Göppingen Anwohner der Metzgerstraße beklagen Parkplatznot

Die Anwohner Gerhard Geisel und Emma Kick ärgern sich über Fremdparker in der Göppinger Metzgerstraße. Doch eine Lösung ist offenbar in Sicht.
Die Anwohner Gerhard Geisel und Emma Kick ärgern sich über Fremdparker in der Göppinger Metzgerstraße. Doch eine Lösung ist offenbar in Sicht. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / Sabine Ackermann 31.08.2018
Wer in Göppingens Metzgerstraße einen Parkplatz ergattern will, der muss viel Glück haben. Dauerparker, Christophbad-Besucher, Firmenbeschäftigte parkten alles zu, beschweren sich Anwohner.

Jeder Autofahrer kennt das – die verzweifelte Suche nach einem Parkplatz. Ob nur „kurz“ zum Arzt oder ins Fachgeschäft oder länger zu einer Veranstaltung – Fremd- und Falschparker sind zwar ärgerlich, gehören aber längst zum Alltag. Ganz anders sehen es die Bewohner der Hausnummern 13 bis 64 in der Metzgerstraße in der Göppinger Innenstadt. Rund um die eng aneinander gebauten Häuser gibt es so gut wie keine Garagen oder Stellplätze im Hof.

„Wir leiden hier seit Jahren unter einem erheblichen Parkdruck“, berichtet Gerhard Geisel, der dort seit 1985 in einem Drei-Familien-Haus wohnt. Ständig blockierten Langzeitparker mit auswärtigen Kennzeichen über Tage oder gar Wochen die Parkplätze. „Es besteht bei uns der Verdacht, dass sich die Halter dieser Fahrzeuge als Patienten im Christophsbad aufhalten könnten und sich ebenso wie zahlreiche Besucher die überteuerten Gebühren des dortigen Parkhauses sparen wollen“, vermutet der Anlieger. Ein weiteres Übel sei die Dauerbaustelle der Firma Bader, von früh bis spät belegten Firmenwagen die Parkplätze, berichtet der Anwohner. Besonders katastrophal sei die Situation für Anlieger, die aufgrund ihrer wechselnden Arbeitszeiten zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten heimkommen, weiß Gerhard Geisel und betont: „Die tägliche Suche nach einem Parkplatz in akzeptabler Nähe zum Haus wird hier zum dauerhaften Lotteriespiel.“

Mit diesem Problem steht er nicht alleine da. Auch Çiğdem Karisma kann ein Lied davon singen. „Ich arbeite in drei Schichten und finde zu Uhrzeiten zwischen 6 bis 7, 13 bis 14 oder 20 bis 23 Uhr ganz selten einen Platz, muss deshalb recht oft weiter weg parken.“ Es seien nicht nur die wiederholt kassierten Strafzettel, auch den späten und dunklen Heimweg vorbei an den zwei Bordellen Nummer 53 und 35 empfindet sie als sehr unangenehm, berichtet die junge Frau, die seit ihrer Kindheit hier lebt.

Gleichfalls frustriert ist Emma Kick, die sich 1983 in der Metzgerstraße niedergelassen hat. „Es tut sich nichts. Gerade ist es besonders schlimm, da mein Mann Krücken benötigt und nicht so weit laufen kann“, erzählt die Seniorin. Schon vor über einem Jahr hätten sich einige Betroffene mit der Bitte um Anwohnerparkplätze mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt. Trotz verbindlicher Zusage des zuständigen Sachbearbeiters, das dringende Anliegen zu prüfen und im entsprechenden Ausschuss zur Sprache zu bringen, habe sich bis heute absolut nichts getan, ärgert sich Gerhard Geisel und unterstreicht: „Im Gegenteil. Auf unsere Nachfragen werden wir ständig mit irgendwelchen Ausreden vertröstet, fühlen uns inzwischen von der Stadtverwaltung nicht mal mehr ernst genommen. Wir fühlen uns hier, eingepfercht zwischen Bahnlinie, Bader und Schlachthaus, als Anwohner der viel befahrenen Metzgerstraße behandelt wie Bürger dritter Klasse.“ Eine neue „Glanzleistung“ seien die viel zu kurzfristig aufgestellten Halteverbotsschilder aufgrund der neuen Gasleitung für die Firma Bader, so Gerhard Geisel: „Weil da einige Anwohner schon im Urlaub waren, stehen deren Autos nun im absoluten Halteverbot.“

Die Stadtverwaltung weiß von dem Problem. Aber: „Die Einführung einer Bewohnerparkregelung ist rechtssicher zu begründen. Dazu ist eine umfassende Parkraum- und Belegungsanalyse für das betreffende Gebiet durchzuführen, die eine gewisse Dauer in Anspruch nimmt“, teilt Pressesprecher Olaf Hinrichsen auf Nachfrage der NWZ mit.

In letzter Zeit seien bei der Stadt mehrere Anträge auf Schaffung von Bewohnerzonen eingegangen, so dass mehrere Parkraum- und Belegungsanalysen notwendig waren, erklärt Hinrichsen. „Unsere Verkehrsplaner waren und sind im Rahmen der personellen Möglichkeiten dabei, diese Erhebungen für die verschiedenen Gebiete nach und nach durchzuführen, auszuwerten und in einen Parkkonzeptvorschlag zu überführen. Dies alles geschieht neben den sonstigen Aufgaben und zu betreuenden Projekten“, betont der Pressesprecher.

Stadt hat das Problem erkannt

Für die Metzgerstraße wurden die erforderlichen Erhebungen zwischenzeitlich erledigt und ausgewertet. Hinrichsen: „Ein erheblicher Parkdruck durch Fremdparker und damit ein unzureichendes Angebot für die Bewohner/-innen konnte nachgewiesen werden.“ Die Verkehrsschaukommission habe im Juli der Einführung einer Bewohnerregelung in der Metzgerstraße im Grundsatz zugestimmt. Derzeit werde ein Detailplan als Vorschlag für eine künftige Park­regelung erstellt. Es sei vorgesehen, dass die städtischen Stellen nach den Sommerferien auf die Bewohner der Metzgerstraße mit einem konkreten Umsetzungsvorschlag zugehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel