Oberbürgermeister und Grünen-Politiker Boris Palmer, der mit seinen kritischen Äußerungen zur Asylpolitik auch innerhalb seiner Partei immer wieder angefeindet wird. Der streitbare Autor des Buchs „Wir können nicht allen helfen“ ist bekannt dafür, deutliche Worte zu finden, wenn es darum geht, mögliche Fehlentwicklungen in der Politik zu benennen und zu analysieren. Erst vor wenigen Tagen hatte Palmer angesichts des Verbrechens in Freiburg gefordert, die Bewegungsfreiheit gewaltbereiter Migranten einzuschränken.

Mit Boris Palmer diskutiert Gerald Knaus. Der österreichische Soziologe ist Vorsitzender der 1999 nach dem Kosovokrieg gegründeten Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) und gilt als der Erfinder des EU-Türkei-Flüchtlingsabkommens („Merkel-Plan“), über das es immer wieder Diskussionen gibt. Während der Flüchtlingskrise in Europa 2015 und 2016 hatten Mitarbeiter der ESI das Programm entwickelt, das vorsieht, syrische Flüchtlinge aus der Türkei direkt nach Deutschland zu bringen, um die Türkei zu entlasten. Zu dem Programm gehört aber auch ein Rückführungsabkommen mit der Türkei. Ziel ist es, alle Flüchtlinge, die Europa über die Ägäis oder über die türkisch-griechische Grenze erreichen, in die Türkei abzuschieben. ESI-Leiter Knaus hatte im März 2016 betont, die Zusammenarbeit mit der Türkei sei „alternativlos“, um eine „Orbanisierung“ der EU zu verhindern.

Moderiert wird die Talkrunde in der Stadtkirche, bei der auch Besucher mit Fragen an die Experten zu Wort kommen sollen, von NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele.

„Die Blaue Couch“: Talk in der Stadtkirche

Reihe „Die Blaue Couch“ ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Evangelischen und der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis, der Göppinger Volkshochschule und des Hauses des Familie. Kooperationspartner ist die NWZ. Das Motto der Talkrunde in der evangelischen Stadtkirche am Göppinger Schlossplatz
lautet: „Probleme benennen, mit
Experten diskutieren, Lösungen
entwickeln“.

Thema Die Veranstaltung am kommenden Mittwoch, 14. November, mit dem Titel „Ist das Boot wirklich voll!?“ widmet sich der Asyl-, Migrations- und Einwanderungspolitik in Europa. Es ist die zweite Ausgabe der Reihe. Bei der Premiere im April dieses Jahres ging es um die Zukunft der Automobilindustrie und um Elektromobilität.

Karten Die Talkrunde am 14. November beginnt um 19.15 Uhr (Einlass ab 19 Uhr). Veranstaltungsort ist die Stadtkirche am Göppinger Schlossplatz. Eintrittskarten zum Preis von 8 Euro (inklusive Begrüßungsgetränk) gibt es ausschließlich an der Abendkasse in der Stadtkirche. Der Göppinger Kirchenmusikdirektor Gerald Buß sorgt für ein musikalisches Intro.

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