Altes Glas in allen Facetten

SWP 05.01.2012
Gefäße aus durchsichtig-klarem Material oder farbenfrohem Grundstoff - geformt, beschliffen oder bemalt: Im Alten Schloss in Stuttgart ist eine der bedeutendsten Glassammlungen der Welt zu sehen.

Mit dem Erwerb der Glassammlung Ernesto Wolf zwischen 1991 und 2003 hat das Landesmuseum Württemberg seinen Bestand erheblich erweitert. Seitdem ist es möglich, die Entwicklung des Glases von den Anfängen in der Antike bis zur Gegenwart lückenlos zu präsentieren.

Der Sammler Ernesto Wolf (1918-2003) war gebürtiger Stuttgarter. Schon sein Vater Alfred Wolf hatte in den 20er-Jahren begonnen, Glas zu sammeln. Wirtschaftskrise und Emigration setzten dem jedoch vorübergehend ein Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Ernesto Wolf den geretteten Bestand dieser kostbaren Stücke seines Vaters systematisch auszubauen. Sein Blick für Qualität ließ die Kollektion zu einer der bedeutendsten privaten Glassammlungen werden. Mit Ausnahme der islamischen Gläser ist sie komplett in den Besitz des Landesmuseums Württemberg übergegangen.

Wer sich für einen Gang durch die Ausstellung im Alten Schloss in Stuttgart entscheidet, dem wird antike Glasgeschichte präsentiert - von ihren Anfängen bis in die spätrömische und byzantinische Zeit hinein. Die ältesten Objekte aus dem westasiatischen Raum reichen sogar bis in die Bronzezeit zurück. Die ägyptischen Gefäße, die im Alten Schloss gezeigt werden, zeugen von der ersten Hochblüte der Glasherstellung. Auf Luxus wollten auch die wohl eher betuchten Gastgeber in hellenistischer und spätrömischer Zeit nicht verzichten und setzten ihren Gästen an der Tafel farbenprächtige Gefäße vor.

Die Erfindung der Glasmacherpfeife im 1. Jahrhundert v. Chr. erlaubte später die Herstellung neuartiger Gefäßtypen. Diese Formenvielfalt römischer und byzantinischer Glaskunst ist in der Ausstellung im Alten Schloss ebenfalls zu sehen. Venedig steht am Beginn der nachmittelalterlichen Glaskunst in Europa. Hier wurden die raffiniertesten Veredelungstechniken für Hohlgläser entwickelt. Den venezianischen Gläsern, einem Schwerpunkt der Sammlung, steht Nürnberg als frühes Glaszentrum nördlich der Alpen gegenüber.

Eine Vielzahl geschnittener und geschliffener Pokale macht die Besonderheiten der deutschen Kunstlandschaften im späten 17. und 18. Jahrhundert sichtbar. Die Niederlande sind dagegen mit feinen gerissenen und gestippten Kelchgläsern vertreten. Bemalte Becher der Biedermeierzeit und monumentale Vasen des Historismus beschließen den Überblick über vier Jahrtausende Glasgeschichte. pm

Info Wer sich die Ausstellung nicht allein anschauen will, kann auch an einer Führung teilnehmen. Die nächste ist am Sonntag, 8. Januar, um 11 Uhr. Der Titel: "Eine glasklare Sache - ein Gang durch vier Jahrtausende Glasgeschichte." Mehr zum Landesmuseum gibt es im Internet unter www.landesmuseum-stutt gart.de