Hamidreza Shahandehpour sitzt entspannt in einem Café. Die Sonne scheint ihm ins Gesicht, während er über sein Leben und über den Iran plaudert, wo noch seine Mutter und seine 36 Jahre alte Schwester mit ihrem Mann und den zwei Söhnen wohnen. Sein Vater war gegen die Regierung und wurde von dieser umgebracht, als er selbst gerade einmal acht Monate alt war, behauptet Shahandehpour. September 2013 flüchtete Shervin - wie ihn seine Schwester genannt hat, weil sie diesen Namen schöner fand als Hamidreza - und betrat zwei Monate später am Flughafen Frankfurt Hahn deutschen Boden.

Sein lockerer Ton scheint nicht richtig zum Thema zu passen: Der aus der Stadt Karaj stammende Grafikdesigner erzählt von Verhaftungen durch die iranische Polizei, weil er mit seiner Freundin die Straße entlang spazierte oder als er als DJ bei einer Party auflegte; von Protestmärschen vor sechs Jahren, an denen er teilnahm, und die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Man dürfe sich nur mit seiner Frau, Mutter oder Schwester in der Öffentlichkeit zeigen - mit anderen Frauen sei das verboten, erzählt Shervin. "Im Iran sind Discos, Bars und Partys verboten, Alkohol kannst du nur auf dem Schwarzmarkt kaufen."

"Bist du Christ, hast du ein Problem"

Mit etwa 21 Jahren hatte er auf einem Berg eine Vision und entschied sich dann, Christ zu werden. Er kannte die Bibel, war sich seines Glaubens aber vor der Vision nicht sicher. Öffentlich hat der heute 28-Jährige seinen Glauben in seiner vom Islam geprägten Heimat aber nicht gemacht. "Bist du Muslim, gibt es kein Problem, bist du Christ, hast du ein Problem", sagt Shervin. Er ist der Überzeugung, die Polizei wisse über die Menschen ganz genau Bescheid. Wenn jemand wüsste, dass er Christ sei, würde er mit Sicherheit ins Gefängnis kommen - für ein oder zwei Jahre, vielleicht für immer. Wegen der drohenden Gefahr ließ er sich erst vor kurzem in Göppingen taufen, zusammen mit einigen anderen iranischen Christen.

Wunsch nach Freiheit

Angetrieben von dem Wunsch nach Freiheit, wanderte Shervin vor rund eineinhalb Jahren über die Türkei und Griechenland aus. Zwei Monate dauerte die Reise zu Fuß, mit dem Schiff und mit dem Flugzeug. Vom Frankfurter Flughafen ging es über Karlsruhe nach Göppingen direkt in die Flüchtlingsunterkunft in der Pappelallee. Dort hatte er ein kleines Zimmer, das er sich mit der unterkunfteigenen Waschmaschine teilen musste. Eine Lungeninfektion machte ihm stark zu schaffen. Deswegen empfahl ihm ein Arzt, aus dem Heim auszuziehen und sich eine eigene Wohnung zu suchen.

Shervin hatte Glück: Ein Vermieter aus Bartenbach, der eine Wohnung schon seit längerem leer stehen hatte, meldete sich beim Landratsamt, das wiederum die für die Pappelallee zuständige Sozialarbeiterin informierte. Der Wohnungseigentümer holte den Iraner schließlich an der Flüchtlingsunterkunft ab und brachte ihn in sein neues zu Hause. "Jetzt habe ich ein Wohnzimmer, Küche und Bad", freut sich Shervin.

Langsam kommt der Iraner in Deutschland an: Seine Arbeitserlaubnis ist ihm vor kurzem erteilt worden, einen Job hat er schon auf dem Hohenstaufen im Restaurant "Himmel und Erde" sicher. Jetzt müsse er nur noch besser Deutsch lernen, mehr Kontakt zu den Deutschen bekommen, sagt der Grafikdesigner, der Multimedia studiert hat. Dazu besucht er einen Deutschkurs in der Volkshochschule und legt anschließend noch eine Extraschicht in der Stadtbibliothek in Göppingen ein. "Die Freiheit in Deutschland gefällt mir. Im Iran gibt es nur schwarze Freiheit. Freiheit vom Schwarzmarkt." Wie lange er diese neugewonnene Freiheit genießen darf, ist jedoch ungewiss. Das hängt alles von dem Asylverfahren ab.