Kreis Göppingen Aderlass an Werkrealschulen

Das Rennen um die Schulanmeldungen der Viertklässler ist weitgehend gelaufen. Die Realschulen und Gymnasien im Landkreis haben aber vom Absturz der Werkrealschulen im Kreis nur bedingt profitiert. Fotomontage: Archiv
Das Rennen um die Schulanmeldungen der Viertklässler ist weitgehend gelaufen. Die Realschulen und Gymnasien im Landkreis haben aber vom Absturz der Werkrealschulen im Kreis nur bedingt profitiert. Fotomontage: Archiv
Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 05.04.2012
Während die Gymnasien die Schülerzahlen insgesamt halten können, bluten die Werkrealschulen im Landkreis aus. Teils geht es an die Existenz. Der befürchtete Ansturm auf die Realschulen bleibt aber aus.

Die Zahlen, die das staatliche Schulamt für die kommenden Fünferklassen meldet, sind für manchen Rektor ein Schock: Der Schülerschwund an Werkrealschulen hat dramatische Formen angenommen, seit die Eltern das letzte Wort bei der Schulwahl haben. Insgesamt verliert diese Schulart im Kreis Göppingen mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In manchen Kommunen sinkt die Zahl der Anmeldungen auf einstellige Werte - was mittelfristig die Existenz der Schule in Frage stellt. Den gravierendsten Absturz hat dabei die Stauferschule in Wäschenbeuren zu verzeichnen. Statt wie bisher 43 Fünftklässler haben sich nur noch sieben angemeldet. Die Schurwald-Werkrealschule Rechberghausen und die Hardtschule Ebersbach stehen kaum besser da. Sie alle werden im kommenden Jahr keine fünfte Klasse mehr bilden können, sondern müssen die Neulinge zusammen mit den Sechstklässlern unterrichten. Den für eine eigenständige fünfte Klasse geforderten Mindestwert von 16 Schülern haben die Werkrealschulen in Albershausen, Salach und Donzdorf nur knapp erreicht, Faurndau bleibt knapp darunter. Nur die beiden Werkrealschulen, die künftig als neue Gemeinschaftsschule geführt werden, trotzen dem Absturz (siehe Kasten).

Auf die Gemeinschaftsschule setzt deshalb beispielsweise auch Karl Vesenmaier, Bürgermeister von Wäschenbeuren, dessen Stauferschule arg gebeutelt wurde. "Das ist dramatisch und zieht uns den Boden unter den Füßen weg", sagte Vesenmaier. Letztlich liege es aber in der Verantwortung der Eltern.

Hans-Jörg Polzer, Leiter des zuständigen Schulamts in Göppingen, bestätigt, dass es eine Verschiebung von unten nach oben gibt: von den Werkrealschulen an die Realschulen und von dort an die Gymnasien. "Diese These drängt sich auf", sagt Polzer. Mancherorts habe die verbissen geführte Diskussion über die künftige Schulstruktur zu einer zusätzlichen Verunsicherung geführt und das Wahlverhalten beeinflusst. Viele Eltern, die ihr Kind die Möglichkeit einer Hochschulreife offen halten wollen, wählten angesichts der anhaltenden Diskussionen vermutlich den sicheren Weg am Gymnasium, so Polzer. Das führt dazu, dass die Realschulen im Kreis nicht unter dem von Fachleuten erwarteten Ansturm stöhnen. Von Ausnahmen abgesehen ist die Zahl der Schüler tendenziell leicht rückläufig. Die Realschulen müssten aber künftig mit einer "veränderten Schülerschaft" zurechtkommen, mein Polzer.

Die sieben Gymnasien in Göppingen und Umgebung sind zwar weiter sehr gefragt, haben aber wie berichtetet ebenfalls keine übermäßigen Gewinne zu verzeichnen - vom Göppinger Mörike-Gymnasium mit knapp 160 Anmeldungen abgesehen. Zwar sind beispielsweise innerhalb Göppingens die Zahlen teils sehr ungleich verteilt. Insgesamt halten die Gymnasien ihr Niveau jedoch nur knapp.

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