Göppingen/ Kirchheim Als Gage eine Tafel Schokolade

Von wegen wilder Anarcho: Werner Dannemann in seiner Wohnung in Bartenbach. "Keine Tattoos, keine Piercings, dafür etwas Öko und konservativ angehaucht", so schätzt sich der Musiker selbst ein. Gestern ist der virtuose Gitarrist und Komponist 60 geworden. Am Samstag stellt er sein 24. Album vor. Foto: Giacinto Carlucci
Von wegen wilder Anarcho: Werner Dannemann in seiner Wohnung in Bartenbach. "Keine Tattoos, keine Piercings, dafür etwas Öko und konservativ angehaucht", so schätzt sich der Musiker selbst ein. Gestern ist der virtuose Gitarrist und Komponist 60 geworden. Am Samstag stellt er sein 24. Album vor. Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen/ Kirchheim / SABINE ACKERMANN 09.02.2012
Werner Dannemann, Sänger, Gitarrist und Komponist, wurde gestern 60. Er liebt seine Eltern, Musik, Heimat, Veränderungen und setzt sich aktuell gegen Kindesmissbrauch ein. Ein Künstler zum Anfassen.

"Es geht eigentlich, so etwa zehn Stück", verrät Werner Dannemann auf die Frage nach der Anzahl seiner Gitarren. Etwa ebenso viele wie Bandprojekte. Für einen Berufsmusiker nicht ungewöhnlich, schließlich bilden Instrumente wie Stimme das Gerüst für seine handgemachte Tonkunst. Die handgemachte Musik des Berufsmusikers hat viele Facetten.

Am 8. Februar 1952 wurde Werner Dannemann in Eislingen in eine Welt voller Klänge und Töne hineingeboren. Sein Vater Eugen, den er früh verlor, war Sänger im örtlichen Liederkranz, Mutter Luise begeisterte sich als Solistin für deutsche Romantik. Er war gerade mal drei Jahre alt, als er sich seine erste Gitarre wünschte. Um seinem Ziel Nachdruck zu verleihen, spannte der kreative Bub Gummiringe über Teppichklopfer und Federballschläger und "spielte" darauf so lange, bis er nach vier Jahren Geduldsprobe endlich seine erste echte Klampfe in den Händen hielt. "Meine eigene Musik zu verwirklichen war fortan mein langjähriger Traum", verrät Dannemann, der am Samstag in der Göppinger Chapel seine CD "The Green Blues" präsentiert. Auch in Kindergarten und Grundschule blieb sein Talent nicht unentdeckt; und so durfte er meist auf dem Tisch stehend für die Gage einer Tafel Schokolade gängiges Liedgut vortragen.

Doch nicht alles lief nach Plan. Der Gitarrist, der zuvor im Christophsbad eine Lehre als Zierpflanzengärtner absolvierte, erinnert sich an seinen ersten Auftritt 1965 mit der Schülerband "Froggs", bei dem sie der katholische Pfarrer aus dem Gemeindehaus schmiss und zu allem Übel ihr Manager mit den Einnahmen stiften ging. Oder Jahre später, als die erste und zugleich letzte Audition der "Soul Organisation" im damaligen NCO-Club zum Fiasko wurde.

Doch es gab auch Zuspruch: Sein HoGy-Musiklehrer bescheinigte dem Schüler ein absolutes Gehör, das der Bartenbacher seit 1980 vielerorts als Profimusiker unter Beweis stellt. Sogar in Norwegen und Frankreich lernte man seine virtuosen Gitarrenriffs zu schätzen. Und die lassen einen glauben, er wäre ein wilder Zeitgenosse. Dannemann lächelt: "Keine Tatoos, keine Piercings, dafür etwas Öko und konservativ angehaucht", sagt der bodenständige Künstler, der gerne wandert und sich im Alter viel "befreiter" fühlt. Entspannung findet er in der Schmetterlings-Fotografie sowie im Hören von Klängen aus Mittelalter und Renaissance bis zu Klassik und Romantik. Mittlerweile hat er 24 CDs eingespielt und viele Musik-Projekte wie Opera Nova, Soul of Guitar, Dannemann plays Clapton oder Musik ist Heimat initiiert. Aktuell setzt er als Produzent beim Verein "Serie-X - der Traum einfach Kind zu sein" ein Zeichen gegen Kindesmissbrauch.

Info Am Samstag, 20 Uhr stellt Werner Dannemann in der Chapel im Göppinger Stauferpark seine neue CD "The Green Blues" vor. Mit dabei: der britische Gitarrist und Woodstock-Teilnehmer Miller Anderson und der Eloy-Drummer Bodo Schopf.

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