Göppingen Muskelmänner zum Anfassen

Göppingen / Sabine Ackermann 09.02.2018
Anfassen erlaubt: Muskelmänner der Truppe „SixxPaxx“ und Marc Terenzi bringen 400 Frauen in Wallung.

„Macht euch bereit, Ladys, es ist soweit, zehn…neun…acht…“, die Stimme aus dem Off ist im Gegensatz zu der des strippenden Entertainers David Farell deutlicher und verständlicher zu hören. Mag entweder am Ton oder dem aufbrausenden Schrei-Tsunami der Damenwelt gelegen haben, denn die Handvoll Herren im Publikum fungierten eher als stille Requisite. Für die Frauen war es womöglich eine perfekte „Generalprobe“ zum Weiberfasching.

Mit etwas Glück landeten die vielen eigenhändig zerrissenen und geworfenen „SixxPaxx“-Unterhemden im verschwitzten Weiß direkt in den begehrlich hochgestreckten Frauenhänden: Somit hatte sich auch die Kostümfrage erledigt.

Allerdings: Selbst in einer Männer-Strip-Show gibt es Regeln. Keine verschränkten Arme, keine Nachrichten an den Ehemann oder Freund, fordert David Farell im lockeren Plauderton, stimmt aber Fotos und kurzen Videofilmchen bereitwillig zu. „Anfassen und streicheln sind ausdrücklich erwünscht – sollten unsere Raubkatzen durch die Gänge streichen“, lockt Adonis die schüchternen Evas aus der Reserve. Selbst nach knapp drei Stunden Akrobatik, Tanzeinlagen wie Break-Dance oder Hip Hop, Muskelzucken sowie Frauenverführungen auf und vor der Bühne, zeigen die „Vollkontakt-Animateure“ keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Ständig wechseln sie die Rollen, sind mal Cowboys, Polizisten oder Gerüstbauer, die mit Trennschleifern Funken sprühen lassen und gehen hinterher duschen. Sie erzählen mit ihren athletischen Körpern Geschichten wie „Die „Schöne und das Biest“, fahren auf der Titanic, gefallen als „Men in Black“ oder vertreiben als „Ghostbuster“ gruselige Horror-Gestalten. Und mittendrin begeistert Marc Terenzi, der im Unterschied zum Auftritt im Dezember 2016 seinen Fokus mehr auf Gesang als auf nackte Haut legt. Eine gute und hörenswerte Entscheidung des frisch entthronten Dschungelkönigs, der mit seiner Freundin Anja angereist ist. Mal kraftvoll, mal sanft balladesk interpretiert der 39-Jährige seine Lieder. Am Ende posieren „Sixx Paxx“ und Marc Terenzi eine gute Stunde auf einem Sofa für Selfies und beantworten jede Frage.

Erotische Szenen? Ja, aber nur auf den ersten Blick. Wer nämlich genau hinschaute erkannte, bei „Sixx Paxx“ ist alles nur „Vorspiegelung falscher Tatsachen“. Die Muskelmänner sind gut erzogen, berühren nur scheinbar die weiblichen Stellen der wehrlosen und loyalen Damen, die stehend, sitzend, liegend der Dinge harren, die da kommen mögen. Trotzdem schaffen sie es, dass schon vor dem Start des dritten Teils ein Hauch von „Fifty Shades of Grey“ in der Luft liegt.

Längst sind die altersmäßig bunt gemischten Frauen heiser vom Kreischen und Schreien, wiegen sich stehend und klatschend im Takt der Musik. Das heizt die Show-Männer weiter an, immer wieder holen sie sich neue Mitspielerinnen auf die Bühne. Und David Farell entlässt die Damen schließlich mit einem schlüpfrigen Spruch über Feuchtigkeit und Freudentränen nach Hause.

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