Geislingen an der Steige Alexander Kern hat das Gloria modernisiert

Alexander Kern hat das Gloria-Kino übernommen und mit moderner Technik ausgestattet. Auch 3-D-Technik steht jetzt zur Verfügung.
Alexander Kern hat das Gloria-Kino übernommen und mit moderner Technik ausgestattet. Auch 3-D-Technik steht jetzt zur Verfügung. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / EVA HEER 02.07.2014
Vor wenigen Monaten sah es aus, als würde Geislingen sein einziges Kino verlieren. Dann haben es - nach zähem Ringen - die langjährigen Pächter gekauft und daraus ein Lichtspielhaus mit moderner Technik gemacht.

Sie hießen Victoria, Capitol, Kronenlichtspiele, Burgtheater - und Gloria. Nur das letztgenannte der fünf Geislinger Kinos, 1956 eröffnet, existiert noch. Im Herbst 2012 allerdings drohte Geislingen auch dieses letzte Filmtheater zu verlieren. Unüberwindbar scheinende Meinungsverschiedenheiten zwischen Kinobesitzer Hans Bernauer und der Familie Kern, deren Pachtvertrag Ende 2012 auslief, ließen das endgültige Aus des Geislinger Kinolebens befürchten. Streitpunkt waren vor allem die dringend notwendigen Investitionen in moderne Technik und Tonsysteme sowie in die Ausstattung der abgenutzten Kinosäle. "Für mich war es unvorstellbar, dass das Geislinger Kino so endet", sagt Geschäftsführer Alexander Kern.

Der Sohn von Dagmar und Hartmut Kern, die das Gloria 2002 für zehn Jahre gepachtet haben, ist in das Kino hineingewachsen, hat schon als Jugendlicher Filme vorgeführt und am Tresen gearbeitet. Begeisterung und Herzblut sprechen aus jedem Wort des 26-Jährigen. Nach dem Abschluss seiner kaufmännischen Hochschulreife 2006 hat er ein Jahr lang voll im Kino mitgearbeitet, seine Eltern unterstützt und in einem Fernstudienlehrgang die Ausbildung zum Filmtheaterkaufmann abgeschlossen. Dann allerdings noch eine dreijährige Ausbildung zum Speditionskaufmann draufgesetzt. "An den Wochenenden und nach Feierabend war ich immer im Kino und habe mitgeholfen", erzählt Alexander Kern.

Als Ende 2012 die Verhandlungen zwischen den Familien Kern und Bernauer zu einer möglichen Übernahme des Kinos liefen, hat Alexander Kern "eine Lebensentscheidung" getroffen. Mit dem Stuttgarter Unternehmensberater Matthias Filbinger, einem Sohn des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten, als Vermittler, haben sich beide Parteien nach zähem, monatelangem Ringen geeinigt. Als die Finanzierung stand, haben die Kerns das Gloria Kino Center gekauft. Zügig und konsequent hat die Familie mit der Umrüstung auf die neue Technik und der Modernisierung begonnen, Alexander Kern hat seinen Job gekündigt und ist als Geschäftsführer in das Familienunternehmen zurückgekommen. Heute ist das ehemals marode Kino ein modernes Filmtheater, die Säle sind renoviert und neu bestuhlt. Vier Digitalprojektoren, darunter drei 3-D-fähige, ermöglichen es den Kinobetreibern nun, deutlich mehr Filmkopien zu zeigen, darunter auch mehr Blockbuster.

Denn die Verteilung der Filmkopien richtet sich nach einer Rankingliste aller Kinos - und die technische Ausstattung ist dabei ein entscheidendes Kriterium. "In die Technik muss man allerdings laufend investieren. Die entwickelt sich stetig weiter", sagt Alexander Kern. Eine "Summe im siebenstelligen Bereich" haben die Kerns investiert - eine große Verantwortung über viele Jahre.

Trotz dieser und der wenigen Freizeit, die ihm die Arbeit im Familienunternehmen lässt, bereut Alexander Kern den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. "Das ist ein völlig anderes Arbeiten, die Stimmung ist gut, wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten."

Zu einem kleinen, feinen Kino mit einem soliden Mix aus Mainstream und Arthaus, Blockbustern und künstlerisch wertvollen Filmen hat sich das Gloria-Kino in wenigen Monaten entwickelt. Dabei ist es mit seinen vier Sälen ein großes Kino für eine Kleinstadt wie Geislingen. Und: Es ist mittlerweile ein reines Familienunternehmen, in dem nun auch Alexander Kerns Freundin Julia Kleinbach mitarbeitet. Am meisten freut sich Alexander Kern über die gute Resonanz, die er ganz ausdrücklich bekommt. "Viele der Studenten, die ja aus anderen Städten kommen, sind begeistert von dem, was wir anbieten", sagt Kern. Und vor allem die Geislinger belohnen den Mut und die Initiative der Kerns. Dafür sprechen die guten Besucherzahlen.