Die letzte Klappe ist gefallen, die Kulissen sind abgebaut und das Produktionsbüro geräumt: Mit einer Träne im Knopfloch haben die Fernsehmacher des Südwestrundfunks (SWR) unlängst bei der letzten Aufzeichnung der ARD-Sendung „Tigerentenclub“ aus Göppingen Abschied gefeiert. Künftig soll die Sendung am SWR-Stammsitz in Baden-Baden hergestellt werden. Zum Finale, dem „großen Studiobattle“ – so heißt der Arbeitstitel der 1130. Folge aus Göppingen – waren auch einige alte Weggefährten gekommen. Sie haben sich gerne an die vergangenen 23 Jahre erinnert, in der viele bekannte Persönlichkeiten in Göppingen zu Gast waren.

Keine VIPs mehr im Göppinger Studio

Otto Waalkes hüpfte beispielsweise genauso aufgeregt durch die Kulissen des „Tigerenten Clubs“ wie der junge US-Sänger Aaron Carter, der früher mit seiner Musik für Schlagzeilen sorgte. Dessen großer Bruder Nick war ebenfalls bereits in der Stadt – zusammen mit seiner Band, den „Backstreet Boys“. Die Liste ist lang und die Wall-of-Fame im Studio, an der die Autogrammkarten der Stars hingen, war groß. Viele Youtube- und Teeniestars, Boy- und Girlgroups haben der Tigerente, Günter Kastenfrosch und ihren Freunden einen Besuch abgestattet. Für mächtig Aufregung hatte einst die Band „Caught in the Act“ gesorgt, als unerwartet hunderte Fans das Studio überrannten. Fast schon Stammgast in den Göppinger Kulissen war DJ Bobo, der regelmäßig seine neuesten Hits präsentiert hatte – ebenso Popsängerin Sarah Connor. Und: Einer der ersten Gäste im „Tigerenten Club“ war Adel Tawil – damals noch Mitglied der Band „The Boyz“ und nannte sich Jay. Im Interview mit der NWZ haben die jungen Musiker als Stars von Welt die Fragen der Journalisten auf englisch beantwortet, man ist ja international. Zu großem Ruhm kam Adel Tawil aber erst später – als Solokünstler (auch da war er Gast im „Tigerenten Club“) und als Hälfte des Duos „Ich & Ich“, das vor allem mit deutschen Texten berühmt wurde.

Medienrummel im beschaulichen Göppingen

Auch auf englisch unterhielt sich Bianca Jagger, die Ex-Frau von Rolling-Stone Mick Jagger, mit den Moderatoren über ein Charity-Projekt und sorgte für großen Medienrummel im sonst eher beschaulichen Göppinger Stauferpark. Sport-Moderator Waldemar Hartmann hat ebenfalls schon über sein Tun berichtet wie auch die Boxer Wladimir und Vitali Klitschko, Rennfahrer Nick Heidfeld, Trainer Sepp Maier, Eisschnelläuferin Anni Frisinger, Kunstpilot Matthias Dolderer und Basketball-Star Dirk Nowitzki. Doch es waren nicht nur Musiker, Schauspieler oder Sportler vor den Tigenenten-Kameras. Zahlreiche Experten und Wissenschaftler haben den Wissensdurst der Kinder gestillt – eine wichtige Komponente im Konzept des „Tigerenten Clubs“. Unvergessen dabei die Antwort des damaligen Umweltministers Jürgen Trittin, der in einem Interview die Skandinavier als „Schlemihls“ bezeichnete, die nicht einsehen würden, dass der Walfang keine gute Idee sei. Die Moderatoren nahmen die Zuschauer so immer wieder mit auf eine Reise durch die Welt.

Anfang April letzte Ausstrahlung

Etwa vier Mal im Jahr war das Produktionsteam des SWR vor Ort, um den „Tigerenten Club“ aufzuzeichnen, der nach der „Sendung mit der Maus“ die älteste Kindersendung im deutschen Fernsehen ist. Spin-off-Shows, die ebenfalls im Göppinger Studio produziert wurden, kommen zu den vielen Folgen hinzu – die Wissenssendung „Motzgurke TV“ zum Beispiel. Oder auch „Krass Nass“, einem Parcours-Wettbewerb in den Sommerferien. Die Fernsehmacher hatten für ihre Ideen in der Hohenstaufenstadt beste Voraussetzungen. All das ist jetzt Geschichte – zumindest in Göppingen. So wird Anfang April im Abspann der Show zum letzten Mal zu lesen sein: „Eine Sendung aus dem Stauferpark Göppingen.“

Von der Sporthalle zum TV-Studio


Sporthalle Die ehemalige Sporthalle der US-Army wurde 1984 eingeweiht. Nach Abzug der Streitkräfte vermietete die Stadt Göppingen dem Südwestrundfunk die Halle kostenfrei.

Premiere Die erste Tigerenten-Club- Folge aus Göppingen wurde am 6. Januar 1996 ausgestrahlt.

Umzug Der „Tigerenten Club“ wird ab März in Baden-Baden aufgezeichnet. Immer wieder hatte die Stadt Göppingen um den Verbleib der prestigeträchtigen TV-Produktion gekämpft – mit dem Verkauf des Gebäudes 2016 an die Firma Kleemann wurde das Ende des SWR-Standorts in der Hohenstaufenstadt besiegelt.

Zukunft Die ehemalige Sporthalle soll abgerissen werden, um dort eine Produktionshalle für Maschinen sowie Lagerflächen bauen zu können.