Göppingen Anwohner klagen über Lärm

Kurz bevor die Lorcher Straße einspurig wird, geben Autofahrer oft noch einmal ordentlich Gas, um zu überholen – zum Leidwesen der Anwohner, die unter dem Lärm leiden.
Kurz bevor die Lorcher Straße einspurig wird, geben Autofahrer oft noch einmal ordentlich Gas, um zu überholen – zum Leidwesen der Anwohner, die unter dem Lärm leiden. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Susann Schönfelder 12.04.2018
Stau, Lärm, Feinstaub: Anwohner der Lorcher Straße in Göppingen leiden unter dem Verkehr. Die Grünen-Fraktion nimmt die Stadt in die Pflicht.

Im Berufsverkehr geht es auf der Lorcher Straße in Göppingen nur im Schneckentempo vorwärts. Der Verkehr staut sich oft vom Kreisel an der EWS-Arena bis zur Sternkreuzung. Die Anwohner leiden unter dem Lärm und sehen auch eine Sicherheitsgefahr. Stephan Baer, der seit fast sieben Jahren in der Christophstraße wohnt, rund 50 Meter von der Lorcher Straße entfernt, kann ein Lied von der täglichen Belästigung singen. Er hat einen Brief an Oberbürgermeister Guido Till geschrieben und fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Baer ist überzeugt, dass Tempo 30 statt 50 zwischen dem Kreisverkehr und der Sternkreuzung das Problem entschärfen würde.

Das Schreiben ging auch an die Fraktionen des Gemeinderats. Christoph Weber, Fraktionschef der Grünen, hat sich der Sorgen der Bürger angenommen und den Antrag gestellt, die Sache in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (Beginn um 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses) zu diskutieren. „Leider gibt es keine Sitzungsvorlage, sondern nur einen mündlichen Bericht“, sagt Weber. „Das bedauern wir sehr. Schließlich geht es darum, dass die Leute zu ihrem Recht kommen.“ Wie die Stadtverwaltung den Vorstoß der Anwohner und der Grünen bewertet, bleibt abzuwarten: Pressesprecherin Jeannette Pachwald verwies gestern auf die heutige Sitzung und wollte inhaltlich nichts zu dem Thema sagen.

Stephan Baer hofft jedenfalls auf Erleichterung – zusammen mit vielen anderen Anwohnern. Etwa 40 Unterschriften hat der Initiator bereits gesammelt, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Baer beobachtet, dass auf der zweispurigen, ansteigenden Lorcher Straße Richtung EWS-Arena Autofahrer oft ordentlich Gas geben und deutlich schneller als mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde überholen – und dies vor allem in den Abendstunden und nachts, „was sich im weiteren Streckenverlauf vor meiner Haustür durch starke Lärmbelästigung bemerkbar macht“, schildert der Anwohner die Situation. Ihn ärgert, dass es „in diesem Streckenabschnitt leider so gut wie nie Geschwindigkeitskontrollen“ gebe. Zudem seien in diesem Bereich der B297 eine Vielzahl von Unfällen passiert, bei denen Menschen verletzt oder gar gestorben sind. Mit Tempo 30 könnte „diese traurige Statistik“ möglicherweise anders aussehen, glaubt Stephan Baer.

Der Anwohner verweist darauf, dass in Rechberghausen vom Ortseingang bis zum innerörtlichen Kreisverkehr Tempo 30 auf der B 297 gilt und fragt OB Till in seinem Brief: „Warum wurde in dem von mir erwähnten Abschnitt in Göppingen bisher nichts unternommen?“

Schützenhilfe erhält der Anwohner von den Grünen. Auch Christoph Weber kritisiert, „dass die Stadt bisher alles abgelehnt hat in diese Richtung“. Das Problem sei, dass vor allem Lastwagen, die von der A8 oder  B10 kommen, die Strecke als Abkürzung zur B 29 und weiter zur A7 nutzen. „Und genau die Laster tragen dazu bei, dass der Verkehr sehr unstet läuft“, sagt Weber. Im Bereich um Stuttgart gebe es keine Beschränkung für Lkw, daher habe man die Laster schließlich im Ort. „Die Stadt muss daher tätig werden zusammen mit den übergeordneten Behörden“, fordert der Fraktionschef. Es gehe um die Lärmbelästigung und die Sicherheit, aber auch um das Thema Feinstaub. „Doch auch in dieser Frage haben die Stadt und die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat sich geweigert, eine Messstelle aufzustellen“, sagt Weber und ist gespannt, welche Antworten die Stadt heute auf den Brief von Stephan Baer hat.