Premiere Autoren: „Wir leben längst im Paradies“

Haben ein „Wachrüttel-Buch“ im Vorgriff auf die Bundestagswahl geschrieben: (von links) Marc Friedrich, Matthias Weik und Götz Werner.
Haben ein „Wachrüttel-Buch“ im Vorgriff auf die Bundestagswahl geschrieben: (von links) Marc Friedrich, Matthias Weik und Götz Werner. © Foto: Sander Pitl
Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 22.03.2017

Sie fordern die Abschaffung aller Steuern – bis auf eine. Sie setzen sich für das bedingungslose Grundeinkommen ein. Und sie geißeln die Politik der EZB und erklären einmal mehr den Euro für gescheitert. Marc Friedrich und Matthias Weik, die beiden Bestseller-Autoren aus dem Remstal, haben ihr viertes Buch geschrieben – dieses Mal mit prominenter Unterstützung: Götz Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied der Drogeriemarktkette dm, sei für die Idee, kurz vor der Bundestagswahl ein „Wachrüttel-Buch“ zu schreiben, „sofort Feuer und Flamme“ gewesen, sagt Marc Friedrich.

Nun ist das 150-seitige Werk im Druck, am 24. April kommt die im Eichborn-Verlag erscheinende Lektüre mit dem Titel „Sonst knallt’s – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ auf den Markt. Die Weltpremiere findet einmal mehr in Göppingen statt: Am Dienstag, 25. April, kommen die drei Autoren auf Einladung der NWZ in die Göppinger Stadthalle und präsentieren ab 19 Uhr ihr Buch erstmals der Öffentlichkeit. Moderiert wird die Veranstaltung von NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele und seinem Stellvertreter Joa Schmid.

Matthias Weik und Marc Friedrich stürmten 2012 mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ über Nacht die Bestseller-Listen. Auch ihr zweiter Wirtschaftskrimi „Der Crash ist die Lösung“ und der dritte Coup „Kapitalfehler“ trafen den Nerv der Zeit und wurden ein Riesenerfolg. Mittlerweile haben die beiden Finanzstrategen und Querdenker mehr als 300 000 Bücher verkauft, unter anderem gibt es eine englische, koreanische und chinesische Übersetzung.

„Unsere Welt ist wirtschaftlich und politisch aus den Fugen geraten, und zwar weltweit“, konstatiert Marc Friedrich. Extremistische Parteien hätten enormen Zulauf, „in ein paar Jahren stehen die Populisten auf dem Siegerthron“, prophezeit der Wirtschaftswissenschaftler. Für die Bundestagswahl im September sagt er eine rot-rot-grüne Koalition voraus, zweifelt aber daran, dass der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz „der Heilsbringer“ für Deutschland ist. „Irgendwie fehlt der Kompass. Die Politik muss neue Wege gehen, sonst eskaliert die Lage komplett“, befürchtet Friedrich.

Die Politiker hätten keine ­Antworten auf die drängendsten Fragen, zum Beispiel die Digitalisierung, die enorm viele Arbeitsplätze kosten werde. „Das bedingungslose Grundein­kommen ist daher ein Muss, sonst gibt es Bürgerkrieg“, meint der Ökonom. Eine Abschaffung der Steuern – bis auf die Konsum­steuer – würde viele Probleme lösen, sind Werner, Weik und Friedrich überzeugt. Und die streitbaren Rems­täler bleiben dabei: Nur die Abschaffung des Euros werde den finanziellen Kollaps verhindern.

Trotz dieser eher düsteren Bestandsaufnahme kommen Werner, Weik und Friedrich zu dem Schluss: „Wir leben längst im Paradies.“ Es gebe kein Problem mehr mit der Produktion materiellen Reichtums. „Hier hat uns der Weg des Fortschritts schon vor fünfzig Jahren zum Hintereingang des Paradieses geführt“, heißt es im Buch „Sonst knallt’s“. Mit immer weniger Arbeit werde immer mehr Wohlstand erzeugt – „mit Arbeit zumal, die uns nur noch selten den körperlichen Schweiß auf die Stirn treibt“.

Die Kehrseite der Medaille: Die Menschen treibe die Sorge um, kein Einkommen zu haben oder von diesem nicht leben zu können. Die Aufgabe bestehe nun darin, die Einkommen so zu verteilen, dass jeder seinen Mindestanteil bekomme, fordern die Autoren, die ihr Buch als „Weckruf zu einer essentiellen Grundsatzdebatte über die Zukunft unseres Wirtschafts-, Sozial- und Finanzsystems“ verstehen. „Vielleicht ist es auch das Fundament für eine neue politische Partei, die den Menschen dient“, sagt Marc Friedrich. „Wir fühlen uns von keiner politischen Partei abgeholt, und das ist eine brandgefährliche Entwicklung für die Demokratie.“

Premiere in Göppingen: Jetzt gibt es Tickets

Kartenvorverkauf Tickets für die Buchvorstellung am Dienstag, 25. April, ab 19 Uhr in der Göppinger Stadthalle gibt es ab heute bei der NWZ, Rosenstraße 24, in Göppingen sowie online unter www.südwestpresse.de/ticketshop und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Tickets mit abomax-Rabatt sind nur bei der NWZ erhältlich.

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