Göppingen Anwohner gegen Windrad

Windräder.
Windräder. © Foto: dpa
CHRISTINE BÖHM 12.06.2012
Weil Anwohner protestieren, baut die Göppinger Hochschule nun doch kein Windrad in der Öde. Stadtverwaltung und Dekan wollten keinen Streit.

Die Hochschule wollte am Hang unterhalb des Gewerblichen Schulzentrums ein 50 Meter hohes Windrad bauen. Doch daraus wird nichts, denn neun Anwohner protestierten. "Wir wollten keinen Streit und es auch nicht mit Gewalt durchsetzen", sagt Rainer Würslin, der Dekan der Hochschule. Er bedauert den Gegenwind aus der Bevölkerung jedoch sehr. Für die Studenten der drei in Göppingen angebotenen Studiengänge wäre die Anlage wichtig gewesen. Der wissenschaftliche Nachwuchs hätte dort forschen und lernen können - ohne lange Anfahrtswege. Jetzt sucht die Hochschule nach einer Alternativlösung. "Wir lassen nicht locker", sagt Würslin. Geplant ist eine Anlage bei Stötten, in Zusammenarbeit mit weiteren Hochschulen.

Der Landkreis sei nach Ansicht des Dekans prädestiniert für die Windkraft. Dass die Anwohner sich gegen das Projekt stemmen, ist für ihn schmerzhaft: "Das tut uns schon weh. Es ist ein typisches Zeichen dafür, wie wir ticken. Alle wollen die Energiewende, aber bloß nicht hier bei uns", sagt Würslin.

Nun will der Dekan eine kleinere, zehn Meter hohe Version des Windrads auf dem Gelände der Hochschule errichten lassen. Möglich sei, es neben das sanierte Schniepp-Gebäude oder auf eines der Dächer zu setzen. "Für ein solches Windrad gibt es keine Genehmigungspflicht. Wir sprechen es aber trotzdem mit der Stadt ab", betont Würslin. Ob dann wirklich niemand mehr dagegen ist, will Würslin noch nicht mutmaßen.

Göppingens Oberbürgermeister Guido Till zeigt Verständnis für die Sorgen der Anwohner: "Angesichts der dichten Bebauung in der Stadt verstehe ich die Vorbehalte der Bevölkerung gegen Windräder in der Nachbarschaft." Er bedauert, dass es der Hochschule nicht möglich ist, ein Windrad in unmittelbarer Nähe zu errichten und zu betreiben. Nun müsse ein anderer Standort gesucht werden. Aber die Stadt sei mit ihrer Bevölkerungsdichte in einer schwierigen Situation. Till: "Es wäre schön gewesen, ein Windrad zu errichten, aber man muss auch die Interessen der Nachbarschaft berücksichtigen."

Die Göppinger Stadtplanerin Eva Noller bedauert, dass das Windrad nicht gebaut werden kann: "Es wäre schön gewesen, wenn in sichtbarer Nähe zur Hochschule ein Zeichen gestanden hätte." Das wäre Werbung für das Thema Windkraft und die Hochschule selbst gewesen. Allerdings habe sich mit der Zeit gezeigt, dass die Voraussetzungen für den Bau nicht erfüllt gewesen seien. Die Anwohner in der näheren Umgebung störten sich hauptsächlich am Schattenschlag, also am Schatten der sich drehenden Rotoren über ihren Häusern.