Göppingen Alien besucht Schwabenland

Der Außerirdische Ätsch besucht den schwäbischen Vollblutmusiker Karle - beim Kindertheater "Ätschagäbele" im Alten E-Werk.
Der Außerirdische Ätsch besucht den schwäbischen Vollblutmusiker Karle - beim Kindertheater "Ätschagäbele" im Alten E-Werk. © Foto: Jannika Quaas
Göppingen / JANNIKA QUAAS 08.03.2016
Straßenmusiker Karle ist frustriert - keiner möchte seine schwäbischen Lieder hören. Bis der Außerirdische Ätsch auftaucht. Eberhard Schillinger und Bernhard Mohl sorgten bei Odeon für gute Unterhaltung.

"Das ist doch Petersson", meint ein junger Zuschauer mit Blick auf den Spielplan von Odeon. Spätestens als Schauspieler Bernhard Mohl alias Karle das erste schwäbische Wort spricht, ist klar: Die Erzählungen von Petersson und Findus stehen an diesem Sonntagmittag nicht auf dem Programm im Alten E-Werk.

Es ist die Geschichte vom außerirdischen Musiksammler Ätsch (Eberhard Schillinger) vom Alphanebel und dem schwäbischen Straßenmusiker Karle. Die beiden Darsteller vom Kindertheater "Ätschagäbele" haben ihren jungen Zuschauern mit "Drei liedrige Strümpf" ein fröhliches Stück präsentiert. Obwohl Karle am Anfang alles andere als fröhlich ist. Schimpfend läuft er mit seiner Gitarre durch den Zuschauerraum auf die Bühne. Nur 3,81 Euro, zwei Hosenknöpfe und ein Mars hat er heute verdient. Dazu kommt noch der gemeine Zettel, den ihm jemand beim Musizieren auf der Straße in den Hut gelegt hat: "Hey Alter, pack deine Gitarre ein. Dein schwäbisches Gedudel ist voll peinlich!" Autsch - das liest man als schwäbischer Vollblutmusiker nicht gern. Doch so ausweglos ist seine Lage gar nicht. Ein Geräusch sirrt durch die Luft und beendet seine Schimpftirade. Nebel kommt auf. Ein silbernes Männchen mit seltsamen Rohren an den Hüften öffnet die Tür und steht plötzlich auf seinem Dachboden. Es ist Ätsch, ein außerirdischer Musiksammler, 648 Menschenjahre alt, vom Alphanebel. Karles schwäbische Lieder haben ihn angelockt.

Erst herrscht Aufregung. Verständigungsschwierigkeiten treten auf, denn die "Sprachsoftwaffel" (Sprachsoftware) von Ätsch hat einen leichten Defekt". Doch die Anfangsschwierigkeiten sind schnell überwunden und Karle zeigt Ätsch nur zu gern seine schwäbischen Lieblingslieder. Ob mit Gitarre, einem Mini-Klavier, Ukulele, Mundharmonika, Body-Percussion, Boomwhackers (Ätschs Rohre) und einer indischen Shrutibox: Die zwei singen und musizieren los. Und die Kinder und ihre Eltern, Omas und Opas im Publikum gleich mit. Ganz "entzückerlich" singt Ätsch vom Alphanebel, nachdem er die Noten von Karle einprogrammiert hat. Die musikalische Reise beinhaltet Lieder, wie "Johann Jakob Schäufele", "Drei liedrige Strümpf" und "Es schneielet, es beielet".

Nicht nur Ätsch lernt Lieder für sein Zuhause im All .Auch Karle erhält von dem Außerirdischen wertvolle Tipps: Seinen Ärger über den gemeinen Zettel in seinem Hut kann er durch ein Ärgerlied abschütteln. Es hagelt noch ein paar deftige schwäbische Kraftausdrücke bis Karle beschließt: "Die kennet mir älle da Buggel runterrutscha."

Für Ätsch ist bald die Zeit gekommen, wieder nach Hause zu fliegen. Kurz vor seinem Abflug verzehrt er noch genüsslich Karles Mars. Mit ein paar "Furzelbäumen" (die bekommen Außerirdische von Schokolade) hebt er schließlich ab und verlässt Karle schweren Herzens. Der ist jetzt aber völlig zufrieden - so wie seine Zuschauer nach diesem ausgelassenen Stück.