Kunst Abenteuer im Lande Effesch

Mannheim / Marcus Zecha 12.01.2017

Mit der Ausstellung „Fritz Schwegler“ hatte Dr. Ulrike Lorenz Neuland betreten. Zusammen mit Stephanie Regenbrecht kuratierte die Direktorin der Kunsthalle Mannheim „die erste richtige Retrospektive“ des 2014 gestorbenen Breecher Künstlers. „Es war ein Abenteuer, in das unbekannte Land Effesch vorzudringen und einen ersten Versuch einer vollständigen Chronik vorzulegen“, erzählt Lorenz im Rückblick.

Vom 1. November bis 8. Januar war die Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim zu sehen. Präsentiert wurden in neun Galerieräumen rund 500 Werke des Bildhauers, Dichters und Akteurs aus allen Werkphasen Schweglers. „Es war uns aber besonders das bildhauerische Frühwerk aus den 1960er Jahren und die Konzeptphase mit den Skulpturkonzepten der Effeschiaden, den skulpturalen Performances, Filmen und Fotografien wichtig“, erläutert die Direktorin. Einige Arbeiten waren zum ersten Mal überhaupt öffentlich ausgestellt.

Insgesamt sahen knapp 10 000 Besucher die Schwegler-Schau. Großer Beliebtheit erfreute sie sich offenbar bei Familien mit Kindern. „Die Kinder nahmen die Werke Schweglers völlig frei von Hemmungen auf“, freut sich Lorenz, „sie lasen beispielsweise voller sinnlicher Freude die Texte der ’Jubelrollen’ laut vor – ganz wie es sich der Künstler gewünscht hat.“

Im Rahmenprogramm gab es gleich zum Auftakt einen Vortrag von Prof. Wolfgang Ullrich zum provokanten Thema „Über Sinn und Unsinn der Kunstvermittlung in Museen“. Der Kunstwissenschaftler hatte im April 2015 eine nationale Kontroverse mit seinem die Kunstvermittlung kritisch hinterfragenden Artikel „Stoppt die Banalisierung!“ in der ­Wochenzeitung „Die Zeit“ ausgelöst. Neben Kuratorenführungen fand auch ein Abend für Singles statt und eine Lesung von Handke-Texten. Die Finissage war Teil des großen Abschiedswochenendes der Kunsthalle Mannheim, die bis 17. Dezember 2017 komplett geschlossen sein wird. Ein Highlight war die Performance „Poems“ von Wolfgang Sautermeister mit Schweglers „Jubel­rollen“.

Für Ulrike Lorenz hat sich das Abenteuer Fritz Schwegler offenbar gelohnt: Mit der Kuratierung der Ausstellung sei die Grundlage geschaffen für die künftige Rezeption Schweglers – „auch für nachfolgende Generationen“. Der Weg des Wanderers und Wandlers Fritz Schwegler und seiner Kunst scheint also noch längst nicht zu Ende zu sein.

Info Erstmalig wurde das Gesamtwerk Fritz Schweglers mit einem Katalog gewürdigt, der im renommierten Verlag Hatje Cantz erschienen ist.

Fritz Schwegler, der Wanderer und Wandler

Künstler: Der Wanderer und Wandler zwischen Bild und Wort, Gebieter über ein Reich der Poesie, das er nach seinen Initialen „Effesch“ nannte – all dies und noch viel mehr war Fritz Schwegler (1935-2014). Geboren in Breech, erwanderte sich der Schreinergeselle und junge Künstler die Welt bis nach New York und Tokio. Von 1973 bis 2001 prägte Schwegler als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf eine jüngere Künstlergeneration. Er selbst gehörte zu den Teilnehmern der von Harald Szeemann kuratierten documenta 5. Seinen Kosmos aus Bild, Skulptur und Performance entwickelte Schwegler aus einer Quelle, den Urnotizen. Aus diesem Schatz blitzartig notierter Skizzen leitete er von 1962 bis zu seinem Tod immer wieder neue Werke ab. So entstand nach und nach Schweglers fantastische Welt.