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Anschlag
Info / Dirk Hülser  Uhr

Zum dritten Mal binnen einer Woche hat es in Göppingen einen Anschlag gegeben, der mutmaßlich von Rechtsextremisten verübt wurde. Davon geht nicht nur die Polizei aus. Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag mit einem Stein eine Scheibe im Haus der Jugend eingeworfen und anschließend ein Glas mit Buttersäure hinterhergeschmissen. In dem Gebäude war für Donnerstag ein antifaschistischer Filmabend angekündigt gewesen.

Wegen des Angriffs konnten Donnerstagmorgen Sprachkurse für Flüchtlinge nicht stattfinden, zu heftig war der Gestank. Die Teilnehmer mussten ins Mörike-Gymnasium ausweichen. Der Schaden war gegen 6.30 Uhr vom Hausmeister entdeckt worden. Eine Spezialfirma reinigte die betroffenen Flächen und ein Glaser reparierte die Scheibe provisorisch mit einer Holzplatte.

„Wir hatten so etwas schon befürchtet“, sagt die Vorsitzende des Vereins Haus der Jugend Göppingen, die FWG-Stadträtin Annemarie Schewe. „Die werden ja derartig frech, so massive Störungen wie in diesem Jahr hatten wir noch nie.“ Mit „die“ meint Schewe Neonazis aus dem Landkreis, die seit geraumer Zeit aktiv sind und früher als „Autonome Nationalisten Göppingen“ firmierten, diese Organisation wurde vom Innenministerium aber verboten. „Ja, das ist der ,Dritte Weg’, da bin ich mir ganz sicher“, meint Schwewe. „Das ist traurig, das ist eine Riesenschweinerei.“

Hakenkreuz und Drohungen

Die rechtsradikale Kleinstpartei tritt immer wieder in Erscheinung, sei es durch massenhaft Aufkleber in verschiedenen Kommunen oder durch Infostände, die sich vornehmlich gegen Asylbewerber richten. Auch Linken-Stadtrat Christian Stähle hat Mitglieder dieser Partei im Verdacht: Bei ihm waren in der Nacht zu Montag ein Hakenkreuz und Drohungen ins Treppenhaus gesprüht worden, außerdem wurde ein Wasserhahn aufgedreht. Nur wenige Tage zuvor, in der Nacht zum Freitag, war beim international tätigen Foto- und Videojournalisten Andreas Scheffel im Reusch eine Scheibe eingeworfen worden, auch er vermutet die Neonazis vom „Dritten Weg“ als Täter.

Scheffel steht schon länger im Visier der Rechten, immer wieder werden sein Haus und die Nachbarschaft mit Aufklebern verunstaltet oder er wird namentlich mit Sprühereien beleidigt oder bedroht.

So glaubt denn auch die Polizei an keinen Zufall. Sprecher Uwe Krause unterstreicht: „Wir sehen auf jeden Fall diesen politischen Hintergrund und haben natürlich den Zusammenhang mit den anderen Straftaten im Blick.“ Er sagte aber auch, dass die Ermittler „auf jeden Fall offen auch für andere Thesen“ seien.

Am Donnerstag fuhr die Polizei vermehrt Streife rund um das Haus der Jugend und wollte auch am Abend Präsenz zeigen. Denn der Filmabend sollte wie vorgesehen stattfinden, auf dem Programm stand eine Dokumentation über die griechische Rechtsaußen-Partei „Die Goldene Morgenröte“. Krause betonte: „Wir werden unsere Sicherheitsmaßnahmen auf jeden Fall verstärken und dafür sorgen, dass die Besucher sicher sind, dass da nichts passiert.“

Veranstalter der Filmvorführung ist das „Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region“, das früher regelmäßig zu Gast im Haus der Jugend war. Jugendhaus-Vorsitzende Schewe berichtet, dass der Beschluss, der Gruppe die Räume zur Verfügung zu stellen, einstimmig gefallen sei. Darüber ist die Stadträtin der Freien Wähler im Nachhinein auch froh: „Das war richtig. Und wer da den geringsten Zweifel dran hatte, wurde nun eines Besseren belehrt.“

Die Kriminalpolizei sucht Zeugen und erbittet Hinweise unter Tel. (07161) 63-2360.