Gold An- und Verkauf von Gold boomt

Göppingen / KARIN TUTAS 19.03.2013
Omas Trauring, Zahngold, das vergoldete Zigarettenetui - die Nachfrage nach Edelmetall ist ungebrochen. Die Palette der Aufkäufer reicht vom klassischen Juwelier übers Fotogeschäft bis zum Reisebüro.

Sie schlummern seit Jahrzehnten in der Schmuckschatulle: vier schmale Goldarmreifen, ein Kettchen mit Perlenanhänger und Omas Trauring - modisch gesehen alles andere als up-to-date. Also wieder in die Schublade damit? Oder tun, was viele derzeit machen? Gold ist weiter hoch begehrt. Wer sich in Göppingen auf den Weg macht, braucht nicht lange zu suchen. Die Innenstadt ist eine einzige Goldmeile. Allein in der Hauptstraße locken innerhalb von 200 Metern sechs Schilder mit der Aufschrift "Goldankauf" - vom Juwelier über den Edelmetallhändler bis zum Reisebüro. Mal sehen, was der "Goldschatz" wert ist.

Nure Cebe greift zur Lupe, dann wird gewogen. "Alles 333er-, der Anhänger ist 585er-Gold", sagt die Frau und nennt ihren Preis. Nure Cebe vertraut auf den Stempel und ihre Erfahrung. "Ich habe einen Blick dafür, was echt ist", sagt die Frau, deren Sohn ein Juweliergeschäft betreibt. Allerhand Ramsch sei ihm schon unter die Finger gekommen, sagt Toni Cebe, vor allem im Urlaub in südlichen Ländern ließen sich viele Kunden von vermeintlich günstigem Goldschmuck blenden, der sich hinterher als billiger Tand erweise.

Spätestens der Säuretest bringt es an den Tag. Tatjana Ruks träufelt die Flüssigkeit auf einen Kohlestein und reibt den Armreif daran. Nichts passiert. Während andere Metalle mit der Säure reagieren würden, bleibt das Gold unverändert. Der Schmuck ist echt. Das Geschäft hat sich auf den An- und Verkauf von Edelmetall spezialisiert. Die Kundschaft ist bunt gemischt. "Die meisten sagen, dass sie eigentlich nicht verkaufen müssen", sagt Ruks. Oft sei es geerbter oder altmodischer Schmuck, der angeboten werde. Aber auch mit bitterer Not werden die Aufkäufer konfrontiert. "Wir hatten schon Menschen, die weinend hier saßen." Gegen Monatsende häuften sich die Verkaufsangebote, weiß auch Toni Cebe. Auch Urlaube oder Anschaffungen für die Kinder würden durch den Goldverkauf finanziert.

Aus alt mach neu

Andere wollen einfach etwas Neues und geben ihren alten Schmuck in Zahlung. "Wir stellen nur Schmuck aus Altgold her", sagt Juwelier Thorsten Stübe. Das sei fair gehandelt, weil sich der Ankaufpreis am Tagespreis orientiere. Auch ökologische Aspekte sprächen für die Verwertung von Altgold. "Das wurde schon einmal aus dem Boden geholt. Heute ist ein großer Chemieeinsatz notwendig, um Gold zu fördern", weiß Stübe.

Allerdings verwendet der Göppinger Juwelier das häufig angebotene 333er-Gold nicht zur Weiterverarbeitung. Die Gusslegierungen seien zu hart und schlecht zu gießen und löten. Stübe verkauft den Schmuck an die Scheideanstalt, wo er eingeschmolzen und in die unterschiedlichen Bestandteile getrennt wird. Denn nicht nur Gold bringt Geld, sondern auch die weiteren im Schmuck enthaltenen Metalle wie Silber oder Kupfer. "Einige Stücke sind aber einfach zu schade zum Schmelzen", sagt der Juwelier. In diesem Fall lohne sich das Umarbeiten. "Wenn jemand ein besonders gutes Stück bringt, schicken wir ihn zum Antiquitätengeschäft", erklärt Stübe, für den der Ankauf des Edelmetalls indes nur ein Nebengeschäft ist.

Lohnenswert sei der Goldankauf jedoch allemal, versichern die Ankäufer unisono. Sechs Händler hat die Frau mit ihrem Goldschatz abgeklappert. Zwischen 145 und 183 Euro hätte der Verkauf von Armreifen, Kette, Ring und Anhänger in die Haushaltskasse gespült. Vergleichen lohnt sich also. "Auf jeden Fall sollte man sich nach dem Tagespreis erkundigen und sich vom Händler erklären lassen, wie der Ankaufpreis zustande kommt", sagt Tatjana Ruks. Allerdings schränkt die Händlerin ein: "Es gibt keine Richtlinien, und es steht dem Ankäufer frei, wie viel er zahlt."
 


Der Feingoldgehalt ist entscheidend

Schmuckgold ist häufig als 333er-Gold (acht Karat) im Handel. Das bedeutet, dass es ein Drittel Gold sowie - je nach Farbe - Silber und Kupferanteile enthält. So besteht Weißgold zu zwei Dritteln aus Silber, während Rotgold zwei Drittel Kupfer enthält.

Der Händler erzielt beim Weiterverkauf also auch für die anderen Metallanteile im Schmuck einen Erlös.

"Vergleichen, vergleichen, vergleichen", rät Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg potenziellen Verkäufern. Vorsicht empfiehlt die Verbraucherzentrale bei vermeintlich lukrativen Online-Preisen. Der Verkauf vor Ort habe den Vorteil, dass der Verkäufer sein Gold erst aus der Hand geben müsse, wenn er sein Geld habe.