In den Umfragen wird die Partei Alfa gar nicht aufgeführt. Der Grad der Zustimmung ist somit nicht messbar. Etwa 15 Mitglieder hat Alfa im Landkreis, gerade mal 500 landesweit, 2800 in Deutschland. An den ehrgeizigen Zielen des Bundesvorsitzenden Bernd Lucke bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ändert das alles nichts. Sechs Prozent und damit den Einzug seiner Partei ins Parlament will der Professor der Makroökonomie am Sonntag schaffen. Lucke weiß: Das wird schwer, sehr schwer. Denn nach wie vor haben viele Menschen noch nie von Alfa gehört, geschweige denn, dass sie das Wahlprogramm kennen. Lucke selbst ist prominent - weil er derjenige ist, der 2013 die AfD gegründet hat und nach eigenen Angaben bis zuletzt gegen deren Radikalisierung und Vereinnahmung durch rechtsnationalistische Kräfte gekämpft hat. Bis zur endgültigen Niederlage. Nach seiner Abwahl aus dem Parteivorstand trat Lucke aus der AfD aus und wurde im Juli 2015 zum Bundesvorsitzenden der neu gegründeten Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) gewählt.

Islamfeinde und Radikale haben Heimat bei der AfD gefunden

Angst, dass auch Alfa nach rechtsaußen rücken könnte, hat der 53-jährige nicht: "Wir haben Sicherheitsmechanismen in unsere Satzung eingebaut. Und die Verschwörungstheoretiker, Islamfeinde und andere Radikale haben ja jetzt mit der AfD eine Heimat. Die verirren sich nicht zu uns."

Alfa sei anders, und er - Lucke - habe "andere Lösungen als die Kanzlerin", sagt der Abgeordnete des Europaparlaments, der von Rainer Schindler, dem Alfa-Landtagskandidaten im Wahlkreis Göppingen, begleitet wird. "In der Politik fehlt der Kompass", meint Lucke - zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik. Lucke fordert eine "atmende Obergrenze" für Flüchtlinge. Soll heißen: Man müsse den Zuzug begrenzen, "aber nicht mit einer starren Zahl". Die "Obergrenze" müsse sich an der tatsächlichen Belastung der Städte und Gemeinden orientieren. Die Regierung, kritisiert der Alfa-Chef, habe in der Flüchtlingskrise "kein Konzept".

Doch wie vor drei Jahren, als die AfD frisch gegründet war, treibt Lucke die Euro-Schuldenkrise und die Geldpolitik besonders um. Wenn es keine andere Lösung gebe, sei er für die Rückkehr zur D-Mark. Wirksame Reformen in Europa seien ihm jedoch lieber, sagt das frühere CDU-Mitglied - und fordert, dass jene Länder die Euro-Zone verlassen, "die mit dem Euro nicht zurechtkommen".

Punkten würde Alfa am Sonntag gerne mit ihren landespolitischen Themen wie Polizei oder Bildung ("Die Gemeinschaftsschule ist eine schöne Utopie"). Lucke glaubt aber: "Die Bürger stimmen über die Flüchtlingspolitik ab." Und wenn es in den kommenden Jahren nicht gelingt, Alfa zu etablieren? Dann will Lucke es gut sein lassen. Als Wirtschaftsprofessor sei er von der Politik "nicht abhängig". Lächelnd fügt er hinzu: "Es ist der letzte Versuch."