Die Mitarbeiter von Aqua Römer in Jebenhausen können wieder Hoffnung schöpfen: Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten (NGG) haben zusammen mit von ihnen beauftragten Wirtschaftsprüfern ein Konzept erarbeitet, um die Produktion am Standort zu erhalten. Die Arbeitnehmervertreter haben die Pläne am Dienstag der Führungsetage vorgestellt. „Ich empfand es als sehr positiv, dass die Geschäftsführung dieses Konzept nicht gleich abgeschmettert hat“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Efstathios Michailidis. Es gebe noch weitere Termine, in denen alle Seiten die Zahlen gemeinsam prüfen wollen. Ende September soll dann feststehen, „ob es tatsächlich möglich ist, Produktion und Verladung in Göppingen zu halten“, sagte der Betriebsratschef.

Im Juli hatte Geschäftsführer das Aus für den Sprudel verkündet

Die Verunsicherung in der Belegschaft war in den vergangenen Wochen groß. Mitte Juli hatte Andreas F. Schubert, seit 2013 Geschäftsführer des Brunnens, das Aus für den Göppinger Sprudel verkündet. Aqua Römer möchte den Standort Jebenhausen schließen und Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung an den zweiten Abfüllort der Brunnen-Union St. Christophorus in Mainhardt verlagern. 50 der derzeit 100 in Jebenhausen Beschäftigten sollen künftig in Mainhardt arbeiten, für die anderen soll der Betriebsrat einen Sozialplan und einen Interessenausgleich aushandeln.

Die Göppinger Abfüllanlage sei seit Jahren hoch defizitär und betriebswirtschaftlich nicht mehr zu retten, begründete der Geschäftsführer diesen Schritt. Auch die jetzt vorgelegten Pläne von Betriebsrat und Gewerkschaft überzeugen ihn offenbar nicht: „Das Konzept ist nicht rund. Es ist eigentlich eher eine Idee, die nicht in Zahlen gegossen ist und die jetzt ausgearbeitet werden muss“, sagte Schubert gestern. „Daher kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt weder ablehnen noch zusagen.“ Der Geschäftsführer, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, will jetzt die weiteren Gespräche abwarten.

Einige Beschäftigte arbeiten bereits in Mainhardt

Parallel laufe die Produktion in Jebenhausen allmählich aus. Einige Beschäftigte arbeiteten derzeit bereits in Mainhardt, „dort gibt es genug zu tun“. Diese Regelung sei aber nicht neu, sondern in einer Betriebsvereinbarung festgehalten. Die Pet- und Petcycle-Linie in Jebenhausen stehe bereits, die Produktion der Glaslinie laufe auf jeden Fall bis Anfang November weiter, kündigte Schubert an.

Genau in diesem Punkt schöpft der Betriebsratsvorsitzende Hoffnung: „Jebenhausen ist ein Glas­standort“, Göppinger werde überwiegend in Glas abgefüllt. Der Umweltgedanke nehme in der Bevölkerung zu, Wasser und andere Getränke aus Glasflaschen zu trinken, liege im Trend. „Das sind gute Aussichten“, ist Michailidis optimistisch. Hilfreich sei zudem, dass man die nächsten Wochen Planungssicherheit und Zeit gewonnen habe, da die Produktion über den Oktober hinaus laufe.

„Zurzeit kann man nicht absehen, in welche Richtung das gehen wird. Die Sache ist erst einmal andiskutiert“, trat gestern Hakan Ulucay, Landesbezirkssekretär der NGG im Landesbezirk Südwest, auf die Euphoriebremse. „Gut ist, dass beide Seiten offen sind, darüber zu reden“, fügte er hinzu und betonte: „Wir haben Hoffnung, dass es was bringt.“ Der Göppinger Sprudel sei „ein gutes Wasser und ein Brunnen, für den es sich lohnt zu kämpfen“, meinte der Gewerkschafter und nahm die Geschäftsführung in die Pflicht: „Ich hoffe, dass die Arbeitgeberseite ihrer Verantwortung sowohl für die Beschäftigten als auch für die Region gerecht wird.“

Peter Hofelich: Wirtschaftsministerium hat sich gemeldet

Im Ringen um die Zukunft des Brunnenbetriebs gibt es auch Hilfe von außen, beispielsweise des Göppinger SPD-Landtagsabgeordneten Peter Hofelich. Darüber freue er sich, sagte der Betriebsratsvorsitzende. „Auch das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg hat sich gemeldet. Aber wir versuchen, das im Moment intern zu klären, da ich nicht einschätzen kann, wie die Hilfe von außen wirkt.“

Wie groß ist denn seine Zuversicht, dass es für Aqua Römer in Jebenhausen weitergeht? Efstathios Michailidis beschleichen da gemischte Gefühle: „Emotional sage ich, das geht durch, sachlich glaube ich eher, es ist noch nicht durch.“ Er macht deutlich, wie sehr er selbst an dem Standort hängt: „Mit dem Göppinger Sprudel ist es wie mit dem Eiffelturm in Paris: Man kann ihn sich nicht wegdenken.“

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