Einkaufszentrum Historische Stauferfrau Agnes als Namenspatronin

In der Baugrube in der Bleichstraße wird das Einkaufszentrum „Agnes“ gebaut. Namenspatronin ist eine bekannte Frau aus dem Staufergeschlecht, wie eine Broschüre erkärt.
In der Baugrube in der Bleichstraße wird das Einkaufszentrum „Agnes“ gebaut. Namenspatronin ist eine bekannte Frau aus dem Staufergeschlecht, wie eine Broschüre erkärt. © Foto: Carlucci
Göppingen / Arnd Woletz 15.06.2018
Die historische Stauferfrau Agnes dient als Namenspatronin für das geplante Göppinger Einkaufszentrum.

Sie gilt als „die Stammmutter des Staufergeschlechts“ und nun soll sie Namensgeberin für das Einkaufszentrum in der Bleichstraße werden: Agnes von Waiblingen. Diese Entscheidung gaben die Investoren gestern bei einem Pressegespräch bekannt.  Die Namensfindung stehe am Ende eines sehr aufwendigen Prozesses, erläuterte Simon Schenavsky, Investor und Projektpartner. Dazu habe man sich der Dienste der Düsseldorfer Agentur Schwitzke bedient. Die habe sich sehr lange mit der Stadt und ihrem Lebensgefühl beschäftigt. Schnell sei klar gewesen, dass der Arbeitstitel „Staufengalerie“ nicht mehr weiterverfolgt wird.  Zu viele Einrichtungen trügen in Göppingen schon den Namen „Staufer“ oder „Barbarossa“. „Agnes“ sei weiblich und eine Identifikationsfigur, die aus der Historie kommt, aber in die Moderne übersetzt wurde. „Das ist mal was anderes, als immer diese alten Herren, die da herumgeistern“, sagte Schenavsky.   Der Name Agnes stehe für Heimat, Verbundenheit  mit der Region und für einen einladenden, lebendigen  Ort. „Wir wünschen uns, dass das ,Agnes’ zu einem Lieblingsort für viele Göppinger wird“, sagt Schenavsky.

Das Thema Mittelalter wurde mit Schriften, Farben und Mustern bis zur Architektur des Einkaufszentrums interpretiert. Das neue Logo sei „ein einprägsames Siegel mit dem Porträt der Agnes“, finden die Projektpartner.  Auch Fußbodenornamente und andere innenarchitektonische Elemente sollen  die Stilmittel aus der Stauferzeit aufnehmen. Der Clou: Die Investoren planen, einen Sauerwasserbrunnen im Einkaufszentrum sprudeln zu lassen. Man müsse aus bautechnischen Gründen ohnehin neun Entlastungsbrunnen bohren, um die komplizierten Grund- und Mineralwasserverhältnisse in der Stadt in den Griff zu bekommen, erklärte Lefeber. Eine dieser Bohrungen soll, vorbehaltlich der Genehmigung, als Sauerbrunnen erhalten bleiben und den Namen Agnes-Quelle haben.

Neuigkeiten vermeldeten die Projektpartner auch von der Mieterfront: Die Vermietungsquote sei auf 70 Prozent gestiegen, sagte Simon Schenavsky. Im Food-Court seien acht der zwölf Elemente an den Mann gebracht worden. Die bereits vermeldeten Laden-Mieter Deichmann,  dm, Depot und Media-Markt seien weiter an Bord. Ein großer, bisher nicht in der  Stadt  vertretener Textil-Filialist habe unterschrieben. Den Namen wollten die Investoren noch nicht verraten. Er werde jedenfalls 2200 Quadratmeter mieten. Zum Vergleich: Der benachbarte Kaufhof hat eine Gesamt-Verkaufsfläche von 4800 Quadratmetern.

Apropos Kaufhof: Der Göppinger Filialleiter Benedikt Wiegel räumt mit Gerüchten auf, die Kaufhaus-Kette werde sich aus der Stadt verabschieden. Das Gegenteil sei der Fall. Kaufhof stehe fest zum Standort und werde Teil der Shopping-Mall werden. Wiegel räumt ein, dass der Kaufhof derzeit unter der unmittelbaren Baugruben-Nachbarschaft und den weggefallenen Parkhausplätzen leidet. „Wir haben jeden Tag drei Anrufe, ob wir noch offen haben“. Der Betrieb laufe natürlich weiter. Deshalb setzt man große Hoffnungen auf eine Informationsoffensive und die neuen Parkdecks in den Obergeschossen des Neubaus, die in Systembauweise auf die Betongeschosse gesetzt werden und äußert zügig gebaut werden können, wie Peter Lefeber erklärte.

Ob die gut 600 Parkplätze allerdings wie angekündigt bereits in etwa einem Jahr fertig sein werden, dazu schweigen die Investoren. Simon Schenavsky ist mit Terminen generell vorsichtig geworden. Einen Zeitpunkt, wann das Einkaufszentrum wirklich eröffnet, will er  nicht mehr nennen. Zu oft musste der Zeitplan schon korrigiert werden. Nur so viel will er sagen: Noch im  Jahr 2019 soll der Rohbau fertig sein und dann an die jeweiligen Mieter zum Endausbau übergeben werden.

Bis dahin ist es immer noch ein steiniger Weg, derzeit gähnt an Stelle des ehemaligen Frey-Centers und des Kaufhof-Parkhauses eine gigantische, etwas ungeordnet wirkende  Trümmerlandschaft. Doch Peter Lefeber erklärt: „Alles was wir dort tun, ist geplant. Derzeit laufe der Baugrubenverbau, dazu würden einige Außenwände und Abstützungen zunächst stehen gelassen. Schenavsky berichtet, dass gerade beim Baugrubenverbau eine Verzögerung eingetreten sei, weil sich in Gesprächen mit der Stadt gezeigt habe, dass die angepeilten Standorte für Kräne und Betonpumpen nicht funktionieren.

Die Firma ESP-Projects aus Hannover wurde mit der Projektsteuerung und Bauleitung beauftragt. Bis Mitte August soll das Team  um Projektleiter Peter Klasen nun  die Bestandswände rückverankern. Dadurch sei das derzeit etwas unruhige Erscheinungsbild der Baustelle bedingt.  Der Beginn der Rohbauarbeiten ist für August oder September geplant.

Stammmuter des Staufergeschlechts

Agnes von Waiblingen war die Tochter des Salierkaisers Heinrich IV., der  mit seinem Bußgang nach Canossa in die Geschichte einging. Agnes war mit Friedrich I. verheiratet, der um 1070 die Burg Hohenstaufen erbaute. Mit dieser Ehe begann die Blütezeit der Staufer und Agnes gilt daher als Stammmutter des mittelalterlichen Adelsgeschlechts. 

In zweiter Ehe war Agnes mit Leopold III. von Österreich verheiratet, er ist in der Göppinger Partnerstadt Klosterneuburg so allgegenwärtig wie Kaiser Barbarosssa in Göppingen.

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