An diesem kühlen Abend stehen Polizisten und eine Hundestaffel vor dem Uditorium in Uhingen. 20 Meter weiter, auf einem Gemeindeparkplatz, haben sich Menschen versammelt, Junge, Ältere, Familien mit Kindern. Sie stehen dort mit Schildern in den Händen mit Sprüchen wie „Bevor ihr Volk sein wollt, versucht doch erstmal Mensch zu sein“, „Uhingen ist bunt“, „Keinen Millimeter nach rechts“. Der Verein „Kreis Göppingen nazifrei“ rief zur Demonstration auf, denn der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz hatte die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion zu einer Rede über „Scharia oder Grundgesetz, ist der Islam integrierbar“ eingeladen.

Gegen Rechtsradikalismus

„Hevenu shalom alechem“ (wir möchten Frieden auf der Welt) untermalt als leiser Gesang den Wunsch, der die Menschen auf die Straße getrieben hat. „Ich bin gegen die AfD und den aufkommenden Rechtsradikalismus. Das mit dem Nationalsozialismus soll sich nicht wiederholen“, meint Simon Gebhard, und Laura Fröhlich, 24, ist hier „aus dem antifaschistischen Gedanken heraus, Zwischenmenschlichkeit. Klimawandel leugnen macht keinen Sinn, und mit der Religion soll es jeder halten wie er will“, sagt sie. Außerdem sieht sie die „fließenden Übergänge des Reichsbürgertums und der Identitären Bewegung zur AfD“ sehr kritisch.

Sprechchöre

Publikum, das ins Uditorium geht kommt an, sie werden mit Sprechgesängen wie „Du kannst nach Hause geh’n“ oder „Verlass unsere Stadt“ einiger der etwas mehr als 300 Menschen begrüßt. Eine 79-Jährige meint: „Es wühlt mich immer noch auf, wenn ich solche Gesichter äußerst rechter Politiker sehe.“

180 Teilnehmer

Im Obergeschoss des Uditoriums sind die etwa 180 Plätze des Saales besetzt. Mit einer Stunde Vor- und Begrüßungsreden, bei denen immer wieder auf die Demonstranten draußen verwiesen wird und die „Schlapphüte“ des Verfassungsschutzes, freut man sich über die eigene Arbeit im Bundestag. Ein wenig entrüstet scheint Münz, wenn er erwähnt, dass sein Pfarrer draußen gegen ihn demonstriert, wo er doch die christlichen Werte, die in keiner Form an diesem Abend näher benannt werden, hochhalte, während die Demonstranten die Prinzipien der Aufklärung verrieten. Warum, wird nicht deutlich.

Islamkritik

Als Beatrix von Storch ans Mikrofon tritt, erwähnt auch sie die Demonstranten und Gegner – im Verlauf der Rede kommt immer wieder zum Ausdruck, dass wir (ob nun die AfD, oder die Gesellschaft, bleibt unklar) schwach seien. Über den Islam meint von Storch: „Sie nehmen sich den Raum, wenn sie große Gebete machen.“ Wie und wo, das bleibt mysteriös, aber man müsse deshalb kämpfen. „Wir verteidigen die christlich-jüdische Kultur“, meint sie, bleibt aber schuldig, auf welche Art und Weise. Man möchte keine Minarette und Moscheen, die „Eroberer“ heißen und auslandsfinanziert sind, ansonsten müsse man genau prüfen, ob es noch Moscheen braucht, auch wenn von Storch findet, es habe genug.

Christlichen Glauben hochhalten

Gegen Freunde und Bekannte muslimischen Glaubens habe man nichts, aber gegen den Islam. „Was nicht heißt, dass wir nicht Menschen aus anderen Kulturkreisen zu Deutschen machen können.“ Auf die Frage nach konkreten Maßnahmen und Werten, für die die AfD steht, folgt die Antwort „wir wollen nicht weichen und christlichen Glauben und Ehe und Familie hochhalten und schützen.“ Eine gewisse Angst ist bei den mehrheitlich älteren Männern im Saal zu spüren und diese wird von den Rednern befeuert. Etwas Konstruktives blieb jedoch aus – auch für die schützenswerten Familien. „Der Islam will die Weltherrschaft“, sagt ein 92-jähriger, ehemaliger FDP-Politiker vernuschelt ins Frage-Mikro.

Immer mehr verlassen den Saal, bis die Veranstaltung beendet wird. Draußen steht eine Gruppe, die den Zuhörern ihre Schilder „Lieber international zusammen, als national allein“ entgegenhält und intoniert „Eure Kinder werden so wie wir.“ Es folgt der Wutausbruch eines Seniors. „Antidemokraten“ brüllt er wiederholt. Gabi Merker von Nazifrei e.V.: „Es wäre so schön, wenn wir uns auflösen könnten, weil wir überflüssig sind.“