Geislingen an der Steige Alles bleibt variabel und mobil

Geislingen an der Steige / SWP 27.03.2013
"Wiewunderland" heißt die 26. Ausstellung im Kunstkabinett in der WMF Fischhalle in Geislingen. Zu sehen sind farbenfrohe Arbeiten von Roland Doil. Die Vernissage findet heute um 18.30 Uhr statt.

Auf den ersten Blick erinnern Roland Doils Arbeiten an Graffiti. Auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter die Unterschiede: Der 38-jährige Hamburger malt oder sprüht seine Bilder nicht mit einem Schwung, sondern baut sie modular auf, setzt sie aus verschiedenen Motiven zusammen, die wiederum auf einem flexiblen, dünnen Untergrund aufgetragen und ausgeschnitten sind. Die Bildstücke verdichten sich zu einem Ganzen, indem sie übereinander, ineinander oder ganz verschachtelt aufgehängt werden. Wie Legosteine kann man Doils Bildfragmente zu ganz unterschiedlichen Gebilden zusammensetzen. Das Resultat ist eben kein flaches, statisches Gemälde wie es ein Graffiti ist. Doils Kompositionen kann man ändern - auch wenn das Bild schon hängt beziehungsweise aufgebaut ist.

Mit dieser Herangehensweise versucht Doil "Ganz-Räume-Bilder" zu malen - unter Einbeziehung der Architektur und Struktur des Raumes. Dabei bemalt er nicht die Wände, sondern bestückt den jeweiligen Raum mit vorher hergestellten Komponenten. Je nach Begebenheit der Flächen im Raum hängt er seine Bildfragmente unterschiedlich auf und bringt sie miteinander in Beziehung. So kommen je nach Ort und Arrangement unterschiedliche Kompositionen und Motive zustande. Und alles bleibt variabel und mobil.

Der Hamburger Zeichner und Buchillustrator Prof. Klaus Waschk weist darauf hin, dass Doil "die Rechteckruhe, die Formatsicherheit" zerstört, eine "experimentelle, antiidealistische Haltung" einnimmt, "mit der das freundlich Schöne intensiv in Frage gestellt ist, um im Gegenzug zu klassisch Angepasstem den Raum noch plastischer und vielschichtiger zu besetzen und so entschieden den Ausdruck zu steigern."

Roland Doil, geboren in Peine, studierte bis 1999 Freie Kunst mit Schwerpunkt auf der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Dresden und Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, wo er 2004 seinen Abschluss machte. Seitdem arbeitet er als Maler und Grafiker in Hamburg. 2009 gründete er mit anderen Hamburger Künstlern den Kunstverein "2025", der sowohl eine Ateliergemeinschaft ist, als auch in seinen Räumen fortwährend Werke zeitgenössischer Künstler ausstellt.

Doil wird morgen, nach der Vernissage von "Wiewunderland", für die WMF-Auszubildenden einen Kreativ-Workshop leiten.

Info Vernissage: heute um 18.30 Uhr. Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-18 Uhr. Ausstellungsdauer: bis 8. Juni.

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