Alles aus Wachs

SARAH LEVY, DPA 22.05.2013
Nichts für schwache Nerven: Ein Wachsfigurenkabinett in Mannheim zeigt auch schaurige Objekte. Die Macher haben eine in Vergessenheit geratene Sammlung wiederbelebt und als "Panoptikum" eröffnet.

Die junge Frau ist nackt, ihr Körper mit blutigen Striemen übersät. Mit angsterfüllten Augen blickt sie ihrem Peiniger entgegen. Die Nackte ist aus Wachs geformt und eine von etwa 350 Figuren aus Zeitgeschichte, Popkultur und Politik, die seit Kurzem als "Panoptikum" im Mannheimer Stadthaus gezeigt werden. Mit "Unterhaltung und Nervenkitzel" beschreibt Hannes Piechotta, Geschäftsführer des Panoptikums, die Folterkammer, den "dunklen" Teil der Figurensammlung. Die ältesten Stücke stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Gegründet wurde das erste Wachsfigurenkabinett auf deutschem Boden 1869 von den Brüdern Louis und Gustave Castan in Berlin. Im Jahr 1922 verdrängte die Begeisterung für das Bewegtbild das Interesse an den Wachskunstwerken - die skurrile Sammlung musste schließen.

Erst 1972 ergänzte man die Sammlung um zeitgemäße Figuren und stellte sie am Kurfürstendamm aus. Ende der 90er Jahre wurde die Sammlung abermals ausgelagert und fast vergessen. 17 Jahre lang verstaubten die Figuren in einer Lagerhalle. Bis der aus Ketsch bei Mannheim stammende Piechotta, Hobbykünstler und Theaterenthusiast, vor wenigen Jahren auf den Katalog der Berliner Wachsfigurensammlung stieß. Gemeinsam mit seinem Bühnenkollegen Dieter Hillenbrand und der Hilfe zweier Banken erstand er die Sammlung. Das "Panoptikum" zeigt sie alle: Königsfamilien, Bettler, Generäle, Musiker, Präsidentenmörder. Schaurig ist die Sammlung medizinischer Präparate. Im Halbdunkel finden sich Schaukästen mit siamesischen Zwillingen, von Pest zerfressenen Gesichtern und Körperteilen von Leprakranken. Alles aus Wachs, dennoch nichts für schwache Nerven. "Wir wollen aber keine Freakshow zeigen", betont Piechotta. Einige Stücke stammen aus der Berliner Charité und wurden als Lehrobjekte genutzt. Ein Kaufladen, eine Marktszene, ein Berliner Hinterhof - Ausschnitte aus dem bürgerlichen Leben sind ebenfalls vertreten. Aber auch Kopfmodelle einer ethnologischen Sammlung aus dem 19. Jahrhundert. Weniger düster sind die jüngeren Objekte der Ausstellung wie Elvis Presley, Inge Meysel, Marlene Dietrich. Info Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Internet: www.panoptikum- mannheim.de