Streit Adelberg, das zerstrittene Dorf

Trostlos sieht es auf dem Adelberger Campingplatz aus. Und auch das Verhältnis zwischen der Mehrheit des Gemeinderates und Bürgermeisterin Carmen Marquardt sieht derzeit alles andere als gut aus.
Trostlos sieht es auf dem Adelberger Campingplatz aus. Und auch das Verhältnis zwischen der Mehrheit des Gemeinderates und Bürgermeisterin Carmen Marquardt sieht derzeit alles andere als gut aus. © Foto: Giacinto Carlucci
MICHAEL SCHORN 14.03.2014
Bei der außerordentlichen Gemeinderatssitzung in Adelberg wurde erkennbar, dass es um das Verhältnis zwischen der deutlichen Ratsmehrheit und Bürgermeisterin Carmen Marquardt nicht zum besten steht.
Eine höchst außergewöhnliche Gemeinderatssitzung, die in dieser Form im Landkreis Seltenheitswert hat, erlebten die zahlreichen Zuschauer am Donnerstagabend im vollbesetzten Sitzungssaal des Adelberger Rathauses. Außergewöhnlich deshalb, weil die außerordentliche Sitzung und die Tagesordnung auf Wunsch von 90 Prozent der Adelberger Gemeinderäte auf den Weg gebracht worden war. Außergewöhnlich auch, weil an dem Abend deutlich wurde, dass die Mehrheit der Räte massive Probleme in der Zusammenarbeit mit Bürgermeisterin Carmen Marquardt sieht. Dieses Verhältnis war auch ein geplanter Tagesordnungspunkt, den die Gemeinderäte auf Geheiß der Verwaltung dann aber nichtöffentlich diskutieren mussten. Die Rathaus-Chefin war indes nicht zur Sitzung erschienen, sie hatte sich wegen eines OP-Termins entschuldigen lassen. Von Seiten der Verwaltung war nur eine Protokollantin anwesend.

Das offensichtliche Zerwürfnis zwischen Bürgermeisterin und der Mehrheit des Gemeinderats wurde auch am Abstimmungsverhalten der Räte sichtbar. Bis auf Peter Regelmann stimmten die Ratsmitglieder stets geschlossen für ihre eingebrachten Anträge und Beschlüsse.

Gleich mehrere Gemeinderäte warfen der Bürgermeisterin dann beim ersten Tagesordnungspunkt „Gründe für den Ausfall der für 20.02. geplanten Sitzung“ einen schlechten Stil vor. „Unter zivilisierten Menschen ist es eigentlich üblich, eine anberaumte Sitzung auch abzusagen“, meinte beispielsweise Gemeinderat Ulrich Decker.

Gemeinderat Dieter Stumpp stellte ein mögliches Campingplatzkonzept vor (siehe Artikel auf Seite 18). Im Anschluss daran ließ Marquardt von ihren ehrenamtlichen Stellvertreter, dem Gemeinderat Robert Tischer, eine Stellungnahme der Verwaltung verlesen. Darin stellte Marquardt hauptsächlich Fragen zu Details des Konzepts – wie jene, mit welchem Ertrag aus dem Campingplatzverkauf die Gemeinde im Jahr 2014 nun rechnen könnte. Dazu hieß es aus dem Gremium: „Es ist die Aufgabe der Bürgermeisterin, Lösungen zu suchen. Wir Gemeinderäte arbeiten tatkräftig mit.“

Streitthema war auch die Begehung des Campingplatzes mit Professor Heinrich Lang am 11. Februar. Lang ist Sachverständiger für Camping- und Ferienparkwirtschaft, den Vor-Ort-Termin hatten mehrere Gemeinderäte initiiert. Dort soll Marquardt über den Sachverständigen ausgerichtet haben, dass sie krank sei. Lang fertigte wohl ein Protokoll der Begehung an, das Marquardt noch diskutieren wollte. Schließlich zog Lang aber das Protokoll nach Querelen zurück. Die Gemeinderäte beantragten jetzt mehrheitlich, dass Langs Protokoll ihnen bis zur Gemeinderatssitzung in der kommenden Woche ausgehändigt wird – ansonsten soll es eine Leistungsklage vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht auf Herausgabe des Protokolls geben.

Dass die Gemeindeverwaltung die Kosten der Rechtsberatung durch einen Anwalt für Gemeinderäte übernehmen soll, beschlossen die Räte auch mit einer Gegenstimme. Die Bürgermeisterin hatte zuvor in einer Stellungnahme mitgeteilt, das dieser Antrag nicht notwendig sei, da das Gremium grundsätzlich den Anspruch auf Rechtsberatung beim Kommunalamt und beim Regierungspräsidium habe. Dazu hieß es aus dem Gemeinderat, dass die Erfahrungen mit dem Kommunalamt gezeigt hätten, dass dieses zumindestens vor der Kommunalwahl im Mai überlastet sei. „Es geht dabei darum, dass Gemeinderat und Verwaltung sich auf Augenhöhe gegenüberstehen“, sagte Gemeinderat Werner Pfau.

Peter Regelmann, der als einziger immer gegen die Anträge und Beschlüsse der Mehrheit stimmte, meinte nach der Sitzung: „Wenn die Angesprochene nicht da ist, macht es wenig Sinn, eine solche Veranstaltung abzuhalten.“ Und weiter sagte er: „Das war eine subjektive Darstellung der Dinge aus Sicht der Mehrheit des Gemeinderates. Ich finde es aus Sicht der Zuschauer schwierig, sich ein realistisches Bild zu machen, ohne die andere Seite gehört zu haben.“

Leitartikel Adelberg: Die Gräben sind zu tief