Streit Ärger nach Nena-Flop: Veranstalterin von "Take Care and Respect" in der Kritik

Weit weniger Zuschauer als erwartet kamen zum Konzert von Nena in die EWS-Arena. Beteiligte warten nun zum Teil auf ihr Geld.
Weit weniger Zuschauer als erwartet kamen zum Konzert von Nena in die EWS-Arena. Beteiligte warten nun zum Teil auf ihr Geld.
Göppingen / DIRK HÜLSER 22.09.2016
Viel zu wenig Zuschauer kamen Ende Juli in die EWS-Arena nach Göppingen zum Nena-Konzert. Die Folge: Es fehlt offenbar an Geld für offene Rechnungen.

Mit der Veranstaltung „Take Care and Respect“ wollte Simone Thieß am ersten Tag der Sommerferien ein Zeichen gegen Gewalt setzen. Höhepunkt war abends der Auftritt von Nena in der EWS-Arena. Doch das Konzert wurde zum Flop: Statt der erwarteten mehreren tausend Besucher füllten gerade einmal um die 800 Gäste das weite Rund der Halle. Nun gibt es Ärger um nicht bezahlte Rechnungen.

„Ich bin vom Grundkonzept noch immer überzeugt“, meint der Geschäftsführer der EWS-Arena, Mario Kreh, über die Idee der 48-jährigen Mediatorin und Anti-Gewalt-Trainerin aus Göppingen. Thieß hatte Jugendlichen etwas bieten wollen, unter anderem war eine Menschenkette geplant, es gab Infostände, Musik und  persönliche Beratungen. „Das Event ist ein Aufschrei. Gewalt unter Jugendlichen nimmt meiner Meinung nach zu. Die Veranstaltung soll dazu beitragen, wieder zu einem respektvolleren Umgang zurückzukehren“, hatte die Organisatorin vor der Veranstaltung gesagt.

Doch mit dem Konzert hat sie sich womöglich übernommen. „Das war zu viel fürs erste Mal für jemanden, der nicht im Veranstaltungsbereich zuhause ist“, glaubt Kreh. „Es gab da sicher die eine oder andere Fehleinschätzung bei der Planung.“ Er wartet jetzt noch immer auf Geld von der Veranstalterin: „Sie hat uns um Aufschub gebeten.“

Viele warten noch auf ihr Geld

Auch andere Dienstleister haben kein Geld gesehen oder weniger, als vertraglich vereinbart war. So sagt ein Mann, der seit Wochen auf einen Rückruf von Thieß wartet: „Was mich entsetzt, ist, dass sie so auf sozial macht.“ Ein weiterer Beteiligter, der auf Geld wartet, drückt sich noch drastischer aus: „Das ist eine Mords-Schweinerei, die hier passiert ist.“ Ein weiterer Dienstleister will vorsichtshalber schweigen, weil er von Thieß eine Unterlassungserklärung bekommen hat – er soll sich zu dem Thema nicht mehr öffentlich äußern. Und ein Betroffener aus der Musikbranche, der ebenfalls in Göppingen war, will von sich aus nichts sagen: „Wir haben schon genügend Theater und Auseinandersetzungen.“

Simone Thieß weist jede Schuld von sich: „Ich habe sowas in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt“, erklärte sie am Mittwoch – „ich bin geschockt“. So weist sie darauf hin, dass beispielsweise die Firma, die die Veranstaltungstechnik bereitgestellt hat, falsche Dinge behauptet habe, um mehr Geld zu bekommen. Thieß berichtet, dass unter Verweis auf eine neue Bühnenanweisung von Nena die Forderungen erhöht wurden – dabei habe es nie eine neue Bühnenanweisung (BA) gegeben. Auf dem Papier sind die technischen Anforderungen der Bands vermerkt.

Auf der Mailbox einer an der Organisation des Konzerts beteiligten Person klingt Thieß aber ganz anders: „Weil da gibt es eine neue BA noch und die neue BA brauchen wir dem Mann erst schicken, wenn wir wissen, ob er es überhaupt machen kann. Also es brennt lichterloh, ich muss heute irgendeine Entscheidung treffen“, hinterließ die Organisatorin wenige Tage vor dem Konzert auf dem Handy.

Dass seitens der EWS-Arena noch Forderungen offen sind, bestreitet Simone Thieß hingegen nicht. „Aber mit Herrn Kreh haben wir eine Ratenvereinbarung“, meint sie. Thieß verweist darauf, bei dem Konzert habe es sich um eine Benefiz-Veranstaltung für einen guten Zweck gehandelt,  Ziel sei gewesen, den Erlös für ein Kinderhaus anzusparen. „Aber es gibt keinen Erlös“, bedauert sie. Einer der vielen Musiker, die an dem Tag für Thieß aufgetreten sind, wundert sich über nichts mehr: „Letztendlich ist sie auch selbst schuld, was man so hört.“